Dainos. Littauische Volkslieder für 2 Frauenstimme mit Pianoforte

by Alexander Winterberger (1834 - 1914)

Word count: 1201

1. In dem Bächlein fliesset reines, klares Wasser [sung text not yet checked]

In dem Bächlein fließet 
Reines klares Wasser. 
  An dem Bache,
  An der Quelle, 
Warum klagst du, Mädchen? 

Wie soll ich nicht trauern?
Wie soll ich nicht klagen? 
  Nichts von Dem 
  Sah' ich, ach,
Den ich trag' im Herzen.

Nachts, da mich der Schlaf floh,
Da sprach ich das Wörtchen:
  Ewiglich
  Nun und nie 
Mich von ihm zu trennen.

Ach viel lieber ließ' ich 
Seel' und Leib sich trennen,
  Als daß ich 
  Ließe je 
Von dem holden Knaben.

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, page 84.


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2. Wenn ich es wüsste, mein würd' ein Jüngling [sung text not yet checked]

  Wenn ich es wüßte, 
  Mein würd' ein Jüngling,
Wollt' ihm ein Röckchen nähen.

  Ja, nähen wollt' ich's
  Und zierlich sticken,
Mit Silber es vollenden.

  Wenn ich es wüßte,
  Mein würd' ein Witwer,
Wollt' ihn in Ketten legen.

  Ihm schließen wollte
  Ich Händ' und Füße
Und in den Thurm ihn werfen.

  Nicht sollt' er wissen,
  Ob's Tag, ob's Nacht sei,
Ob's Winter oder Sommer.

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, pages 133-134.


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3. Süssen Schlummer such' ich [sung text not yet checked]

Schlummer such' ich, süßen Schlummer,
  Weiß nicht, wo mich betten? 
Hätte gern im Dorf ein Mädchen, 
  Weiß nicht, wie ihr's gehet. 

Boten, Diener möcht' ich senden,
  Was das Mädchen schaffet. 
Pflücket, windet sich ein Kränzchen 
  Wohl aus grünen Rauten.

Aber pflückend und ihn schmückend,
  Spricht sie mit dem Kranze:
Du mein Kranz von grünen Rauten,
  Wohin geh'n wir beide?

Ich werd' grünen in der Kammer,
  Du bei deinem Liebsten.
Ich werd' in der Kammer grünen,
  Du, mein Kind, wirst weinen.

Ja, bei meiner lieben Mutter
  Blüht' ich gleich der Rose,
Doch bei dir, du lieber Knabe,
  Welk' ich, wie die Münze.

Heim bei meiner Mutter war ich
  Wie die Raut' im Garten,
Doch bei dir, du lieber Knabe,
  Wie'n gepflücktes Sträußchen.

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, pages 195-196.


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4. Komm her, o Mädchen, im schöne Frühling [sung text not yet checked]

Komm her, o Mädchen,
Im schönen Frühling,
Wann Wunder blühen
In Mutter's Garten. 
Rings um die Beete 
Stehn grüne Rauten, 
Und in der Mitte 
Rings Lilienblüthen.

Dann will ich pflücken
Ein buntes Sträußchen
Und will es senden 
Dem lieben Knaben.
Nicht selber bring' ich's, 
Geb's keiner Andern. 
Vom Nordwind lass' ich's 
Hinüberwehen.

    * * *

Komm her, o Knabe, 
Im schönen Frühling,
Wann Wunder blühen
In Vaters Garten. 
Rings um den Garten 
Stehn grüne Stämmchen, 
Und in der Mitte 
Rings Apfelbäume. 

Ich will mir pflücken 
Zwei schöne Äpfel 
Und will sie senden 
Dem lieben Mädchen.
Nicht selber bring ich's,
Geb's keinem Andern, 
Der Südwind soll sie 
Hinüberwehen.

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, page 80.

Note: in many older editions, the spelling of the word "Äpfel" becomes "Aepfel", but as can be seen in how "über" becomes "Ueber" when capitalized, this is due to the printing process and not to rules of orthography, so we use "Äpfel".


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5. Jener alter Graukopf hatte [sung text not yet checked]

Jener alte Graukopf hatte
  Mich zu frei'n im Sinne,
Kam in buntgeflicktem Pelze
  Zu mir angeritten.

In den Hof kam er geritten
  Durch das bunte Hofthor,
Und er band sein Pferd, das braune,
  An den Rautengarten.

Darauf in den Garten ging er,
  Brach ein Rautenzweiglein.
Ei, du alter, garst'ger Graukopf,
  Brich nicht ab die Rauten.

Auf den Weg, wo er gegangen,
  Sät' ich lauter Nesseln,
Und die Worte, die er sagte,
  Steckt' ich in die Tasche.

Von der Schwelle bis zum Thore
  Trieb ich ihn mit Knitteln,
Als ich ihn hinaus auf's Feld ließ,
  Hetzt' ich ihn mit Hunden.

         * * * 

Jener junge Bursche hatte
  Mich zu frei'n im Sinne,
Mit hochrothen Rockauffschlägen
  Kam er angeritten.

In den Hof kam er geritten
  Durch das bunte Hofthor,
Und er band sein Pferd, das braune
  An den Rautengarten.

Darauf in den Garten ging er,
  Brach ein Rautenzweiglein.
Ei, du lieber, junger Bursche,
  Brich nicht ab die Rauten.

Auf den Weg, wo er gegangen,
  Sät' ich zarte Lilien,
Und die Worte, die er sagte,
  Nahm ich mir zu Herzen.

Von der Schwelle bis zum Thore
  Hab' ich ihn begleitet,
Als ich ihn hinaus auf's Feld ließ,
  Ging der Bruder mit ihm.

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, pages 146-147.


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6. In jenem Walde dort unter Linden [sung text not yet checked]

  In jenem Walde
  Dort unter Linden
Da liegt mein lieber Knabe.

  Gar schöne Blumen
  Auf seinem Grabe,
Und auch ein schönes Grabmal.

  Und auf dem Grabmal
  Da hängt ein Kränzchen
Von blauen Amaranten. 

  Auf jener Linde
  Bei seinem Grabe
Die Nachtigall da flötet. 

  Und auf den Stein dort 
  Zur Seit' der Linde
Setz' ich mich jeden Abend. 

  Da will ich weinen,
  Da will ich klagen
Um meinen lieben Knaben.

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, page 320. Note for stanza 4, line 3: we have corrected a typo - "Nachtigall" is spelled "Nachtigal" in this edition.


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7. In dem bunten Bette [sung text not yet checked]

In dem bunten Bette
Liegt der junge Knabe.
  Schlaf, schlaf, schlaf,
Lieber, junger Knabe.

Krähten schon die Hähne,
Bellten schon die Hunde.
  Lauf, lauf, lauf,
Du mein süßes Täubchen.

Vater wird es merken,
Dir den Rücken gerben.
  Lauf, lauf, lauf,
Du mein lieber Knabe.

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, page 115.


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8. Lass ab, o Wind, zu blasen [sung text not yet checked]

Laß ab, o Wind, zu blasen,
Ihr Bäume, knarrt nicht seufzend! 
  O noch erwart' ich
  Den lieben Bruder, 
Der heimkehrt aus dem Kriege. 

Der Bruder kehrt nicht wieder,
Der hochgestellte Krieger. 
  Es kehrt das Schlachtroß,
  Des Bruders Brauner,
Das Schwert an seiner Seite. 

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, page 289.


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9. Um den kleinen Weiher wandelt' ich [sung text not yet checked]

Um den kleinen Weiher 
Wandelt' ich, wandelt' ich,
Meine weißen Hände
Wusch ich da, wusch ich da.

Ach ihr meine Hände,
Händchen mein, zarte mein,
Wem zu eigen werdet
Ihr dereinst, Händchen mein?

Wenn es ist ein Jüngling,
Gäbe Gott, gäbe Gott!
Wenn es ist ein Witwer,
Ei behüt', ei behüt'!

Wächst im Wald Wachholder,
Kadigbaum, Kadigbaum;
Jüngling nennt mein Schatz sich,
Witwer nicht, Witwer nicht.

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, page 134. Note: we have corrected a typo in stanza 3, line 3. In this edition, "Witwer" is spelled "Wittwer" there.


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10. Als ich hinging über'n Hof [sung text not yet checked]

Als ich hinging über'n Hof, 
Wasser tragend für das Haus,
In dem Stall den Braunen da 
  Hörte laut ich wiehern. 

Und die Trage setz' ich weg, 
Mache leis' die Stallthür auf, 
Finde meinen lieben Knaben 
  In dem Stalle weinend. 

Warum weinst du, Junge mein? 
Hab' dir längst doch zugesagt,
Meine Liebe nimmermehr
  Von dir abzuwenden.

Laß das Pferd im Stalle stehn, 
Gieb mir nur dein liebes Herz, 
Ich will gerne für dich sprechen 
  Ja bei deinem Vater. 

Reines, klares Wasser fließt
In dem reinen Bach dahin; 
Ist doch auch die Liebe treu 
  In dem treuen Herzen.

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, pages 92-93.


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11. Was, o Tochter, was, o Junge [sung text not yet checked]

Was, o Tochter, was, o junge,
  Thatest du?
Warum hast du nicht ein Wörtchen
  Mir gesagt?

Bin gegangen durch den Garten
  Auf und ab.
Habe Negelken gepflanzet
  Dutzend Stück.

Eine Staude schöner Nelken
  Golden gelb,
Eine andre Nelkenstaude
  Blutig roth.

Habe mir gepflückt der Nelken
  Dutzend Stück,
Hab' nach Ragnit sie dem Pfarrer
  Hingebracht.

Ich dem Pfarrer schöne Nelken
  Dutzend Stück,
Mir der Pfarrer den Geliebten,
  Den ich mag.

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, page 106.


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12. Ahorn wuchs im Garten auf [sung text not yet checked]

Ahorn wuchs im Garten auf, 
Rauten klagten auf dem Beet,
Klagte auch das Mägdelein
  Um die Jugendtage.

Thut dir's um den Vater leid, 
Um die alte Mutter leid? 
Thut es leid dir, junges Kind, 
  Um die Jugendtage?

Nicht thut's um den Vater leid,
Um die alte Mutter nicht,
Leid nur, leid nur thut es mir 
  Um die Jugendtage. 

Mutter, gehe weit hinweg, 
Trag' das Kränzchen nur beiseit,
Weißt du, Mutter, selber doch, 
  Daß ich's nicht mehr trage.

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, page 185.


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13. Unter Mutter's hellem Fenster [sung text not yet checked]

Unter Mutter's hellem Fenster
  Ist ein grüner Garten,
In dem Garten ist ein Falke,
  Ein gar bunter Vogel.

Birkenhain, das grüne Wäldchen
  Das ist meine Kammer,
Grüne Wies' am Waldessaume
  Meine Lagerstätte.

Morgens früh auf grünem Laube
  Ist mein Vorrathsspeicher, 
Kühler Brunnen, klares Wasser
  Ist mein Trinkgelage.

Geht der Knabe durch das Dörfchen, 
  Wie ein Pfau sich spreizend,
Auf dem Haupte sitzt sein Hütchen
  Gleich dem Morgenthaue. 

An dem Tische sitzt der Knabe,
  Blüht wie die Päonie,
Ihm zur Seite sitzt das Mädchen,
  Wie ein Rautensträußchen. 

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, pages 181-182.


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14. Sank ein Mädchen [sung text not yet checked]

Sank ein Mädchen, sank ein zartes 
  In des Meeres Fluth hinab. 
Schon ertrinkend, schon versinkend
Rief sie doch mich noch bei Namen: 
  Lieber Knabe, rette mich! 

Ich kann, Liebe, dich nicht retten,
  Kann nicht einmal seh'n nach dir.
Denn dahin ist gleich das Herz mir,
Denn dahin ist gleich das Herz mir, 
  Schau' ich nur ein Mädchen an.

Mache dich verdient, o Knabe! 
  Zwar 'ne Andre findst du wohl, 
Aber keine solche schöne,
Aber keine solche schöne,
  Wie ich, deine Erste, war. 

Authorship

Based on

Confirmed with Littauische Volkslieder, gesammelt kritisch bearbeitet und metrisch übersetzt von G. H. F. Nesselmann, Berlin, Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung, 1853, page 309.


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