Oden mit Melodien

by Carl Philipp Emanuel Bach (1714 - 1788)

1. Die sächsische Helene [sung text checked 1 time]

Herr Bruder, meine Schöne,
die sächsische Helene,
ist unvergleichlich schön.
Die Augen, die sie sehn,
die müssen ganz vergaffet stehn.
Die griechische Helene
war lange nicht so schön.
Du sollst sie selber sehn,
und dann sollst du gestehn:
Nein, sie war nicht so schön.

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Schäferlied [sung text checked 1 time]

Eilt, Ihr Schäfer aus den Gründen,
Eilt zu meinem Thyrsis hin,
Und, sobald Ihr ihn könnt finden,
Sagt, dass ich ihm günstig bin;
Sagt, was er mir mitgenommen,
Nennt die Freiheit und mein Herz;
Sagt er soll auch wiederkommen,
Denn man treibt damit nicht Scherz.

Ach! wie stellt sein holdes Wesen
sich mir in Gedanken vor;
Thyrsis bleibet auserlesen
unter unserm Schäferchor.
Ich vergesse Flur und Herde,
ja, ich kenn mich selbsten nicht,
weil ich ganz bezaubert werde,
wenn man nur von Thyrsis spricht.

Denk ich noch, geliebte Seele,
an der Stunden schnelle Flucht,
wenn ich sie zurückezähle,
die mein Geist vergeblich sucht?
Denk ich auch der zarten Liebe,
die mein Thyrsis blicken ließ,
und der fromm’ und reinen Triebe,
da er mir mein Herz entriss!

Sitz ich unter Tann und Buchen,
fällt mir auch mein Thyrsis ein;
diesen will ich nur da suchen.
Ach! frag ich, wo mag er sein?
Da lauf ich durch Flur und Auen,
ob mein Schäfer sich versteckt.
Doch ich kann der Spur nicht trauen,
weil mich alles Wild erschreckt.

Nichts kann mir mehr Freude stiften,
als wenn ich oft ganz allein
auf den bunt beblümten Triften
darf mit meiner Herde sein.
Fliegt die Taube mit dem Haufen,
so bleibt sie doch stets gepaart;
keine wird vom Gatten laufen:
Das ist treuer Seelen Art!

Mir ist weiter nichts geblieben,
als dies, dass ich sagen muss,
ewig will ich Thyrsis lieben,
ewig ist mein fester Schluss.
Schöner Wechsel! Süßes Leiden!
Thyrsis! ach! du hörest nicht!
Ich will auf den Auen weiden,
wo ich seh dein Angesicht.

Lass ich mich des Abends nieder,
spiel ich auf dem Haberrohr,
bleibt der Inhalt meiner Lieder
Thyrsis’ Name wie zuvor.
Ach! du wohnst in meiner Hütte,
wenn du gleich entfernet bist,
denn ich spür auf jedem Schritte,
dass mein Thyrsis bei mir ist.

Soll ich mich mit deinem Schatten,
weil mein Schicksal widerspricht,
unterdes im Traume gatten?
Wohl? ich weigre mich auch nicht.
Endlich schlägt die frohe Stunde,
endlich kömmt der frohe Tag,
da ich dich aus Herzensgrunde
wiedersehn und küssen mag.

Authorship:

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Karin Fill) , "To Thyrsis", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Karin Fill

3. Lied eines jungen Mägdchens [sung text checked 1 time]

Noch bin ich jung von Jahren,
in Siegen unerfahren,
nur Unschuld heißt mir Pflicht.
Der Männer Herzen fällen,
im Lieben sich verstellen:
Die Kunst versteh ich nicht.

Wählt, eh der Kunst, zu lügen
und Männer zu betrügen,
mein Herze sich ergibt.
Ich mag nicht andre kränken,
nur dem will ich mich schenken,
der mich zum Ersten liebt.

O fänd ich in der Blüte
von fröhlichem Gemüte
ein Herz voll Lieb und Treu!
Der sollt es glücklich wissen,
dass ich so gut zu küssen
als fünfzehn ältre sei.

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Die Küsse [sung text checked 1 time]

Dass ich bei meiner Lust durch keinen Zwang mich quäle
und meine Küsse niemals zähle,
das straft Philet, der schon zu alt zum Küssen ist.
„Die Alten“, lehrt er mich, „die pflegten auch zu küssen;
allein, nicht aufzuhören wissen,
allein, so viel wie du zu küssen,
das Laster war noch nicht bei ihnen eingerissen;
ich habe selbst weit sparsamer geküsst.“

So soll ich denn, wenn ich, Neära, dich umfange
und trunken von der Lust an deinem Halse hange,
wenn mein entzückter Geist, der gern sich selbst vergisst,
auf deinen Lippen stirbt, mich erst mit Zweifeln plagen,
ob auch die Leute sagen,
dass ich zu viel geküsst?

Neära hört’s und lacht und klopft mir sanft die Wangen
und gibt mir einen Kuss voll jugendlicher Glut,
dergleichen Mars von Venus nicht empfangen,
wenn er in ihrem Arm von Siegen ausgeruht.
„Für wessen Urteil denn“, sagt sie, „scheut Thyrsis sich?
In dieser Sache wider dich
ist ja kein Richter als nur ich.“

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Trinklied [sung text checked 1 time]

Den flüchtigen Tagen wehrt keine Gewalt;
Die Räder am Wagen entfliehn nicht so bald.
Wie Blitze verfliegen, so sind sie dahin.
Ich will mich vergnügen, so lang' ich noch bin!

Authorship:

See other settings of this text.

Confirmed with J. W. L. Gleim's Sämmtliche Werke, Erster Band: Erste Originalausgabe, ed. by Wilhelm Körte, Halberstadt, im Büreau für Literatur und Kunst, 1811.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

6. Der Morgen [sung text checked 1 time]

Uns lockt die Morgenröte
In Busch und Wald,
Wo schon des [Hirten]1 Flöte
Ins Land erschallt.
Die Lerche steigt und schwirret
Von Lust erregt;
Die Taube lacht und girret,
Die Wachtel schlägt.

Die Hügel und die Weide
Stehn aufgehellt,
Und Fruchtbarkeit und Freude
Beblümt das Feld 	 
Der Schmelz der grünen Flächen
Glänzt voller Pracht,
Und von den klaren Bächen
Entweicht die Nacht. 	 
 
Der Hügel weiße Bürde,
Der Schafe Zucht,
Drängt sich aus Stall und Hürde
Mit froher Flucht 	 
Seht, wie der Mann der Herde
Den Morgen fühlt,
Und auf der frischen Erde
Den Buhler spielt!
 
Der Jäger macht schon rege
Und hetzt das Reh
Durch blutbetriefte Wege,
Durch Busch und Klee 	 
Sein Hifthorn gibt das Zeichen;
Man eilt herbei:
Gleich schallt aus allen Sträuchen
Das Jagdgeschrei. 	 
 
Doch Phyllis Herz erbebet
Bey dieser Lust;
Nur Zärtlichkeit belebet
Die sanfte Brust 	 
Lass uns die Täler suchen,
Geliebtes Kind,
Wo wir von Berg und Buchen
Umschlossen sind!
 
Erkenne dich im Bilde
Von jener Flur!
Sei stets, wie dies Gefilde,
Schön durch Natur;
Erwünschter als der Morgen,
Hold wie sein Strahl;
So frei von Stolz und Sorgen
Wie dieses Tal!

Authorship:

See other settings of this text.

View original text (without footnotes)
1 Görner: "Schäfers"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Dorinde [sung text checked 1 time]

Amor sagte zur Cythere
in der ganzen Götterschar,
als er zornig auf sie war,
dass Dorinde schöner wäre.
Die gesamte Götterschar
widersprach dem Amor zwar;
aber Amor sagte wahr.

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

8. Der Stoiker [sung text checked 1 time]

Ein fauler Feind der Fröhlichkeit auf Erden,
ein Stoiker, lag dort und schrie:
„Seht, Bürger einer Welt wie die!
Welch Glück ist’s, unempfindlich werden!“

Die Weisheit konnt ein Jüngling nicht ergründen;
er schwieg, er trank und lacht und schrie:
„Seht, Bürger einer Welt wie die!
Welch Glück ist’s, schmecken und empfinden!“

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

9. Die Biene [sung text checked 1 time]

Als Amor in den güldnen Zeiten,
In schäferliche Lustbarkeiten
Verliebt, auf Blumenfelder lief,
Da stach den kleinen Gott der Götter
Ein Bienchen, das auf Rosenblätter,
Wo es sonst Honig holte, schlief.

Durch diesen Stich ward Amor klüger,
Der unerschöpfliche Betrüger
Sann einer neuen Kriegslist nach.
Er lauschte unter Nelk und Rosen;
Ein Mägdchen kam, sie liebzukosen.
Er floh als Bien heraus und stach.

The text shown is a variant of another text. [ View differences ]
It is based on

Go to the single-text view

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

10. Der Zufriedne [sung text checked 1 time]

Entfernt von Gram und Sorgen
erwach ich jeden Morgen,
wenn ich vorher die Nacht
vergnügend zugebracht.
Die Freiheit meiner Seelen
ist mir das höchste Gut;
und, ohne mich zu quälen,
bleib ich bei gleichem Mut.

Mich blenden keine Güter,
der Fallstrick der Gemüter,
die sich um sie bemühn
und Kummer an sich ziehn.
Mich foltert keine Liebe,
mich nimmt kein Ehrgeiz ein;
ich wünsche, solche Triebe
mir unbekannt zu sein.

So bring ich meine Jahre,
da ich die Grillen spare,
in einer stolzen Ruh
vergnügt und munter zu.
Geschick, dem ich ergeben,
wenn ich im Sterben bin,
so nimm mir zwar mein Leben,
nur lass mir diesen Sinn!

Authorship:

See also the version of the poem that Haydn set to music. The two texts share a first stanza but nothing more. They might be disparate selections from a much longer poem.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

11. Amint [sung text checked 1 time]

Sie fliehet fort! Es ist um mich geschehen!
Ein weiter Raum trennt [Galatheen]1 von mir.
Dort floh sie hin. Komm Luft mich anzuwehen!
Du kömmst vielleicht von ihr.

Sie fliehet fort! Sagt [Galatheen]1 ihr Flüsse,
Daß ohne sie der Wiesen Schmuck verdirbt!
Ihr eilt ihr nach, -- sagt, daß der Wald sie misse,
Und daß ihr Schäfer stirbt!

Welch Thal blüht jetzt, von ihr gesehen, besser?
Wo tanzt sie um ein Labyrinth? Wo füllt
Ihr Lied den Hain? Welch glückliches Gewässer
Wird schöner durch ihr Bild?

Nur einen Druck der Hand, nur halbe Blicke;
Ach, [einen]2 Kuß, wie sie mir vormahls gab,
Vergönne mir von ihr; dann stürz, o Glücke,
Mich, wenn Du willst, ins Grab!

So klagt [Amynt]3, die Augen voll von Thränen,
Den Gegenden die Flucht der [Galathee]1;
Sie scheinen sich mit ihm nach ihr zu sehnen
Und seufzten: [Galathee]1!

Authorship:

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

View original text (without footnotes)

Confirmed with Ewald von Kleist's Werke. Erster Theil. Gedichte. -- Seneca. -- Prosaische Schriften, herausgegeen und mit Anmerkungen begleite von Dr. August Sauer, Berlin, Gustav Hempel, 1881, pages 74-75.

1 Bach, Danzi: "Lalagen" (note: this name appears in Horace)
2 Danzi: "nur einen"
3 Bach: "Amint"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Ferdinando Albeggiani , Johann Winkler

12. Die verliebte Verzweifelung [sung text checked 1 time]

Ihr missvergnügten Stunden,
wie groß ist eure Zahl!
So mehrt nur Schmerz und Wunden
und tötet mich einmal!
Ihr aber, zarte Triebe,
kommt, schlaft nur mit mir ein.
Denn dieses, was ich liebe,
wird doch nicht meines sein.

Du Ursprung meiner Plage,
du rührst mich noch zuletzt;
die Wollust junger Tage
hat lange mich ergötzt.
Doch alles wollt ich missen,
mein Herz sucht Grab und Ruh;
o, drückte nur dein Küssen
mein brechend Auge zu.

Authorship:

See also the version of the poem that Haydn set to music. The two texts share a first stanza (with one small change) but nothing more. They might be disparate selections from a much longer poem.


Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

13. Die Küsse [sung text checked 1 time]

Ein Küsschen, das ein Kind mir schenket,
das mit den Küssen nur noch spielt,
das bei dem Küssen noch nichts denket,
ist nun so was, das man nicht fühlt.

Ein Kuss, den mir ein Freund verehret,
ist nun so was, das eigentlich
zum wahren Küssen nicht gehöret;
aus kalter Mode küsst er mich.

Ein Kuss, den mir mein Vater gibet,
ein wohlgemeinter Segenskuss,
wenn er mich lobt und lobend liebet,
ist was, was ich verehren muss.

Ein Kuss von meiner Schwester Liebe
geht insoferne wohl noch an,
als ich dabei mit freiem Triebe
an andre Mägdchen denken kann.

Ein Kuss, den Lesbia mir reichet,
aus meiner Klagen Überdruss,
und dann beschämt zurückeweichet,
ja, so ein Kuss, das ist ein Kuss!

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

14. Die märkische Helene [sung text checked 1 time]

Ehret, Brüder, meine Schöne,
ehrt die märkische Helene,
Bacchus selber ehret sie!
Jüngst an ihrer stolzen Rechte,
als er mit uns beiden zechte,
ward er (denn sie schenkt ihm ein)
voller noch von Lieb als Wein.

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

15. Serin [sung text checked 1 time]

Serin, der hochberühmte Mann,
fleht einst den Göttervater an,
ihm, um der Welt nurmehr zu leben,
gedoppelt Leib und Seel zu geben.

Ich, zum Vergnügen nur ein Mann,
ich fleh den Göttervater an,
mir, um mir selbst nur recht zu leben,
Geschmack und Wein zwiefach zu geben.

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

16. Auf der Namenstag der Mademoiselle S. [sung text checked 1 time]

Das Fest der holden Ernestinen,
das heut mit Schmuck und Pracht erscheint,
mit Kranz und Wünschen zu bedienen,
steht hier das Musenchor vereint.
Man scherzt, man singt, die regste Lust
erfüllt die anmutsvollen Saiten;
unmöglich schweiget meine Brust,
mein Saitenspiel soll sie begleiten.

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

17. Der Traum [sung text checked 1 time]

Es war ein Mägdchen ohne Mängel,
es war ein Mädchen wie ein Engel;
so hat mich keine noch entzückt.
Du magst mir alle Schönen nennen,
du magst, du magst für alle brennen:
so eine hast du nicht erblickt.

Sie war bescheiden, doch nicht blöde,
voll strenger Tugend, doch nicht spröde,
und witzig ohne Spötterei.
Vernünftig und mit weisem Herzen
bewies sie mitten bei dem Scherzen,
dass sie der Frechheit Feindin sei.

Nicht schwatzhaft, nein! voll weiser Lehren
ließ sich ihr Mund mit Beifall hören,
man hörte nur Beredsamkeit.
Sie sprach und ließ sich unterrichten,
sie sprach von Wirtschaft, Witz und Pflichten,
doch alles mit Bescheidenheit.

„O Freund, das Mädchen muss ich küssen!
O lass mich ihren Namen wissen,
schon ist es um mein Herz geschehn!
Wo soll ich nach der Schönen fragen?“
Ach Freund, das kann ich dir nicht sagen:
Im Traume hab ich sie gesehn!

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

18. Die Tugend [sung text checked 1 time]

Freund, die Tugend ist kein leerer Name,
aus dem Herzen keimt der edle Same,
und ein Gott ist’s, der der Berge Spitzen
rötet mit Blitzen.

Lass den Freigeist mit dem Himmel scherzen,
falsche Lehre fließt aus bösem Herzen,
und Verachtung allzu strenger Pflichten
dient für Verrichten.

Nicht der Hochmut, nicht die Eigenliebe,
nein, vom Himmel eingepflanzte Triebe
lehren Tugend und, dass ihre Krone,
selbst sie belohne.

Ist’s Verstellung, die uns selbst bekämpfet,
die des Gähzorns Feuerströme dämpfet,
und der Liebe viel zu sanfte Flammen
zwingt zu verdammen?

Ist es Dummheit oder List des Weisen,
der die Tugend rühmet in den Eisen,
dessen Wangen mitten in dem Sterben
nie sich entfärben?

Ist es Torheit, die die Herzen bindet,
dass ein jeder sich im andern findet,
und zum Lösgeld seinem wahren Freunde
stürzt in die Feinde?

Füllt ein Herze Ehrfurcht mit Erbarmen,
das dem Unglück reicht die milden Armen,
meint mit andern und von fremden Ruten
würdigt zu bluten?

Selbst die Bosheit ungezäumter Jugend
kennt der Gottheit Bildnis in der Tugend,
hasst das Gute und muss wahre Weisen
heimlich doch preisen.

Zwar die Laster blühen und vermehren,
Geiz bringt Güter, Ehrsucht führt zu Ehren,
Bosheit herrschet, Schmeichler betteln Gnaden,
Tugenden schaden.

Doch der Himmel hat noch seine Kinder,
Fromme leben, kennt man sie schon minder,
Gold und Perlen findt man bei den Mohren,
Weise bei Toren.

Aus der Tugend fließt der wahre Friede,
Wollust ekelt, Reichtum macht uns müde,
Kronen drücken, Ehre bleibt nicht immer,
Tugend fehlt nimmer.

Drum, o Damon, geht’s mir nicht nach Willen,
so will ich mich ganz in mich verhüllen.
Einen Weisen kleidet Leid wie Freude;
Tugend ziert beide.

Zwar der Weise wählt nicht sein Geschicke,
doch er wendet Elend selbst zum Glücke.
Fällt der Himmel, er kann Weise decken,
aber nicht erschrecken.

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

19. Doris [sung text checked 1 time]

Des Tages Licht hat sich verdunkelt,
der Purpur, der im Westen funkelt,
erblasset in ein falbes Grau.
Der Mond zeigt seine Silberhörner,
die kühle Nacht streut Schlummerkörner
und tränkt die trockne Welt mit Tau.

Komm, Doris, komm zu jenen Buchen,
lass uns den stillen Grund besuchen,
wo nichts sich regt als ich und du.
Nur noch der Hauch verliebter Weste
belebt das schwanke Laub der Äste
und winket dir liebkosend zu.

Die grüne Nacht belaubter Bäume
führt uns in anmutsvolle Träume,
worein der Geist sich selber wiegt.
Er zieht die schweifenden Gedanken
in angenehm verengte Schranken
und lebt mit sich allein vergnügt.

Sprich, Doris! Fühlst du nicht im Herzen
die zarte Regung sanfter Schmerzen,
die süßer sind als alle Lust?
Strahlt nicht dein holder Blick gelinder,
rollt nicht dein Blut sich selbst geschwinder
und schwellt die unschuldsvolle Brust?

Ich weiß, dass sich dein Herz befraget
und ein Gedank zum andern saget:
Wie wird mir doch? Was fühle ich?
Mein Kind! Du wirst es nicht erkennen,
ich aber werd es leichtlich nennen;
ich fühle eben das für dich.

Du staunst. Es regt sich deine Tugend.
Die holde Farbe keuscher Jugend
deckt dein verschämtes Angesicht.
Dein Blut wallt von vermischtem Triebe,
der strenge Ruhm verwirft die Liebe,
allein dein Herz verwirft sie nicht.

Mein Kind, erheitre deine Blicke,
ergib dich nur in dein Geschicke,
dem nur die Liebe noch gefehlt.
Was willst du dir dein Glück missgönnen?
Du wirst dich doch nicht retten können.
Wer zweifelt, der hat schon gewählt.

Der schönsten Jahre erste Blüte
belebt dein aufgeweckt Gemüte,
darein kein schlaffer Kaltsinn schleicht.
Der Augen Glut quillt aus dem Herzen,
du wirst nicht immer fühllos scherzen.
Wen alles liebt, der liebet leicht.

Wie? Sollte dich die Liebe schrecken?
Mit Scham mag sich das Laster decken,
die Liebe war ihm nie verwandt.
Sieh deine freudigen Gespielen!
Du fühlest, was sie alle fühlen,
dein Brand ist der Natur ihr Brand.

Oh, könnte dich ein Schatten rühren
der Wollust, die zwei Herzen spüren,
die sich einander zugedacht!
Du fordertest von dem Geschicke
die langen Stunden selbst zurücke,
die dein Herz müßig zugebracht.

Wann eine Schöne sich ergeben
für den, der für sie lebt, zu leben
und ihr Verweigern wird zum Scherz;
wann nach erkannter Treu des Hirten
die Tugend selbst ihn kränzt mit Myrten
und die Vernunft redt wie das Herz.

Wann zärtlich Wehren, holdes Zwingen,
verliebter Diebstahl, reizends Ringen
mit Wollust beider Herz beräuscht;
wann der verwirrte Blick der Schönen,
ihr schwimmend Aug voll seichter Tränen,
was sie verweigert, heimlich heischt.

Wann sich — allein, mein Kind, ich schweige
von dieser Lust, die ich dir zeige,
ist, was ich sage, kaum ein Traum.
Erwünschte Wehmut, sanft Entzücken:
Was wagt der Mund euch auszudrücken?
Das Herz begreift euch selber kaum.

Du seufzest, Doris! wirst du blöde?
O selig! flößte meine Rede
dir den Geschmack des Liebens ein.
Wie angenehm ist doch die Liebe?
Erregt ihr Bild schon zarte Triebe,
was wird das Urbild selber sein?

Mein Kind, genieße deines Lebens,
sei nicht so schön für dich vergebens,
sei nicht so schön für uns zur Qual.
Schilt nicht der Liebe Furcht und Kummer,
des kalten Gleichsinns ekler Schlummer
ist unvergnügter tausend Mal.

Zu dem, was hast du zu befahren?
Lass andre nur ein Herz bewahren,
das, wer’s besessen, gleich verlässt.
Du bleibst der Seelen ewig Meister,
die Schönheit fesselt dir die Geister,
und deine Tugend hält sie fest.

Erwähle nur von unsrer Jugend,
dein Reich ist ja das Reich der Tugend,
doch, darf ich raten, wähle mich!
Was hilft es, lang sein Herz verhehlen?
Du kannst von hundert Edlern wählen,
doch keinen, der dich liebt wie ich.

Ein andrer wird mit Ahnen prahlen,
der mit erkauftem Glanze strahlen,
der malt sein Feuer künstlich ab.
Ein jeder wird was anders preisen,
ich aber habe nur zu weisen
ein Herz, das mir der Himmel gab.

Trau nicht, mein Kind jedwedem Freier,
im Munde trägt er doppelt Feuer,
ein halbes Herz in seiner Brust.
Der liebt den Glanz, der dich umgibet,
der liebt dich, weil dich alles liebet,
und der liebt in dir seine Lust.

Ich aber liebe, wie man liebte,
eh sich der Mund zum Seufzen übte
und Treu zu schwören ward zur Kunst.
Mein Aug ist nur auf dich gekehret;
von allem was man an dir ehret,
begehr ich nichts als deine Gunst.

Mein Feuer brennt nicht nur auf Blättern,
ich suche nicht, dich zu vergöttern,
die Menschheit ziert dich allzu sehr.
Ein andrer kann gelehrter klagen,
mein Mund weiß weniger zu sagen,
allein mein Herz empfindet mehr.

Wann ungeteilte Brunst im Herzen,
wann lang geprüfte Treu in Schmerzen,
wann wahre Ehrfurcht dir gefällt;
wann für ein Herz dein Herz sich gibet:
So bin ich schon der, der es liebet,
und der glückseligste der Welt.

Mein Kind! erkenne meine Flammen,
dein holdes Aug, aus dem sie stammen,
kennt sie aus langer Prüfung schon.
Hab ich dir immer treu geschienen,
so leide, dass ich dir darf dienen;
ein einig Wort ist gnug zum Lohn.

Was siehst du furchtsam hin und wieder
und schlägst die holden Blicke nieder?
Es ist kein fremder Zeuge nah:
Mein Kind! kann ich dich nicht erweichen?
Doch ja, dein Mund gibt zwar kein Zeichen,
allein dein Seufzen sagt mir: Ja.

Authorship:

See other settings of this text.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

20. Herausforderungslied vor der Schlacht bei Rosbach [sung text checked 1 time]

Heraus aus deiner Wolfesgruft,
furchtbares Heldenheer!
Heraus zum Streit in frische Luft,
mit Mut und Schlachtgewehr!

Wir kleiner Haufe wachen schon
und singen Schlachtgesang
und wecken dich mit Kriegeston,
mit Lärm und Waffenklang.

Was schlummerst du? Die träge Rast,
schickt die für Helden sich?
Wenn du gerechte Sache hast,
Warum verkriechst du dich?

Authorship:

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]
Total word count: 2922