Sieben Lieder aus Die Chinesische Flöte von Hans Bethge

by Artur Immisch (1902 - 1949)

Word count: 463

1. Ein junger Dichter denkt an die Geliebte [sung text checked 1 time]

Der Mond steigt aufwärts, ein verliebter Träumer,
Um auszuruhen in dem Blau der Nacht.

Ein feiner Windhauch küßt den blanken Spiegel 
Des Teiches, der sich melodisch bewegt.

O holder Klang, wenn sich zwei Dinge einen,
Die um sich zu vereinen sind geschaffen.

Ach, was sich zu [vereinen]1 ist geschaffen,
Vereint sich selten auf der [dunkeln]2 Erde!

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CZE Czech (Čeština) (L. Horáková)
  • ENG English (Malcolm Wren) , "A young poet thinks of the beloved", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Un jeune poète pense à sa bien-aimée", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Hans Bethge, Die chinesische Flöte, Inselverlag, Leipzig, 1907, page 16.

1 Immisch: "einen"
2 Braunfels, Immisch, Michielsen, Provaznik : "dunklen"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Malcolm Wren [Guest Editor]

2. Abend auf dem Fluß [sung text checked 1 time]

Nur eine einzige Wolke zieht am Abendhimmel hin;
Nur eine Barke schwimmt im Fluß, -- ich bin allein darin.
 
Nun kommt der junge Mond herauf, ein runder Silberschild;
Im Flusse, geisterhaft bewegt, seh ich sein [Spiegelbild]1.
 
Da wird die dunkle Wolke hell und schwebt in süßer Ruh', --
Da fühl' ich weichen allen Schmerz, -- o Mond, das tatest du!

Authorship

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  • DUT Dutch (Nederlands) (Joost van der Linden) , "'s Avonds op de rivier", copyright © 2021, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Die Lyrik des Auslandes in neuerer Zeit, ed. Hans Bethge, Leipzig: Max Hesses Verlag, 1907, pages 74-75.

1 Gál: "Zauberbild"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Liebestrunken [sung text checked 1 time]

Im Garten des Palastes [streift]1 der Wind
Mit weichem Anhauch über Lotosblumen.
Auf der Terrasse, wohlig hingestreckt
In bunte Seidenkissen, ruht der König.
Vor ihm tanzt Si-Schy, funkelnd wie die Sterne,
Schön wie die Schönheit selber, schwebt und schwebt 
Und lächelt, lächelt, wunderbar [zu schauen]2,
Bis [daß]3 ein süß-begehrliches Ermatten
In ihre Glieder sinkt; die Hüften wiegen 
Sich nun nicht mehr; die kleinen Füße ruhn, --
Und schmachtend lehnt sie an den [Jaderand]4,
[Den]5 schimmernden, des königlichen Lagers.

Die holde Si-Schy, schmachtend lehnt sie da...

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Confirmed with Hans Bethge, Die chinesische Flöte, Insel Verlag, 1918, page 30.

1 Ast: "weht"
2 Ast: "anzuschau'n"
3 omitted by Ast.
4 Immisch: "Yaderand"
5 Ast: "des"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Die geheimnisvolle Flöte [sung text checked 1 time]

An einem Abend, da die Blumen dufteten
Und alle Blätter an den Bäumen, trug der Wind mir
Das Lied einer entfernten Flöte zu. Da schnitt
Ich einen Weidenzweig vom Strauche, und
Mein Lied flog, Antwort gebend, durch die blühende Nacht.

Seit jenem Abend hören, wenn die Erde schläft,
Die Vögel ein Gespräch in ihrer Sprache.

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  • ENG English (Emily Ezust) , "The mysterious flute", copyright ©
  • ENG English [singable] (?, Mrs. Bertram Shapleigh) , "The Mysterious Flute"
  • FRE French (Français) [singable] (Michel Dimitri Calvocoressi) , "La Flûte mystérieuse"
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "La flûte mystérieuse", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Musikwissenschaft zwischen Kunst, Ästhetik und Experiment: Festschrift Helga de la Motte-Haber zum 60. Geburtstag, Reinhard Kopiez, herausgegeber, Königshausen & Neumann, 1998, page 267.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Die Lotosblumen [sung text checked 1 time]

Im Mondlicht glitzern tausend kleine Wellen,
Das helle Grün des Wassers [ist]1 wie Silber,
Man meint, es seinen ungezählte Fische,
Die auf dem Strom hinab zum Meere ziehn.

Ich gleite einsam in dem leichten Nachen,
Nur hin und wieder reg' ich meine Ruder,
Die Nacht und ihre Einsamkeit erfüllen 
Mein Herz, mein junges Herz mit Traurigkeit.

Ich seh im Mondlicht tausend Lotosblumen,
Mit Riesenblüten, die wie Perlen gleißen,
Ich kose sie mit meinen Bambusrudern,
Sie rauschen auf, als sprächen sie vom Glück.

Sie neigen sich und winken, liebestrunken,
Sie flüstern Trost in meine arme Seele;
Ich blicke ganz beseligt auf sie nieder,
Und meine Schwermut, die mich so bedrückte,
Sinkt wie ein dunkler Schatten von mir ab.

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Confirmed with Hans Bethge, Die chinesische Flöte, Insel Verlag, 1918, page 31.

1 Immisch, Overhoff: "glänzt"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

6. Der Pavillon aus Porzellan [sung text checked 1 time]

Mitten in dem kleinen Teiche
Steht ein Pavillon aus grünem
Und aus weißem Porzellan.

Wie der Rücken eines Tigers
Wölbt die Brücke sich aus Jade
Zu dem Pavillon hinüber.

In dem Häuschen sitzen Freunde,
Schön gekleidet, trinken, plaudern,
Manche schreiben Verse nieder.

Ihre seidnen Ärmel gleiten
Rückwärts, ihre seidnen Mützen
Hocken lustig tief im Nacken.

Auf des kleinen Teiches stiller
Oberfläche zeigt sich alles
Wunderlich im Spiegelbilde.

Wie ein Halbmond scheint der Brücke,
Umgekehrter Bogen. Freunde,
Schön gekleidet, trinken, plaudern,

[Alles]1 auf dem Kopfe stehend
In dem Pavillon aus grünem
Und aus weißem Porzellan.

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Confirmed with Hans Bethge, Die chinesische Flöte. Nachdichtungen chinesischer Lyrik, Band 1, YinYang Media Verlag.

1 Immisch, Röntgen: "Alle"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]