Eichendorff-Album. 20 Lieder für 1 Singstimme mit Pianofortebegleitung. Religiöse Lieder

by Wilhelm Martens

Word count: 1080

1. Kirchenlied [sung text not yet checked]

O Maria, meine Liebe!
Denk ich recht im Herzen dein:
Schwindet alles Schwer' und Trübe,
Und, wie heller Morgenschein,
Dringt's durch Lust und ird'schen Schmerz
Leuchtend mir durchs ganze Herz.

Auf des ew'gen Bundes Bogen,
Ernst von Glorien umblüht,
Stehst du über Land und Wogen;
Und ein himmlisch Sehnen zieht
Alles Leben himmelwärts
An das große Mutterherz.

Wo Verlaßne einsam weinen,
Sorgenvoll in stiller Nacht,
Den' vor allen läßt du scheinen
Deiner Liebe milde Pracht,
Daß ein tröstend Himmelslicht
In die dunklen Herzen bricht.

Aber wütet wildverkehrter
Sünder frevelhafte Lust:
Da durchschneiden neue Schwerter
Dir die treue Mutterbrust;
Und voll Schmerzen flehst du doch:
Herr! Vergib, o schone noch!

Deinen Jesus in den Armen,
Übern Strom der Zeit gestellt,
Als das himmlische Erbarmen
Hütest du getreu die Welt,
Daß im Sturm, der trübe weht,
Dir kein Kind verlorengeht.

Wenn die Menschen mich verlassen
In der letzten stillen Stund,
Laß mich fest das Kreuz umfassen.
Aus dem dunklen Erdengrund
Leite liebreich mich hinaus,
Mutter, in des Vaters Haus!

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Marienlied [sung text not yet checked]

Wenn ins Land die Wetter hängen
Und der Mensch erschrocken steht,
Wendet, wie mit Glockenklängen,
Die Gewitter Dein Gebet,
Und wo aus den grauen Wogen
Weinend auftaucht das Gefild,
Segnest Du's vom Regenbogen -
Mutter, ach, wie bist Du mild!

Wenn's einst dunkelt auf den Gipfeln
Und der kühle Abend sacht
Niederrauschet in den Wipfeln:
O Maria, heil'ge Nacht!
Laß mich nimmer wie die andern,
Decke zu der letzten Ruh'
Mütterlich den müden Wandrer
Mit dem Sternenmantel zu.

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. In der Nacht [sung text not yet checked]

Das Leben draußen ist verrauschet,
Die Lichter löschen aus,
Schauernd mein Herz am Fenster lauschet
Still in die Nacht hinaus.
 
Da nun der laute Tag zerronnen
Mit seiner Not und [Lust]1,
Was hast du in dem Spiel gewonnen,
Was blieb der müden Brust? --
 
Der Mond ist trostreich aufgegangen,
Da unterging die Welt,
Der Sterne heil'ge Bilder prangen
So einsam hochgestellt!
 
O Herr! auf dunkelschwankem Meere
Fahr' ich im schwachen Boot,
Treu folgend deinem goldnen Heere
Zum ew'gen Morgenrot.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "In the night", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Joseph von Eichendorff Sämtliche Gedichte und Versepen, Frankfurt am Main und Leipzig: Insel Verlag, 2001, pages 123-124

1 Note: in some editions of Eichendorff, this is "bunten Lust".

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Der Umkehrende [sung text not yet checked]

Hier bin ich Herr! Gegrüßt das Licht,
das durch die stille Schwüle
der müden Brust gewaltig bricht
mit seiner strengen Kühle.

Nun bin ich frei! Ich taumle noch,
und kann mich noch nicht fassen.
O Vater, du erkennst mich doch,
und wirst nicht von mir lassen.

Authorship

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Researcher for this text: Malcolm Wren [Guest Editor]

5. Der Pilger [sung text not yet checked]

Dein Wille, Herr, geschehe!
Verdunkelt schweigt das Land,
Im Zug der Wetter sehe
ich schauernd deine Hand.
O mit uns Sündern gehe
erbarmend ins Gericht!
Ich beug' im tiefsten Wehe
zum Staub mein Angesicht.
Dein Wille, Herr, geschehe!

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  • ENG English (Michael P. Rosewall) , "Submission", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Virginia Knight

6. Der Einsiedler  [sung text not yet checked]

[Komm]1, Trost der Welt, du stille Nacht!
Wie steigst du von den Bergen sacht,
Die Lüfte alle schlafen,
Ein Schiffer nur noch, wandermüd',
Singt übers Meer sein Abendlied
Zu Gottes Lob im Hafen.

Die Jahre wie die Wolken gehn
Und lassen mich hier einsam stehn,
Die Welt hat mich vergessen,
Da tratst du wunderbar zu mir,
Wenn ich beim Waldesrauschen hier
Gedankenvoll gesessen.

O Trost der Welt, du stille Nacht!
Der Tag hat mich so [müd']2 gemacht,
Das weite Meer schon dunkelt,
Laß ausruhn mich von Lust und Not,
Bis daß das ew'ge Morgenrot
Den stillen Wald durchfunkelt.

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De eenzaat", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Come, comfort of the world, you still night", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le solitaire", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Vieni , notte silenziosa", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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1 von Wilm: "Komme"; further changes may exist not shown above.
2 Reinthaler: "trüb"

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7. Auf seines Kindes Tod [sung text not yet checked]

Mein liebes Kind, ade!
Ich konnt' ade nicht sagen
Als sie dich fortgetragen,
Vor tiefem, tiefem Weh.
 
Jetzt auf lichtgrünem Plan
Stehst du im Myrtenkranze,
Und lächelst aus dem Glanze
Mich still voll Mitleid an.
 
Und Jahre nahn und gehn,
Wie bald bin ich verstoben -
O bitt für mich da droben,
Daß wir uns wiedersehn!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Joseph Freiherrn von Eichendorff's sämtliche poetische Werke, dritte Auflage, Erster Band, Gedichte, C. F. Amelang's Verlag, Leipzig, 1883.


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8. Der traurige Jäger [sung text not yet checked]

Zur ewgen Ruh' sie sangen
die schöne Müllerin,
die Sterbeglocken klangen
noch übers Waldgut hin.

Da steht ein Fels so kühle,
wo keine Wandrer gehn,
noch einmal nach der Mühle
wollt dort der Jäger sehn.

Die Wälder rauschten leise,
sein Jagen war vorbei,
der blies so irre Weise,
als müsst' das Herz entzwei.

Und still dann in der Runde
ward's über Tal und Höh'n,
man hat seit dieser Stunde
ihn nimmermehr gesehn.

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De treurige jager", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "The sad huntsman", copyright © 2007
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le chasseur triste", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Margarida Moreno) , "O caçador triste", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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9. In der Fremde [sung text not yet checked]

Ich hör' [die]1 Bächlein rauschen
Im Walde her und hin,
Im Walde in dem Rauschen
Ich weiß nicht, wo ich bin.

Die Nachtigallen schlagen
Hier in der Einsamkeit,
Als wollten sie was sagen
Von [der alten, schönen]2 Zeit.

Die Mondesschimmer fliegen,
Als [seh']3 ich unter mir
Das Schloß im Thale liegen,
Und ist doch so weit von hier!

Als müßte in dem Garten
Voll Rosen weiß und roth,
[Meine]4 Liebste auf mich warten,
Und ist [doch lange]5 todt.

Authorship

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Ontheemd", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "À l'étranger", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • HEB Hebrew (עברית) (Max Mader) , "בנכר", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "In terra straniera", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • NOR Norwegian (Bokmål) (Marianne Beate Kielland) , "I fremmed land", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Elke Beatriz Riedel) , "Em terras estrangeiras", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Diego S. Loyola) , "En el extranjero", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Joseph Freiherrn von Eichendorff, Verlag von Duncker und Humblot, Berlin, 1837, pages 33-34.

Note: modernized spelling would change "Thale" to "Tale", "roth" to "rot", and "todt" to "tot"

1 Ivers, Stern: "ein"; further changes may exist not shown above
2 Marx: "alter, schöner"
3 Dresel, Jaques-Dalcroze, Marx, Schumann: "säh"
4 Dresel: "Die"; Marx: "Der"
5 Marx: "schon lange"; Schumann: "doch so lange"

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10. Gute Nacht [sung text not yet checked]

Die Höh'n und Wälder [schon]1 steigen
Immer tiefer in's Abendgold;
Ein Vöglein [frägt]2 in den Zweigen
Ob es Liebchen grüssen sollt'?

O Vöglein, du hast dich betrogen,
Sie wohnet nicht mehr im Tal,
Schwing' auf dich zum Himmelsbogen,
Grüss' sie droben zum letztenmal.

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "Bona nit", copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Garrett Medlock) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Bonne nuit", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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1 omitted by Zemlinsky.
2 Franz: "fragt" (typo?)

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11. Nachklang [sung text not yet checked]

Lust'ge Vögel in dem Wald,
Singt, solang es grün,
Ach wer weiss, wie bald,
wie bald Alles muss verblühn! 

Sah ich's doch vom Berge einst
Glänzen überall,
Wusste kaum, warum du weinst,
Fromme Nachtigall. 

Und kaum ging ich über Land,
Frisch durch Lust und Not,
Wandelt' alles, und ich stand
Müd im Abendrot. 

Und die Lüfte wehen kalt,
Übers falbe Grün,
Vöglein,euer Abschied hallt
Könnt' ich mit euch ziehn!

Authorship

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Thomas Zoller

12. Erinnerung [sung text not yet checked]

Die fernen Heimathöhen,
Das stille, hohe Haus,
Der Berg, von dem ich gesehen
Jeden Frühling ins Land hinaus,
Mutter, Freunde und Brüder,
An die ich so oft gedacht,
Es grüßt mich alles wieder
In stiller Mondesnacht.

Authorship

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13. Die Stille [sung text not yet checked]

Es [weiß]1 und rät es doch keiner,
Wie mir so wohl ist, so wohl!
Ach, wüßt es nur einer, nur einer,
Kein Mensch es sonst wissen [soll!]2

So still ist's nicht draußen im Schnee,
So stumm und verschwiegen sind
Die Sterne nicht in der Höh,
Als meine Gedanken sind.

Ich wünscht', es wäre schon Morgen,
Da fliegen zwei Lerchen auf,
Die überfliegen einander,
Mein Herz folgt ihrem Lauf.

Ich wünscht', ich wäre ein Vöglein
Und zöge über das Meer,
Wohl über das Meer und weiter,
Bis daß ich im Himmel wär!

Authorship

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De stilte", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le silence", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • HEB Hebrew (עברית) (Max Mader) , "השקט", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "La quiete", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • NOR Norwegian (Bokmål) (Marianne Beate Kielland) , "Stillheten", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • POR Portuguese (Português) (Elke Beatriz Riedel) , "A quietude", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • SPA Spanish (Español) (Diego S. Loyola) , "El Silencio", copyright © 2003, (re)printed on this website with kind permission

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1 Bungert: "weiß es"; further changes may exist not shown above.
2 Schumann: "sollt'"

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14. Nacht [sung text not yet checked]

Die Vöglein, die so fröhlich sangen,
Der Blumen bunte Pracht,
's ist alles unter nun gegangen,
Nur das Verlangen
Der Liebe wacht.

Tritt nicht hinas jetzt vor die Tür,
Die Nacht hat eignen Sang,
Das Waldhorn ruft, als rief's nach dir,
Betrüglich ist der irre Klang,
Endlos der Wälder Labyrinth -
Behüt dich Gott, du schönes Kind!

Überm Lande die Sterne
Machen die Runde bei Nacht,
Mein Schatz ist in der Ferne,
Liegt am Feuer auf der Wacht.

Übers Feld bellen Hunde;
Wenn der Mondschein erblich,
Rauscht der Wald auf im Grunde:
Reiter, jetzt hüte dich!

Hörst du die Gründe rufen
[In Träumen]1 halb verwacht? 
O, von des Schlosses Stufen
Steig nieder in die Nacht! --

Die Nachtigallen schlagen,
Der Garten rauschet sacht,
Es will dir Wunder sagen,
Die wunderbare Nacht.

Authorship

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  • ENG English [singable] (Constance Bache) , "Night"
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Nuit", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission

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When first published in 1828, the poem was one stanza long (usually referred to as Nacht Teil 1); in 1837, Eichendorff added Teil 2, which encompassed stanza 2; in 1839, Eichendorff added Teil 3, which encompassed stanzas 3 and 4; and in 1841 he added Teil 4, encompassing stanzas 5 and 6, and thus giving the poem its final form.

1 Schoeck: "Im Traume"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]