Sechs Lieder von Uhland

Song Cycle by Franz Otto (1809 - 1842)

Word count: 670

1. Abreise  [sung text not yet checked]

So hab' ich nun die Stadt verlassen, 
Wo ich gelebet lange Zeit; 
Ich ziehe rüstig meiner Straßen, 
Es gibt mir niemand das Geleit.

Man hat mir nicht den Rock zerrissen, 
Es wär' auch schade für das Kleid! 
Noch in die Wange mich gebissen 
Vor übergroßem Herzeleid.

Auch keinem hat's den Schlaf vertrieben, 
Daß ich am Morgen weitergeh'; 
Sie konnten's halten nach Belieben,
Von einer aber tut mir's weh.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Michael Berridge) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Départ", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Romanze: Der Schäfer [sung text not yet checked]

Der schöne Schäfer zog so nah
Vorüber an dem Königsschloß;
Die Jungfrau von der Zinne sah,
Da war ihr Sehnen groß.

Sie rief ihm zu ein süßes Wort:
"O dürft ich gehn hinab zu dir!
Wie glänzen weiß die Lämmer dort,
Wie rot die Blümlein hier!"

Der Jüngling ihr entgegenbot:
"O kämest du herab zu mir!
Wie glänzen so die Wänglein rot,
Wie weiß die Arme dir!"

Und als er nun mit stillem Weh
In jeder Früh vorübertrieb,
Da sah er hin, bis in der Höh
Erschien sein holdes Lieb.

Dann rief er freundlich ihr hinauf:
"Willkommen, Königstöchterlein!"
Ihr süßes Wort ertönte drauf:
"Viel Dank, du Schäfer mein!"

Der Winter floh, der Lenz erschien,
Die Blümlein blühten reich umher,
Der Schäfer tät zum Schlosse ziehn,
Doch sie erschien nicht mehr.

Er rief hinauf so klagevoll:
"Willkommen, Königstöchterlein!"
Ein Geisterlaut herunterscholl:
"Ade, du Schäfer mein!"

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le berger", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Die Rache  [sung text not yet checked]

Der Knecht hat erstochen den edlen Herrn,
Der Knecht wär selber ein Ritter gern.

Er hat ihn erstochen im dunklen Hain
Und den Leib versenket im tiefen Rhein.

Hat angeleget die Rüstung blank,
Auf des Herren Roß sich geschwungen frank.

Und als er [sprengen will]1 über die Brück',
Da stutzet das Roß und bäumt sich zurück.

Und als er die güld'nen Sporen ihm gab,
Da schleudert's ihn wild in den Strom hinab.

Mit Arm, mit Fuß er rudert und ringt,
Der schwere Panzer ihn niederzwingt.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La revanche", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Marschner: "sprenget"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Malcolm Wren [Guest Editor]

4. In der Ferne  [sung text not yet checked]

Will ruhen unter den Bäumen hier,
Die Vögelein hör' ich so gerne.
Wie singet ihr so zum Herzen mir!
Von unsrer Liebe was wisset ihr
In dieser weiten Ferne?

Will ruhen hier an des Baches Rand,
Wo duftige Blümlein sprießen.
Wer hat euch Blümlein, [hieher]1 gesandt?
Seid ihr ein herzliches Liebespfand
Aus der Ferne von meiner Süßen?

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Far away", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Au loin", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Lontano", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 some editions: "hierher" (used by Brahms)

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Abschied  [sung text not yet checked]

Was [klinget und singet]1 die Strass' herauf?
Ihr Jungfern, machet die Fenster auf!
Es ziehet der Bursch in die Weite,
Sie geben ihm das Geleite.

Wohl jauchzen die andern und schwingen die Hüt',
Viel Bänder darauf und viel edle Blüt',
Doch dem Burschen gefällt nicht die Sitte,
Geht still und bleich in der Mitte.

Wohl klingen die Kannen, wohl funkelt der Wein;
"Trink' aus und trink' wieder, lieb Bruder mein!"
"Mit dem Abschiedsweine nur fliehet,
Der da innen mir brennet und glühet!"

Und draussen am allerletzten Haus,
Da gucket ein Mägdlein zum Fenster heraus,
Sie möcht' ihre Tränen verdecken
Mit Gelbveiglein und Rosenstöcken.

Und draussen am allerletzten Haus,
Da schlägt der Bursche die Augen auf
Und schlägt sie nieder mit Schmerze
Und leget die Hand aufs Herze.

"Herr Bruder, und hast du noch keinen Strauß,
Dort winken und wanken viel Blumen heraus.
Wohlauf, du Schönste von allen,
Laß ein Sträusslein herunterfallen!"

"Ihr Brüder, was sollte das Sträusslein mir?
Ich hab' ja kein liebes Liebchen wie ihr;
An der Sonne würd' es vergehen,
Der Wind, der würd' es verwehen."
 
Und weiter, ja weiter mit Sang und mit Klang,
Und das Mägdlein lauschet und horchet noch lang':
"0 weh'! er ziehet, der Knabe,
Den ich stille geliebet habe.  

Da steh' ich, ach, mit der Liebe mein,
Mit Rosen und mit Gelbveigelein;
Dem ich alles gäbe so gerne,
Der ist nun in der Ferne."

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Emily Ezust) , "Departure", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Adieux", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Schwertzell: "singet und klinget"; further changes may exist not noted above.

Researcher for this text: Jakob Kellner

6. Romanze: Die Nonne [sung text not yet checked]

Im stillen Klostergarten 
Eine bleiche Jungfrau ging.
Der Mond beschien sie trübe,
An ihrer Wimper hing 
Die Träne zarter Liebe.

"O wohl mir, daß gestorben 
Der treue Buhle mein!
Ich darf ihn wieder lieben:
Er wird ein Engel sein, 
Und Engel darf ich lieben."

Sie trat mit zagem Schritte 
Wohl zum [Mariabild]1;
Es stand im lichten Scheine,
Es sah so muttermild
Herunter auf die Reine.

Sie sank zu seinen Füßen, 
Sah auf mit Himmelsruh',
Bis ihre Augenlider 
Im Tode fielen zu:
Ihr Schleier wallte nieder.

Authorship

See other settings of this text.

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) (Corien Sleeswijk) , "De non", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Kelly Dean Hansen) , "The nun", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La nonne", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
1 Some editions use "Marienbild"; Brahms's score uses this spelling.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]