Zwölf Lieder

by Johann Friedrich Hugo, Freiherr von Dalberg (1760 - 1812)

Word count: 2105

1. Würde der Frauen [sung text not yet checked]

Ehret die Frauen! sie flechten und weben
Himmlische Rosen ins irdische Leben,
Flechten der Liebe beglückendes Band,
Und in der Grazie züchtigem Schleier
Nähren sie wachsam das ewige Feuer
Schöner Gefühle mit heiliger Hand.

Ewig aus der Wahrheit Schranken
Schweift des Mannes wilde Kraft;
Unstät treiben die Gedanken
Auf dem Meer der Leidenschaft;
Gierig greift er in die Ferne,
Nimmer wird sein Herz gestillt;
Rastlos durch entlegne Sterne
Jagt er seines Traumes Bild.

Aber mit zauberisch fesselndem Blicke
Winken die Frauen den Flüchtling zurücke,
Warnend zurück in der Gegenwart Spur.
In der Mutter bescheidener Hütte
Sind sie geblieben mit schamhafter Sitte,
Treue Töchter der frommen Natur.

Feindlich ist des Mannes Streben,
Mit zermalmender Gewalt
Geht der wilde durch das Leben,
Ohne Rast und Aufenthalt.
Was er schuf, zerstört er wieder,
Nimmer ruht der Wünsche Streit,
Nimmer, wie das Haupt der Hyder
Ewig fällt und sich erneut.

Aber, zufrieden mit stillerem Ruhme,
Brechen die Frauen des Augenblicks Blume,
Nähren sie sorgsam mit liebendem Fleiß,
Freier in ihrem gebundenen Wirken,
Reicher, als er, in des Wissens Bezirken
Und in der Dichtung unendlichem Kreis.

Streng und stolz, sich selbst genügend,
Kennt des Mannes kalte Brust,
Herzlich an ein Herz sich schmiegend,
Nicht der Liebe Götterlust,
Kennet nicht den Tausch der Seelen,
Nicht in Tränen schmilzt er hin;
Selbst des Lebens Kämpfe stählen
Härter seinen harten Sinn.

Aber, wie leise vom Zephyr erschüttert,
Schnell die äolische Harfe erzittert,
Also die fühlende Seele der Fraun.
Zärtlich geängstet vom Bilde der Qualen,
Wallet der liebende Busen, es strahlen
Perlend die Augen von himmlischem Tau.

In der Männer Herrschgebiete
Gilt der Stärke trotzig Recht;
Mit dem Schwert beweist der Scythe,
Und der Perser wird zum Knecht.
Es befehden sich im Grimme
Die Begierden wild und roh,
Und der Eris rauhe Stimme
Waltet, wo die Charis floh.

Aber mit sanft überredender Bitte
Führen die Frauen den Scepter der Sitte,
Löschen die Zwietracht, die tobend entglüht,
Lehren die Kräfte, die feindlich sich hassen,
Sich in der lieblichen Form zu umfassen,
Und vereinen, was ewig sich flieht.

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Edone [sung text not yet checked]

Dein süßes Bild, [Edone,]1
Schwebt stets vor meinem Blick;
[Allein]2 ihn trüben Zähren,
Daß du es selbst nicht bist.

Ich seh' es, wenn der Abend
Mir dämmert, wenn der Mond
Mir glänzt, seh' ich's, und weine,
Daß du es selbst nicht bist.

Bey jenes Thales Blumen,
Die ich ihr lesen will,
Bey jenen Myrtenzweigen,
Die ich ihr flechten will,

Beschwör ich dich, Erscheinung,
Auf, und verwandle dich!
Verwandle dich, Erscheinung,
Und [werd' Edone]3 selbst!

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Edone", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Malcolm Wren) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Édone", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Confirmed with Klopstocks Oden. Erster Band. Leipzig bey Georg Joachim Göschen. 1798, page 311.

1 Zumsteeg: "o Lida!" ; Bach: "O Lyda"
2 Zumsteeg: "Doch ach"
3 Zumsteeg: "werde Lida, Lida" ; Bach: "werde Lyda selbst"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Malcolm Wren [Guest Editor] , Peter Rastl [Guest Editor]

3. An die Freude [sung text not yet checked]

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten [feuertrunken]1,
[Himmlische,]2 dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
Was [die Mode streng getheilt;
Alle Menschen werden Brüder]3,
Wo dein sanfter [Flügel]4 weilt.
     Chor.
Seid [umschlungen]5 Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder - überm Sternenzelt
Muß ein [lieber]6 Vater wohnen.

Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu seyn,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja - wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
     Chor.
Was den großen Ring bewohnet
Huldige der Simpathie!
Zu den Sternen [leitet]7 sie,
Wo der Unbekannte thronet.

Freude trinken alle Wesen
An der Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küße gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod,
Wollust ward dem Wurm gegeben, 
Und der Cherub steht vor Gott.
     Chor.
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Schöpfer, Welt?
Such ihn überm Sternenzelt,
Ueber Sternen muß er wohnen.

Freude heißt die starke Feder
In der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
In der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären [rollt]8 sie in den Räumen,
Die des Sehers Rohr nicht kennt.
     Chor.
Froh, wie seine Sonnen fliegen,
Durch des Himmels prächt'gen Plan,
Laufet Brüder eure Bahn,
Freudig wie ein Held zum siegen.

Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Lächelt sie den Forscher an.
Zu [der Tugend steilem]9 Hügel
Leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
Sieht man ihre [Fahnen]10 wehn,
Durch den Riß [gesprengter]11 Särge
Sie im Chor der Engel stehn.
     Chor.
Duldet muthig Millionen!
Duldet für die bess're Welt!
Droben überm Sternenzelt
Wird ein großer Gott belohnen.

Göttern kann man nicht vergelten,
Schön ist's ihnen gleich zu seyn.
Gram und Armuth soll sich melden,
Mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sey vergessen,
Unserm Todfeind sey verziehn.
Keine Thräne soll ihn pressen,
Keine Reue nage ihn.
     Chor.
Unser Schuldbuch sey vernichtet!
Ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder - überm Sternenzelt
Richtet Gott, wie wir gerichtet.

Freude sprudelt in Pokalen,
In der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmuth Kannibalen,
Die Verzweiflung Heldenmuth - -
Brüder fliegt von euren Sitzen,
Wenn der volle Römer kreist,
Laßt den Schaum zum Himmel spritzen:
Dieses Glas dem guten Geist!
     Chor.
Den der Sterne Wirbel loben,
Den des Seraphs Hymne preist,
Dieses Glas dem guten Geist
Ueberm Sternenzelt dort oben!

Festen Muth in [schwerem]12 Leiden,
Hülfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwor'nen Eiden,
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen, -
Brüder, gält es Gut und Blut -
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der [Lügenbrut]13!
     Chor.
Schließt den heil'gen Zirkel dichter,
Schwört bei diesem goldnen Wein;
Dem Gelübde treu zu seyn,
Schwört es bei dem Sternenrichter!

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "A l'alegria", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Aan de vreugde", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (John Glenn Paton) , "Ode to joy", copyright © 2004, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "À la joie", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Confirmed with Gedichte von Friederich Schiller, Zweiter Theil, Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage, Leipzig, 1805, bei Siegfried Lebrecht Crusius, pages 121-127; and with Thalia. Herausgegeben von Schiller. Erster Band welcher das I. bis IV. Heft enthält. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen. 1787, pages 1-5 of Heft II [1786].

1 Zahn: "wonnetrunken"
2 Rust, Zahn: "Göttliche!"
3 first edition, and Rust, Zahn, Zumsteeg: "der Mode Schwerd getheilt; / Bettler werden Fürstenbrüder"
4 Rust: "Scepter"
5 Zahn: "willkommen"
6 Rust, Schubert, Zahn, Zumsteeg: "guter"
7 Rust: "leite"
8 Rust: "wälzt"; Zumsteeg: "lockt"
9 Zumsteeg: "des Glaubens stillem"
10 Rust: "Fahne"
11 Rust: "gespaltner"
12 Schubert, Zahn, Zumsteeg: "schweren"
13 Zumsteeg: "Lügnerbrut"

The first edition has an additional final stanza which was omitted by Schiller in later editions, but included in the settings of Rust, Zahn and Zumsteeg:

Rettung von Tirannenketten,
Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten,
Gnade auf dem Hochgericht!
Auch die Toden sollen leben!
Brüder trinkt und stimmet ein,
Allen Sündern soll vergeben,
Und die Hölle nicht mehr seyn.
     Chor.
Eine heitre Abschiedsstunde!
Süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder - einen sanften Spruch
Aus des Todtenrichters Munde!


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

4. Die Sterne [sung text not yet checked]

Wie wohl ist mir im Dunkeln!
Wie weht die laue Nacht!
Die Sterne Gottes funkeln
In feyerlicher Pracht!
Komm, [Ida]1, komm ins Freye,
Und laß in jene Bläue
Und laß zu jenen Höhn
Uns staunend aufwärts sehn.

Sieh, wie die Leyer schimmert!
Sieh, wie der Adler glüht!
Sieh, wie die Krone flimmert,
Und Gemma Funken sprüht!
Die hellen Wächter winken,
Die goldnen Wagen blinken,
Und stolz durchschwimmt der Schwan
Den blauen Ocean.

O Sterne Gottes, Zeugen
Und Boten beßrer Welt,
Ihr heißt den Aufruhr schweigen,
Der [unsern]2 Busen schwellt.
Ich seh' hinauf, ihr Hehren,
Zu euren lichten Sphären,
Und [Ahnung beßrer]3 Lust
Stillt die empörte Brust.

O Ida, wenn die Schwermuth
Dein sanftes Auge hüllt,
Wenn dir die Welt mit Wermuth
Den Lebensbecher füllt;
So geh hinaus im Dunkeln,
Und sieh die Sterne funkeln,
Und leiser wird dein Schmerz,
Und freyer schlägt dein Herz.

[Und wenn im öden Staube
Der irre Geist erkrankt;
Wenn tief in dir der Glaube
An Gott und Zukunft schwankt;]4
Schau auf zu jenen Fernen
Zu jenen ew'gen Sternen!
Schau auf und glaub an Gott,
Und segne Grab und Tod.

O Ida, wenn die Strenge
Des Schicksals einst uns trennt,
Und wenn das Weltgedränge
Nicht Blick noch Kuß [uns gönnt]5;
So schau hinauf ins Freye,
In jene weite Bläue!
In jenen lichten Höhn,
Dort, dort ist Wiedersehn!

Und wenn ich einst, o Theure,
Von allem Kampf und Krieg
Im stillen Grabe feyre,
So schau empor und sprich:
»In jenen hohen Fernen,
Auf jenen goldnen Sternen,
Dort, wo's am hellsten blitzt,
Wallt mein Verlorner itzt.« 

O Sterne Gottes, Boten
Und Bürger beßrer Welt,
Die ihr die Nacht der Todten
Zu milder Dämmrung hellt!
Umschimmert sanft die Stätte,
Wo ich aus stillem Bette
Und süßem Schlaf erwach
Zu Edens schönerm Tag!

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Les estrelles", copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De sterren", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Malcolm Wren) , "The stars", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Les étoiles", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)

Confirmed with L.T.Kosegarten's Poesieen, Neueste Auflage, Zweyter Band, Berlin 1803, pages 6-9; and with Ludwig Theoboul Kosergarten's Poesieen. Zweiter Band. Leipzig bei Heinrich Gräff. 1798, pages 301-304. Kosegarten's poem is slightly different in later editions (see below).

First published (only stanzas 1-4 and 6) in Musen-Almanach für das Jahr 1796. Herausgegeben von Schiller. Neustrelitz, bei dem Hofbuchhändler Michaelis, pages 174-176.

1 Harder, Zumsteeg: "Mädchen"
2 Schiller's Musenalmanach, and Harder: "meinen"
3 Schiller's Musenalmanach: "Ahndung ewger"; Harder: "Ahnung ew'ger"
4 omitted by Harder.
5 Schiller's Musenalmanach, and Harder: "vergönnt"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

5. Die drey Rosen [sung text not yet checked]

Subtitle: Ein Gesellschaftslied

CHORUS
Vom Schoose der Natur ließ Gott 
Uns eine Rose steigen; 
Die düftet selig, rein, und süß 
Dem Armen wie dem Reichen. 

Sie knospet in der Kindheit Tagen, 
Bricht auf dem Jüngling, blüht dem Mann, 
Und stillt des müden Greises Klagen, 
Und führt zuletzt uns himmelan.  

Sie krönt allein der Fürsten Freuden,  
Sie wischt des Sclaven Thränen ab; 
Sie lindert jedes Erdenleiden, 
Und blüht noch über unserm Grab. 

Wer dieser Rose Tugend preißt, 
Dem saget:  daß sie Freundschaft heißt!  
(CHORUS)

Sie schmückt des edlen Jünglings Wangen, 
Und wohnt in keuscher Mädchen Brust,  
Erweckt das süßeste Verlangen, 
Und lohnt mit engelgleicher Lust.  

Sie düftet selig dem Verkannten, 
Und den Gedrückten stärket sie; 
Blüht selbst in ungerechten Banden, 
Und wo sie blüht, verläßt sie nie.  

Wer dieser Rose Tugend preißt, 
Dem saget, daß sie Unschuld heißt.   
(CHORUS)

Sie blüht zur Zeit der Nachtigallen, 
Blüht, wann das Korn die Aehren hebt, 
Und wann vom Baum die Blätter fallen, 
Und wann der Schnee vom Himmel schwebt.  

Ihr findet sie auf allen Wegen, 
Sie macht den ärmsten Bettler reich; 
Geht ihr nur selbst getrost entgegen, 
O Freunde, so umarmt sie euch.  

Wer dieser Rose Tugend preißt, 
Dem saget, daß sie Freude heißt. 
CHORUS: 
Vom Mutterschoose der Natur 
Ließ Gott drey Rosen steigen; 
Die düften selig, rein und süß 
Dem Armen wie dem Reichen. 

Auf, Brüder, laßt uns einen Kranz 
Von Freundschaftsrosen binden, 
Und damit jetzt und immerdar 
Das stolze Haupt umwinden!  

Auf, Schwester, laßt uns einen Kranz 
Von Unschuldsrosen binden, 
Und damit jetzt und immerdar 
Das frohe Haupt umwinden. 

So, Brüder, Schwestern, können wir 
Auch Freudenrosen binden, 
Und damit jetzt und immerdar
Das sichre Haupt umwinden! 

Authorship

Based on

See other settings of this text.

Confirmed with Friedrich David Gräter, Lyrische Gedichte, Heidelberg: Mohr und Zimmer, 1809, pages 82 - 88. Appears in Denkmale der Freundschaft und Zärtlichkeit.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

6. Abendlied eines Bauers [sung text not yet checked]

Das schöne große Tag-Gestirne
Vollendet seinen Lauf;
Komm wisch den Schweiß mir von der Stirne,
Lieb Weib, und denn tisch auf!

Kannst hier nur auf der Erde decken,
Hier unterm Apfelbaum;
Da pflegt es abends gut zu schmecken,
Und ist am besten Raum.

Und rufe flugs die kleinen Gäste,
Denn hör, mich hungert’s sehr;
Bring auch den kleinen aus dem Neste
Wenn er nicht schläft, mit her.

Dem König bringt man viel zu Tische;
Er, wie die Rede geht,
Hat alle Tage Fleisch und Fische
Und Panzen und Pastet;

Und ist ein eigner Mann erlesen,
Von andrer Arbeit frei,
Der ordert ihm sein Tafelwesen
Und präsidiert dabei.

Gott lass ihm alles wohl gedeihen!
Er hat auch viel zu tun,
Und muss sich Tag und Nacht kasteien,
Dass wir in Frieden ruhn.

Und haben wir nicht Herrenfutter;
So haben wir doch Brot,
Und schöne, frische, reine Butter,
Und Milch, was denn für Not?

Das ist genug für Bauersleute,
Wir danken Gott dafür,
Und halten offne Tafel heute
Vor allen Sternen hier.

Es präsidiert bei unserm Mahle
Der Mond, so silberrein!
Und kuckt von oben in die Schale
Und tut den Segen 'nein.

Nun Kinder esset, esst mit Freuden,
Und Gott gesegn es euch!
Sieh, Mond! ich bin wohl zu beneiden,
Bin glücklich und bin reich!

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Des Schäfers Liebes Werbung [sung text not yet checked]

Komm, [biß]1 mein Liebchen, biß mein Weib!
Und fodre Lust und Zeitvertreib,
So oft und viel dein Herz begehrt,
Und Garten, Flur, und Hain gewährt.
Bald wollen wir von freien Höhn
Rund um die Herden weiden sehn,
Und sehn der Lämmer Fröhlichkeit,
Und junger Stiere Hörnerstreit;

Bald hören, durch den Birkenhain,
Das Tutti froher Vögelein,
Und, an des Bächleins Murmelfall,
Das Solo einer Nachtigall.

Bald rudern auf bekränztem Kahn,
Den See hinab, den See hinan;
Bald Fischchen angeln aus der Flut,
Bald locken junge Vögelbrut;

Bald atmen auf der Maienflur
Den Balsam blühender Natur;
Bald, um die dünnbebuschten Höhn,
Nach Erd- und Heidelbeeren gehn.

Ein Blumengurt, ein Myrtenhut
Kühlt Liebchen vor des Sommers Glut.
Ist Liebchen müde, bett' ich's gleich
Auf Moos und Thymiänchen weich.

Ein Wams, verbrämt mit Schwanenfell,
Mit Knöpfen von Krystallen hell,
Ein Röckchen weiß, aus zarter Woll',
Aus Lämmchenwoll' es tragen soll.

Und hüpfen soll's in Saffian,
Mit goldnen Spänglein auf dem Spann,
Und weißen Strümpfchen, fein gestrickt,
Mit Blumenzwickeln ausgeschmückt.

Im Maimond tanzt ein Schäferchor
Dir hundert frohe Reigen vor.
Behagt dir dieser Zeitvertreib,
So biß mein Liebchen, biß mein Weib!

Ich sing' und blas' auf meinem Rohr
Dir täglich Lust und Liebe vor.
Ist das für Liebchen Zeitvertreib,
So biß mein Liebchen, biß mein Weib!

Authorship

See other settings of this text.

View original text (without footnotes)

Confirmed with Bürgers Gedichte in zwei Teilen. Teil 1: Gedichte, 1789, Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart.

1 Berger: "sei"; further changes may exist not shown above.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

8. Die Näherin [sung text not yet checked]

Ich will dir was entdecken, / Gar hold und schön
 . . . . . . . . . .

— The rest of this text is not
currently in the database but will be
added as soon as we obtain it. —

Authorship

See other settings of this text.

9. Der Sonntag [sung text not yet checked]

Subtitle: Im Volkston

Der Sonntag, der Sonntag in aller Früh
 . . . . . . . . . .

— The rest of this text is not
currently in the database but will be
added as soon as we obtain it. —

Authorship

10. Eijapopeia [sung text checked 1 time]

Subtitle: An einen stürmischen Winterabend

Eijapopeia schlaf sanft liebes Kind,
dich stöhre kein Regen noch sausender Wind,
dein Lager umschwebe der Engel der Ruh,
und führe balsamischen Schlummer dir zu.

'S ist drausen so schaurig und hier ists so warm,
es ruht sich so wonnig gewieget im Arm
der liebenden Mutter du liebliches Kind!
nun Eijapopeija, nun schlafe geschwind.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

11. Lebewohl [sung text checked 1 time]

Lebe wohl, vergiß mein nicht.
Schenke mir dein Angedenken,
Liebe darfst du mir nicht schenken,
Ach! das Schicksal will es nicht!

Lebe wohl, vergiß mein nicht,
Ewig theuer meinem Herzen
Denk ich dein mit süßen Schmerzen,
Bis das Aug im Tode bricht.

Lebe wohl, vergiß mein nicht,
Wenn wir endlich ausgeweinet,
Ausgelitten, dann erscheinet
Glück uns dort in höherm Licht!

Authorship

Confirmed with Friedrich Schillers Musen-Almanach für das Jahr 1798, Tübingen, J. G. Cotta, page 303.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

12. Lied eines Seefahrers [sung text not yet checked]

Subtitle: Im Barcarolen Ton

Mein Schiff ruht endlich wieder.
Du, meiner Väter Land,
Ich fall' aufs Antlitz nieder
Und küsse deinen Strand!
Froh werd' ich die Altäre
Der heimatlichen Höh'n,
Und froh die Wonnezähre
Der Jugendfreunde sehn!

Und Sie, die schon im Lenze
Der goldnen Kinderzeit
Sich bis zur dunkeln Grenze
Des Lebens mit geweiht,
Zum Kampf' in Silbertönen
Des Nachruhms mich beseelt,
Und früh mein Herz dem Schönen
Und Göttlichen vermählt!

Wie lacht am Tempelhaine,
Bespült von leiser Flut,
Im goldnen Morgenscheine
Mein väterliches Gut!
Da teil' ich Herz und Habe
Mit dir, Psycharion!
Und lächle noch am Grabe
Froh wie Anakreon.

Da bau' ich, leite Gräben,
Bepflanze rings die Höh'n,
Seh' Reblaub hier an Stäben
Und dort an Ulmen wehn;
Und weih' auf meinen Fluren,
Euch Rettern aus Gefahr,
Ein Feld, o Dioskuren -
Mit Wäldchen und Altar.

Authorship

See other settings of this text.

Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani