Vier Gesänge aus “Stimmen der Völker” für eine mittlere Stimme und Pianoforte

by Adolf Jensen (1837 - 1879)

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1. Erlkönigs Tochter [sung text not yet checked]

Herr [Oluf]1 reitet spät und weit,
Zu bieten auf seine Hochzeitleut'.
Da tanzen die Elfen auf grünem Strand,
Erlkönigs Tochter reicht ihm die Hand:
"Willkommen, Herr Oluf, komm tanzen mit mir,
Zwei göldene Sporen schenke ich dir."

"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Denn morgen ist mein Hochzeittag."
"Tritt näher, Herr Oluf, komm tanzen mit mir, 
Ein Hemd von Seiden schenke ich dir,
Ein Hemd von Seiden so weiß und fein,
Meine Mutter bleicht's mit Mondenschein!"

"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,
Denn morgen ist mein Hochzeittag."
"Tritt näher, Herr Oluf, komm tanzen mit mir,
Einen Haufen Goldes schenke ich dir."
"Einen Haufen Goldes nähme ich wohl,
Doch tanzen ich nicht darf noch soll."

"Und willst du, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,
Soll Seuch' und Krankheit folgen dir!"
Sie tät ihm geben einen Schlag aufs Herz,
Sein Lebtag fühlt' er nicht solchen Schmerz.
Drauf tät sie ihn heben auf sein Pferd:
"Reit' heim zu deinem Fräulein wert!"

Und als er kam vor Hauses Tür,
Seine Mutter zitternd stand dafür:
"Sag an, mein Sohn, und sag mir gleich,
Wovon du bist so blaß und bleich?"
"Und sollt ich nicht sein blaß und bleich?
Ich kam in Erlenkönigs Reich."

"Sag an, mein Sohn, so lieb und traut,
Was soll ich sagen deiner Braut?"
"Sagt ihr, ich ritt in den Wald zur Stund,
Zu proben allda mein Roß und Hund."
Früh Morgens als der Tag kaum war,
Da kam die Braut mit der Hochzeitschar.

Sie schenkten Met, sie schenkten Wein:
"Wo ist Herr Oluf, der Bräutigam mein?"
"Herr Oluf ritt in den Wald zur Stund,
Zu proben allda sein Roß und Hund."
Die Braut hob auf den Scharlach rot, 
Da lag Herr Oluf und war tot.

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Lord Oluf", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "La fille du roi des aulnes", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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1 August: "Olof"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Darthula's Grabegesang [sung text checked 1 time]

Mädchen von Kola, du schläfst!
Um dich schweigen die blauen Ströme Selmas!
Sie trauren um dich, den letzten Zweig
von Thruthils Stamm!

Wann [erstehst]1 du wieder in deiner Schöne?
Schönste der [Mädchen]2 in Erin!
Du schläfst im Grabe langen Schlaf,
dein Morgenrot ist ferne!

Nimmer, o nimmer kommt [mehr]3 die Sonne
weckend an deine Ruhestätte: "Wach auf!
Wach auf, Darthula!
Frühling ist draußen!

"Die Lüfte säuseln, 
Auf grünen Hügeln,  holdseliges Mädchen, 
Weben die Blumen!
Im Hain wallt sprießenden Laub!"

Auf immer, auf immer, so [weiche denn]4, Sonne,
Dem Mädchen von Kola, sie schläft!
Nie ersteht sie wieder in ihrer Schöne!
Nie siehst du sie lieblich wandeln mehr.

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Darthula's Grave Song", copyright © 2005
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Chant de mort de Darthula", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Helga Jost-Weyer) , "Canto fúnebre de Dárthula", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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1 Seckendorff: "erscheinst"
2 Brahms: "Schönen"
3 Brahms: "dir"
4 Seckendorff: "weichst du dann"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Edward [sung text not yet checked]

Dein Schwert, wie ists von Blut so roth?
     Edward, Edward!
Dein Schwert, wie ists von Blut so roth,
     Und gehst so traurig her? - O!
O ich hab geschlagen meinen Geyer todt,
     Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen meinen Geyer todt,
     Und keinen [hab]1 ich wie Er - O!

Dein's Geyers Blut ist nicht so roth,
     Edward, Edward!
Dein's Geyers Blut ist nicht so roth,
     Mein Sohn, bekenn mir frey - O!
O ich hab geschlagen mein Rothroß todt,
     Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen mein Rothroß todt.
     Und 's war so stolz und treu - O!

Dein Roß war alt und hasts nicht noth,
     Edward, Edward!
Dein Roß war alt und hasts nicht noth,
     Dich drückt ein [ander]2 Schmerz - O!
O ich hab geschlagen meinen Vater todt,
     Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen meinen Vater todt,
     Und weh, weh ist mein Herz - O!

Und was für Busse willt du nun thun?
     Edward, Edward!
Und was für Busse willt du nun thun?
     Mein Sohn bekenn mir mehr - O!
Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn,
     Mutter, Mutter!
Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn,
     Will gehn fern übers Meer - O!

Und was soll werden dein Hof und Hall!
     Edward, Edward!
Und was soll werden dein Hof und Hall?
     So herrlich sonst und schön - O!
Ich laß es stehn, bis es sink und fall',
     Mutter, Mutter!
Ich laß es stehn, bis es sink und fall',
     Mag nie es [wieder sehn]3 - O!

Und was soll werden dein Weib und Kind?
     Edward, Edward!
Und was soll werden dein Weib und Kind,
     Wann du gehst über Meer? - O!
Die Welt ist groß, laß sie [bettlen]4 drinn,
     Mutter, Mutter!
Die Welt ist groß, laß sie [bettlen]4 drinn,
     Ich seh sie nimmermehr - O!

Und was willt du lassen deiner Mutter theur?
     Edward, Edward!
Und was willt du lassen deiner Mutter theur?
     Mein Sohn, das sage mir - O!
Fluch will ich Euch lassen und höllisch Feur,
     Mutter, Mutter!
Fluch will ich Euch lassen und höllisch Feur,
     Denn ihr, ihr riethets mir! - O!

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Confirmed with Johann Gottfried Herder's Volkslieder. Nebst untermischten andern Stücken. Zweiter Theil. Leipzig, in der Weygandschen Buchhandlung. 1779, pages 207-209; and with Stimmen der Völker in Liedern. Gesammelt, geordnet, zum Theil übersezt durch Johann Gottfried von Herder. Neu herausgegeben durch Johann von Müller. Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1807, pages 300-302.

Note: This is a later version of Herder's translation (Aus Percy Reliq. Vol. I, p. 57), published in 1779. The first, different version has been published in Herder's Von Deutscher Art und Kunst in 1773.

1 Elling: "habe"
2 Brahms, Elling, and Herder (1807 edition): "andrer"
3 Brahms: "wiedersehn"
4 Brahms, and Herder (1807 edition): "betteln"

Researcher for this text: Peter Rastl [Guest Editor]

4. Lied der Desdemona [sung text not yet checked]

   An einem Baum, am Weidenbaum saß sie
Gedrückt die Hand zum Herzen, schwer vom Leide,
Gesenkt das Haupt, auf ewig fern der Freude,
So weinte sie, so sang sie spät und früh:
   Singt alle Weide!
   Singt meine süße, liebe, grüne Weide,
      Liebe, grüne Weide!

   Der helle Strom, er fühlet mit ihr Ach!
Er rauschet sanft zu ihren Klagetönen,
Der Fels in ihm erweicht von ihren Thränen,
Hallt traurig den gebrochnen Seufzer nach.
   Singt alle Weide!
   Singt meine süße, liebe, grüne Weide,
      Liebe, grüne Weide!

   Du hangend Laub, geliebte Weide du,
Was neigst du dich herab zu meinem Leide?
Mir Kranz zu sein in meinem Leichenkleide!
Hier schwur er mir; hier find‘ ich meine Ruh.
   Singt alle Weide!
   Singt meine süße, liebe, grüne Weide,
      Liebe, grüne Weide!

   Er schwur mir Treu. Treuloser, lebe wohl!
Ich flehte dir: soll ohne dich ich leben?
»Du kannst dein Herz ja einem andern geben.«
So spracht du mir. Leb‘ wohl, leb‘ ewig wohl!
   Singt alle Weide!
   Singt meine süße, liebe, grüne Weide,
      Liebe, grüne Weide!

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Confirmed with Stimmen der Völker in Liedern by Johan Gottfried Herder, Zweites Buch, Otto Hendel, Halle an der Saale undated, c. 1840, page 166.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Bertram Kottmann , Iain Sneddon [Guest Editor]