Eine Novelle in Liedern. Cyclus von 8 Gesängen

Song Cycle by Karl Heinrich Carsten Reinecke (1824 - 1910)

Word count: 666

1. Hinein in das blühende Land [sung text checked 1 time]

Nun schwirren die Schwalben in Lüften,
Die Drossel schlägt wieder im Hag;
Es drängen aus Schluchten und Klüften
Sich knospende Blüten zu Tag.

[Den luftigen]1 Reigen führet
Der Frühling schon um mich her;
Drum auf, und das Ränzchen geschnüret!
Nun hält mich auch länger nichts mehr. 

[ ... ]
Nun schließt mit dem Gürtel von Leder Das grüne Gewand mir gut, Und steckt mir zur schwanken Feder Ein blühendes Reis auf den Hut! Lebt wohl, ihr [drückenden]2 Wände, Ihr staubigen Bücher all! Der Lenz reicht mir lächelnd die Hände, Es lockt mich die Nachtigall. Nun schwirren die Schwalben in Lüften, Die Drossel schlägt wieder im Hag; Es drängen aus Schluchten und Klüften Sich knospende Blüten zu Tag.
[ ... ]
Die [volle Flasche]3 zur Seite, Den Wanderstab in die Hand, Und fort in die blauende Weite, Hinein in das blühende Land!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Georg Scherer, Vierte, vermehrte Auflage, Stuttgart, Leipzig, Berlin, Wien: Deutscher Verlags-Anstalt, 1894, page 12

1 Reinecke: "Und luftige"
2 Reinecke: "düstern"
3 Reinecke: "Flasche, die volle,"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Begegnung [sung text checked 1 time]

Sie saß am Rebenfenster
Im stillen Kämmerlein,
Und schaute hinaus in den Frühling
Und der Frühling schaute [hinein]1.

Und wer den Weg gegangen,
Blieb [stille grüßend]2 stehn,
Von allen den Blumen des Frühlings
[Auch]3 die schönste Rose zu seh'n. 

Die schickte freundlich lächelnd
Ein frühlingsduftend Wort;
[Ein sehnendes Herz zog weiter
Und die Rose blühete fort.]4

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Confirmed with Düsseldorfer Künstler-Album, 7. Jahrgang (1857), page 17

1 Reinecke: "herein"
2 Reinecke: "grüßend stille"
3 omitted by Reinecke
4 Reinecke: "Nun kann ich fürder nicht weiter, / Muss rasten hier fort und fort."

Research team for this text: John Versmoren , Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Intermezzo [sung text not yet checked]

Loser, leichter, luft'ger Wind,
Bist ein recht verwöhntes Kind;
Wiegst auf jungen Zweigen bald
Lustig dich im Frühlingswald.

Schmeichelst bald am Felsenbach
Waldröslein vom Schlummer wach,
Kühlen Tau zur Morgenstund'
Schlürfst du ihr vom Purpurmund.

Spielst nun unter Vogelsang
Froh den lieben Tag entlang,
Bis die müde Sonne schied
Und verstummt der Vöglein Lied.

Wiegst dein Röslein dann zur Ruh',
Küssest ihr die Augen zu,
Und im trauten Dämmerschein
Schläfst du ihr am Busen ein.

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Confirmed with Gedichte von Georg Scherer, vierte, vermehrte Auflage, Stuttgart, Leipzig, Berlin, Wien: Deutsche Verlags-Anstalt, 1894, page 33


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Willst du kommen, mein Lieb? [sung text checked 1 time]

Willst kommen zur Laube, so schattig und kühl?
Da dienen uns Rosen voll Thaues zum Pfühl.
Willst du! willst du, willst du, [willst du]1
Kommen, [mein]2 Lieb?

Da ruhst du auf Rosen wohl unter dem Strauch,
Erröthend die Wänglein, doch Lächeln im Aug'.
Willst du, willst du, willst du, [willst du]1
[Lächeln, mein]3 Lieb?

Doch röther als Rosen, mein Lieb, ist dein Mund,
Und süßer als Thau ist dein Küssen zur Stund'.
Willst du, willst du, willst du, [willst du]1
[Küssen, mein]3 Lieb?

[ ... ]

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Confirmed with Gedichte von Ferdinand Freiligrath, Wohlfeile Ausgabe, Zehnte Auflage, Stuttgart: Verlag der J.G. Cotta'schen Buchhandlung, 1871, pages 343-344

1 omitted by Reinecke
2 Reinecke: "o du mein"
3 Reinecke: "Kommen, o du mein"
4 Reinecke: "Willst du"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Erfüllung [sung text checked 1 time]

Die Stunde sei gesegnet
In Zeit und Ewigkeit,
Da du mir bist begegnet
In meiner Einsamkeit.

Ich stund im Weltgetriebe
Verlassen und verkannt,
Du aber hast voll Liebe
Den Blick mir zugewandt.

[Du hast zu mir gesprochen
So süß, so wunderbar,
Und hast den Bann gebrochen,
Dem ich verfallen war.]1

Du küßtest mir die Schmerzen
Vom kampfesmüden Haupt,
Gabst Frieden meinem Herzen,
Den mir die Welt geraubt.

Und manch geknicktes Streben
Hebt nun voll Lenzeslust
Das Haupt zu neuem Leben,
Von dem es nie gewußt.

[Laß mich dein]2 Auge küssen,
Das mir solch Heil gebracht!
Es wird mir leuchten müssen
Durch aller Zukunft Nacht.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Georg Scherer, vierte, vermehrte Auflage, Stuttgart, Leipzig, Berlin, Wien: Deutsche Verlags-Anstalt, 1894, pages 61-62

1 Reinicke (perhaps using an earlier version of the poem):
"Den Bann hast du gebrochen,
Dem ich verfallen war,
Da du zu mir gesprochen
So süß und wunderbar."
2 The word order in the Reinicke score seems to have gotten scrambled: "Dein laß mich"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

6. Herbst [sung text checked 1 time]

Das gelbe Laub erzittert, 
Es fallen die Blätter herab; 
Ach, alles, was hold und lieblich, 
Verwelkt und sinkt ins Grab. 

Die [Wipfel]1 des Waldes umflimmert 
Ein schmerzlicher Sonnenschein; 
Das mögen die letzten Küsse 
Des scheidenden Sommers sein. 

Mir ist, als müsst ich weinen 
Aus tiefstem Herzensgrund; 
[Dies Bild erinnert]2 mich wieder
An unsre Abschiedsstund'. 

Ich musste [von dir scheiden]3, 
Und wusste, du stürbest bald; 
Ich war der scheidende Sommer, 
Du warst der [kranke]4 Wald.

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (John H. Campbell) , "The yellow foliage trembles", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Anonymous/Unidentified Artist) , "Parting"
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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1 Franz (?): "Gipfel"
2 Reinecke: "Es mahnet dies Bild"
3 Grieg, Reinecke: "dich verlassen" (abandon you)
4 Grieg, Reinecke: "sterbende" (dying)

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Der Entschlafenen [sung text checked 1 time]

Und könnt' ich auch erwecken Dich,
Ich wollt' es doch nicht thun;
Kein Weh soll fürder schrecken Dich,
Du sollst nun ewig ruhn.

Ich will Dir nimmer klagen nun,
Was auch mich trifft fortan;
Mein Schicksal will ich tragen nun,
So still wie Du's gethan. 

Und könnt' ich auch erwecken Dich,
Ich wollt' es doch nicht thun;
Kein Weh soll fürder schrecken Dich,
Du sollst nun ewig ruhn.

[ ... ]

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "To her who has passed away", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

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8. Leb' wohl, du liebliche Liebe [sung text checked 1 time]

Es war dort unter dem Lindenbaum,
Da träumt' ich seligen [Frühlingstraum]1.
Sie hielt den Becher in weißer Hand,
Ich aber jauchzte ins helle Land:
  "Dein Wohl, du liebliche Liebe!"

Es war dort unter dem Lindenbaum,
Da hab' ich begraben den Jugendtraum.
Kein Stern erhellte die kalte Nacht,
Als sie die Äugelein zugemacht,
  Die bleiche, sterbende Liebe.

Nun sitz' ich unter dem Lindenbaum,
Und denk' an den flüchtigen Liebestraum,
Bei Nacht und Tage, bei Tag und Nacht --
Mein Eins und mein Alles, gut' Nacht, gut' Nacht,
  Lebwohl, du liebliche Liebe!

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1 Reinecke: "Liebestraum"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]