10 Lieder aus Japanischer Frühling

by Artur Immisch (1902 - 1949)

Word count: 402

1. Blüten [sung text checked 1 time]

Wie kommt es, dass die Blüten nimmermehr
[Aufhören]1, meine Seele zu entzücken?
Ich habe [längst mich]2 von der ganzen Welt
Zurückgezogen; alles ist mir gleich. -
Wie aber kommt es, dass ich ganz beglückt
Beim Anblick einer schönen Blüte bin?

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Confirmed with Hans Bethge, Japanischer Frühling. Nachdichtungen japanischer Lyrik, Leipzig, Insel Verlag, 1920, page 94.

1 Immisch: "Aufhör'n"
2 Immisch: "mich längst"

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2. Das Mädchen auf der Brücke [sung text checked 1 time]

Das rauschende Gewässer Katashiwas
Ist überwölbt von einer schönen Brücke,
Der purpurroter Lack zum Schmuck gereicht.
Ein zartes Mädchen wandelt unbegleitet
Mit kleinen Füssen trippelnd drüber hin;
Ein blaues Kleid mit rotem Rande schmiegt sich
An ihre feinen Hüften wohlig an.
O [wüsste]1 ich, ob ihre Hand noch frei ist,
Ob nicht ein andrer schon dies Herz gewann!
Schnell sagt mir, wo sie wohnt! Ich will's versuchen,
Ob ich sie noch für mich gewinnen kann!

Authorship

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Confirmed with Hans Bethge, Japanischer Frühling. Nachdichtungen japanischer Lyrik, Leipzig, Insel Verlag, 1920, page 69.

1 Immisch: "wüßt'"

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3. Der Blütenzweig [sung text checked 1 time]

Nimm diesen Blütenzweig! In jedem Blatte 
Der zarten Blüten schlummert hundertfach 
Ein Liebeswort aus unruhvoller Brust.
O weise meine Liebe nicht zurück!

Authorship

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4. Frühlingsregen [sung text checked 1 time]

Sie weinen alle, da die Kirschenblüten
Zur Erde rieseln. Dieses fällt mir ein:
Ob wohl der Regen, der im Frühling fällt,
Die Tränenflut der trauernden Menschen ist?

Authorship

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Confirmed with Hans Bethge, Japanischer Frühling. Nachdichtungen japanischer Lyrik, Leipzig, Insel Verlag, 1920, page 48.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Dauer im Wechsel [sung text checked 1 time]

Der Kirschbaum stand in Blüten. Schwarz und jung 
Fiel mir das Haar vom [Haupt]1, indes ich tanzte.
Der Kirschbaum stand in Blüten. Frisch und jung 
Erglänzten sie, -- mein Haar war grau geworden.
Heut wieder blüht der Kirschbaum. Himmlisch jung 
Wie immer lächeln seine Blüten nieder, --
Mein Haar ward weiss, ich stehe sinnend da.

Authorship

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1 Immisch: "Haupte"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. An den Schnee [sung text checked 1 time]

Die Wolken sind von Flocken ganz erfüllt,
Der Wald scheint voll von weißen Weidenkätzchen,
Das ganze Firmament ist schimmernd hell,
Vom Wind getrieben, weht der Schnee am Flusse, –
Wenn ich die weißbedeckten Pflaumenbäume
In meinem Garten sehe, möcht ich glauben,
Sie blühten schon vom Frühling ganz und gar.

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7. Der Mond [sung text checked 1 time]

Seht, wie er sieghaft durch die Wolken bricht!
Sein wunderbarer Glanz flicht Silbernetze,
Die über Land und Meer sich schimmernd breiten,
Auch über meinen Strand, wo nun die Steinchen
Des Sandes klar wie Diamanten schimmern.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) (Joost van der Linden) , "De maan kleurt de berken zilver", copyright © 2021, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Hans Bethge, Japanischer Frühling: Nachdichtungen Japanischer Lyrik, Good Press Verlag, 2020


Researcher for this text: Joost van der Linden [Guest Editor]

8. Trübes Lied [sung text checked 1 time]

Die Blüten rieseln nieder. Dichter Nebel
Verbirgt den See. Die wilden Gänse rufen
Erschreckt am heiligen [Teich]1 von Iware.

Düstere Träume schatten um mein Haupt.
Mein Herz ist schwer. Wenn übers Jahr die Gänse
Von neuem rufen, hör ich sie nicht mehr.

Authorship

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1 Immisch: "Teiche"

Researcher for this text: Dmitri Smirnov

9. Jubel [sung text checked 1 time]

Was seh ich Helles dort? Aus allen Gründen
Zwischen den Bergen quellen weisse Wolken
Verlockend auf, -- die Kirschen sind erblüht!
Der Frühling ist gekommen, wunderbar!

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Researcher for this text: Dmitri Smirnov

10. Die Wartende [sung text checked 1 time]

Bis dass der weisse [Reif]1 des Alters sich
[Auf meine rabenschwarzen Haare legt.]2
Will ich mein ganzes [langes]3 Leben [durch]4
Nichts weiter tun als warten, warten, warten
Auf dich, [den meine ganze Seele]5 liebt.

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Confirmed with Hans Bethge, Japanischer Frühling. Nachdichtungen japanischer Lyrik, Leipzig, Insel Verlag, 1920, page 6.

1 Weingartner: "Schnee"
2 Braunfels: "leget auf meine rabenschwarzen Haare,"
3 omitted by Braunfels
4 omitted by Immisch.
5 Immisch: "den meine Seele, den meine ganze Seele"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Johann Winkler