Sieben Gedichte von Göthe, Heine, Uhland, Burns und W. Müller

by Otto Tiehsen (1817 - 1849)

Word count: 760

1. Morgenlied [sung text not yet checked]

Noch ahnt man kaum der Sonne Licht, 
Noch sind die Morgenglocken nicht 
Im finstern Tal erklungen.

Wie still des Waldes weiter Raum! 
Die Vöglein zwitschern nur im Traum, 
Kein Sang hat sich erschwungen.

Ich hab' mich längst ins Feld gemacht, 
Und habe schon dies Lied erdacht, 
Und hab' es laut gesungen

Authorship

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  • DUT Dutch (Nederlands) (Corien Sleeswijk) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (John H. Campbell) , "Morning song / Sunlight", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chant du matin", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Frühlingslied [sung text not yet checked]

Gekommen ist der Maie,
Die Blumen und Bäume blühn,
Und durch die Himmelsbläue
Die [rosigen]1 Wolken ziehn.

Die [Nachtigallen]2 singen
Herab aus [der laubigen]3 Höh,
Die weißen Lämmer springen
Im weichen grünen Klee.

[Ich kann nicht singen und springen]4,
Ich liege krank im Gras;
Ich höre fernes Klingen,
Mir träumt, ich weiß nicht was.

Authorship

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le mois de mai est arrivé", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 Curschmann: "ros'gen"
2 Curschmann: "lust'gen Vöglein"
3 Curschmann: "luftiger"
4 Curschmann: "Doch ich kann nicht springen und singen"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Frühlingslied [sung text not yet checked]

  Die blauen Frühlingsaugen
Schau'n aus dem Gras hervor;
Das sind das [lieben]1 Veilchen,
Die ich zum Strauß erkor.

  Ich pflücke sie und denke,
Und die Gedanken all,
Die mir im Herzen seufzen,
Singt laut die Nachtigall.

  Ja, was ich denke, singt sie
[Lautschmetternd]2, daß es schallt;
Mein zärtliches Geheimnis
Weiß schon der ganze Wald.

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2018, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Les yeux bleus du printemps", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Gli occhi azzurri della primavera", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with: Heinrich Heine’s sämtliche Werke in vier Bänden, herausgegeben von Otto F. Lachmann, Erster Band, Leipzig: Druck und Verlag von Philipp Reclam jun, [1887], page 243

1 Methfessel "blauen"
2 Methfessel "Und schmettert"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Das Sträußchen [sung text not yet checked]

O Liebe, schlüpft' durch's Pförtchen verborgen gern der Welt, 
O Liebe, schleicht in's Herze, von Weisheit sonst erhellt;
So laßt mich zieh'n in's Grüne, dort wo das Bächlein rinnt,
Ein Sträußchen mir zu pflücken zum Maien für mein Kind. 

Die Primel will ich pflücken, des Lenzes Erstlingszier,
Und will die Nelke pflücken, der Blumen liebste ihr,
Ihr selbst der Frauen-Nelke, wie keine süß und lind,  -- 
Und Alles in das Sträußchen zum Maien für mein Kind. 

Ich will die Rose pflücken im Morgensonnenschein,
Ein Kuß von ihrem Munde  --  so soll das Knöspchen sein!
Im himmelblauen Kleide dich treue Hyazinth'  -- 
Und Alles in das Sträußchen zum Maien für mein Kind! 

Die reine, keusche Lilie, die will ich brechen kühn,
An ihrem süßen Busen da soll die Lilie glüh'n;
Maaßliebchen spricht zum Herzen, das treu-beständig minnt  -- 
Und Alles in das Sträußchen zum Maien für mein Kind.

Vom Weißdorn will ich pflücken die Locke silbergrau,
Wie eines greifen Schäfers, betropft vom Morgenthau;
Doch du im Busch, o Sänger, was fließt du so geschwind  --
Will nur ein Sträßchen pflücken zum Maien für mein Kind!

Authorship

Based on

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Confirmed with Lieder von Robert Burns. Übertragen von Georg Pertz, Leipzig und Heidelberg: C. F. Winter'sche Verlagshandlung, 1859, page 15.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

5. Trost in Thränen [sung text not yet checked]

Wie kommt's, daß du so traurig bist,
Da alles froh erscheint?
Man sieht dir's an den Augen an,
Gewiß du hast geweint.

"Und hab' ich einsam auch geweint,
So ist's mein [eigner]1 Schmerz,
Und Thränen fließen gar so süß,
Erleichtern mir das Herz."

Die frohen Freunde laden dich,
O komm an unsre Brust!
Und was du auch verloren hast,
[Vertraue]2 den Verlust.

"Ihr lärmt und rauscht und ahnet nicht,
Was mich den Armen quält.
Ach nein, verloren hab' ich's nicht,
So sehr es mir auch fehlt."

So raffe dich denn eilig auf,
Du bist ein junges Blut.
In deinen Jahren hat man Kraft
Und zum Erwerben Muth.

"Ach nein, erwerben kann ich's nicht,
Es steht mir gar zu fern.
Es weilt so hoch, es blinkt so schön,
Wie droben jener Stern."

Die Sterne, die begehrt man nicht,
Man freut sich ihrer Pracht,
Und mit Entzücken blickt man auf
In jeder heitern Nacht.

"Und mit Entzücken blick' ich auf,
So manchen lieben Tag;
Verweinen laßt die Nächte mich,
So lang' ich weinen mag."

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Troost in tranen", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Comfort in tears", copyright ©
  • ENG English (Edgar Alfred Bowring) , "Comfort in tears", appears in The Poems of Goethe, first published 1853
  • FRE French (Français) (Gérard Labrunie) , "Consolation dans les larmes"
  • ITA Italian (Italiano) (Antonio Zencovich) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Goethe's Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Erster Band, Stuttgart und Tübingen, in der J.G.Cottaschen Buchhandlung, 1827, pages 96-97, and with Taschenbuch auf das Jahr 1804, Herausgegeben von Wieland und Goethe, Tübingen, in der Cotta'schen Buchhandlung, pages 115-116.

1 Schubert (in the autograph): "eigen"
2 Schubert (Friedlaender edition): "vertraure"
See also Wechselgesang (set by Wilhelm Riem), which may employ a portion of this text.

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

6. Der Sommer ist so schön [sung text checked 1 time]

Der Sommer ist so schön,
    [Blümlein]1 glühn wie Sterne;
Droben rinnt der Quell,
    Doch mein Lieb' ist ferne.
        Immer bin ich wach,
            Immer wach und trübe;
        [Schlafen]2 kann ich nicht --
            [Ich denk]3 an meine Liebe.
 
[Schlafend träum' ich nur,
    Wachend bin ich trübe:
[Schlafen]2 kann ich nicht,
    [Ich denk']3 an meine Liebe.]4
 
Einsam [kömmt]5 die Nacht,
    Alles liegt im Schlummer;
Ich denk' an mein Lieb,
    Und mein Auge netzt der Kummer.
        Immer bin ich wach,
            Immer wach und trübe;
        [Schlafen]2 kann ich nicht,
            [Ich denk']3 an meine Liebe.

Authorship

Based on

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Confirmed with Lieder und Balladen des Schotten Robert Burns. Übertragen von Heinrich Julius Heintze, Braunschweig, Verlag von Westermann, 1840, page 100.

1 Franz: "Blumen"
2 Franz: "Ruhen"
3 Franz: "Denk' "
4 omitted by Tiehsen and Wichmann.
5 Franz, Tiehsen, Wichmann: "kommt"

Researcher for this text: Rudi Spring

7. Liebesgedanken [sung text not yet checked]

Je höher die Glocke, 
Je heller der Klang:
Je ferner das Mädchen,
Je lieber der Gang.

Der Frühling will kommen, 
O Frühling, meine Freud'!
[Nun]1 mach' ich [meine Schuhe]2 
Zum Wandern bereit.

Wohlauf durch die Wälder, 
Wo die Nachtigall singt!
Wohlauf durch die Berge, 
Wo's [Gemsböcklein springt]3!

Zwei schneeweiße Täubchen,
Die fliegen voraus,
Und setzen sich schnäbelnd 
Auf der Hirtin ihr Haus.

Ei bist du schon munter,
Und bist schon so blank?
Gott grüss dich, schön's [Dirnel]4!
Ach, der Winter war lang!

Zwei Augen wie Kirschkern',
Die Zähne schneeweiß, 
Die Wangen wie Röslein 
Betracht' ich mit Fleiß.

Ein Mieder von Scharlach, 
Ganz funkelnagelneu, 
Und unter dem Mieder 
Ein Herzlein so treu!

Und ihr Lippen, ihr Lippen, 
Wie preis' ich denn euch? 
So wie ich will sprechen, 
So küßt ihr mich gleich!

Ei Winter, ei Winter,
Bist immer noch hier? 
So darf ich doch wandern 
In Gedanken zu ihr.

Auf Siebenmeilenstiefeln 
Geht's flink von der Stell',
Auf Liebesgedanken 
Geht's siebenmal so schnell.

Authorship

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Confirmed with Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten. Herausgegeben von Wilhelm Müller. Zweites Bändchen. Deßau 1824. Bei Christian Georg Ackermann, pages 122-124; and with Urania. Taschenbuch auf das Jahr 1822. Neue Folge, vierter Jahrgang. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1822, pages 422-423.

1 Loewe: "I nun"
2 Schubert: "mich fertig"
3 Loewe: "Hifthorn erklingt"
4 Loewe: "Dirnchen"

Research team for this text: John H. Campbell , Peter Rastl [Guest Editor]