Dolorosa

Song Cycle by Adolf Jensen (1837 - 1879)

Word count: 0

1. Was ist's, o Vater, was ich verbrach? [sung text checked 1 time]

Was [ist's]1, o Vater, was ich verbrach?
Du brichst mir das Herz und fragst nicht darnach.

Ich hab ihm entsagt nach deinem Befehl,
Doch nicht ihn vergessen, ich hab es nicht Hehl.

Noch lebt er in mir, ich [selbst]2 bin tot,
Und über mich schaltet dein strenges Gebot.

[Wann]3 Herz und Wille gebrochen sind
Bittet um eins noch dein armes Kind.

[Wann]3 bald mein müdes Auge sich schließt,
Und Tränen vielleicht das deine vergeißt;

An der Kirchwand dort, beim Hollunderstrauch,
Wo die Mutter liegt, da lege mich auch.

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1 May: "ist es"; further changes may exist not shown above.
2 de Lange: "selber"
3 Moszkowitz: "Wenn"

Researcher for this text: Peter Donderwinkel

2. Ich habe, bevor der Morgen [sung text checked 1 time]

Ich habe, bevor der Morgen
  Im Osten noch gegraut,
Am Fenster zitternd geharret
  Und dort hinaus geschaut.

Und in der Mittagsstunde,
  Da hab' ich bitter geweint,
Und habe doch im Herzen:
  Er kommt wohl noch, gemeint.

Die Nacht, die Nacht ist 'kommen,
  Vor der ich mich gescheut;
Nun ist der Tag verloren,
  Auf den ich mich gefreut.

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Nicht der Tau und nicht der Regen [sung text checked 1 time]

Nicht der Tau und nicht der Regen 
Dringen, Mutter, in dein Grab,
Tränen sind es, 
Tränen deines armen Kindes 
Rinnen heiß zu dir hinab.

Und ich grabe, grabe, grabe, 
Von den Nägeln [springt]1 das Blut,
Ach! mit Schmerzen
Mit zerrißnem, blut'gem Herzen
Bring ich dir hinab mein Gut.

Meinen Ring, sollst mir ihn wahren, 
Gute Mutter, liebevoll;
Ach! sie sagen, 
Daß ich einen andern tragen, 
Weg den meinen werfen soll.

[Ring, mein Ring, du]2 teures Kleinod! 
Muß es denn geschieden sein?
Ach! ich werde 
Bald dich suchen in der Erde, 
Und du [wirst]3 dann wieder mein.

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1 de Lange: "rinnt"
2 Bergh: "Ring des Liebsten"
3 Bergh: "bist"

Research team for this text: Peter Donderwinkel , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Denke, denke, mein Geliebter [sung text checked 1 time]

Denke, denke, mein Geliebter, 
Meiner alten Lieb und Treue,
Denke, wie aus freud'gem Herzen, 
Sonder Harm und sonder Reue,
[Frei das Wort ich dir]1 gegeben,
Dich zu lieben, dir zu leben
Suche dir ein andres Lieb!

Ach! er kam, besah die Felder 
Und das Haus, der Mutter Erbe,
Sprach und feilschte mit dem Vater, 
Der befahl gestreng und herbe. --
Eitel war das Wort gesprochen, 
Herz und Treu sind gebrochen --
Suche dir ein andres Lieb!

Und der Priester mit dem Munde 
Sprach den Segen unverdrossen,
Unerhöret, einem Bunde, 
Der im Himmel nicht geschlossen. --
Zieh von hinnen! zieh von hinnen!
Andres Glück dir zu gewinnen,
Suche dir ein andres Lieb!

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1 Bergh: "Frei ich dir das Wort"

Researcher for this text: Peter Donderwinkel

5. Ich hab ihn im Schlafe zu sehen gemeint [sung text checked 1 time]

Ich hab ihn im [Schlafe]1 zu sehen gemeint,
Noch sträubt vor Entsetzen mein Haar sich empor,
O hätt ich doch schlaflos die Nacht durchweint,
Wie manche der Nächte zuvor!

Ich sah ihn verstört, [zerrissen]2 und bleich,
Wie er in den Sand zu schreiben schien,
Er schrieb unsre Namen, ich kannt es gleich,
Da hab ich wohl laut [geschrien]3.

Er fuhr zusammen, [vom]4 Schrei erschreckt
Und blickte mich an verstummt wie das Grab,
Ich hielt ihm die Arme entgegengestreckt,
Und er -- er wandte sich ab.

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1 de Lange: "Traume"
2 Mandyczewski: "verrissen"
3 Bergh: "geschrieen"
4 Mandyczewski: "von" (typo in score?)

Researcher for this text: Peter Donderwinkel

6. Wie so bleich ich geworden bin? [sung text checked 1 time]

Wie so bleich ich geworden bin?
Was willst du fragen?
Freue, freue [dich]1 immerhin,
Ich will nicht klagen.

Hast das Haus und die Felder auch,
Und hast den Garten,
Laß mich unterm Hollunderstrauch
Den Platz erwarten.

Tief das Plätzchen und lang und breit
Nur wen'ge Schuhe,
Leg ich dort mich zu guter Zeit
Und halte Ruhe.

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1 Jensen: "mich"

Researcher for this text: Peter Donderwinkel