18 Lieder und Gesänge für 1 Singstimme mit Pianofortebegleitung

Song Cycle by Adalbert von Goldschmidt (1848 - 1906)

Word count: 1195

1. Das Sträußchen [sung text not yet checked]

Wehet ein Lüftchen
Aus fürstlichen Wäldern;
Da läufet das Mädchen,
Da läuft es zum Bach,
Schöpft in beschlagne
Eimer das Wasser.

Vorsichtig, bedächtig
Versteht sie zu schöpfen.
Am Flusse zum Mädchen
Schwimmet ein Sträuschen,
Ein duftiges Sträuschen
Von Veilchen und Rosen.

Wenn ich, du holdes
Blümchen, es wüßte,
Wer dich gepflanzet
In lockeren Boden;
Wahrlich! dem gäb ich
Ein goldenes Ringlein.

Wenn ich, du holdes
Sträuschen, es wüßte,
Wer dich mit zartem
Baste gebunden,
Wahrlich! dem gäb' ich
Die Nadel vom Haare.

Wenn ich, du holdes
Blümchen, es wüßte,
Wer in den kühlen
Bach dich geworfen,
Wahrlich! dem gäb' ich
Mein Kränzlein vom Haupte.«

Und so verfolgt sie
Das eilende Sträuschen,
Sie eilet vorauf ihm,
Versucht es zu fangen:
Da fällt, ach! da fällt sie
Ins kühlige Wasser.

Authorship

Based on

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Confirmed with Goethe's Werke. Vollständige Ausgabe, letzter Hand, Dritter Band, Stuttgart und Tübingen, in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, 1828, pages 217-218. Note: modernized spelling would change Sträuschen to Sträußchen.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Malcolm Wren [Guest Editor]

2. Zwölf Freier möcht' ich haben [sung text not yet checked]

Zwölf Freier möcht' ich haben, dann hätt' ich genug,
Wenn alle schön wären und alle nicht klug.
Einen, um vor mir herzulaufen,
Einen, um hinter mir drein zu schnaufen,
Einen, um mir Spaß zu machen,
Und einen, um darüber zu lachen;
Einen traurigen, den wollt' ich schon fröhlich herzen,
Einen lustigen, ich wollt' ihm vertreiben das Scherzen,
Einem, dem reicht' ich die rechte Hand,
Einem, dem gäb' ich die linke zum Pfand,
Einem, dem schenkt' ich ein freundlich Nicken,
Einem, dem gäb' ich ein holdes Blicken,
Noch einem, dem gäb' ich vielleicht einen Kuß,
Und dem letzten mich selber aus Überdruß.

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

3. Sie trug ein Band in Haaren [sung text not yet checked]

Sie trug ein Band in Haaren,
Das flatterte durch die Luft,
Am Busen barg sie Rosen,
Die spendeten würzigen Duft.

Vom Busen gib mir die Rosen,
Oder gib mir das Band im Haar,
Oder gib mir die Haare selber,
Oder gib mir den Busen gar!

Vom Bande flicht mir Fesseln,
Von Rosen den bräutlichen Kranz,
Ein Ringlein winde von Haaren,
Aber schenke dein Herz mir ganz!

Authorship

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "À la belle", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Wenn die Vöglein sich gepaart [sung text not yet checked]

Wenn die Vöglein sich gepaart,
dürfen sie gleich nisten,
ohne Sorg', auf welche Art
sie sich werden fristen.

Ach, dass auch der Menschen zwei
also könnten wohnen
wie die Vöglein frank und frei
in den Laubeskronen!

Brauchte mit der Liebsten ja
nur ein kleines Nestchen:
doch kein Nahrungszweig ist nah,
der mir böt ein Ästchen.

Authorship

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  • ENG English [singable] (E. Buek)
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

5. Tanzreim [sung text checked 1 time]

Mein Schätzle is hübsch, aber reich ist es nit!
Was nutzt mir der Reichtum, das Geld küss' i nit!

Schön bin ich nit, reich bin ich wohl,
Geld hab' ich auch a ganz Beuterl voll.
Geh'n mir noch drei Batze ab,
dass ich g'rad zwölf Kreuzer hab',
's Kranzerle weg und 's Häuberle her,
Jungfrau gewest und nimmermehr!

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

6. Morgenthau  [sung text not yet checked]

Wir [wollten]1 mit Kosen und Lieben
Geniessen der köstlichen Nacht.
Wo sind doch die Stunden geblieben?
Es ist ja der Hahn schon erwacht.

Die Sonne, die bringt viel Leiden,
Es weinet die scheidende Nacht;
Ich also muß weinen und scheiden,
Es ist ja die Welt schon erwacht.

Ich wollt' es gäb' keine Sonne,
Als eben dein Auge so klar.
Wir weilten in Tag und in Wonne,
Und schliefe die Welt immerdar.

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , "Morning dew", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Rosée du matin", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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1 Seldeneck: "wollen" ; further changes may exist not noted above.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Das Kreuz [sung text checked 1 time]

Eh'mals hingen Schleierwolken
um dich her mit gold'nem Ranfte,
doch nun werfen alle Sonnen
ihre Strahlen auf dich hin.
Ja, du trugst die Macht des Heilands,
der da wog die Kugelhälften,
sieh', und Nacht umfloss die nicht'ge
die gewicht'ge Morgenröth'!
Ausgespannte Mittlerarme
schwebten zwischen Erd' und Himmel;
ihm zu Häupten saß der Vater,
ihm zu Füßen lag die Welt.
Lass mit warmen Liebesarmen
mich dein dürres Holz umflechten;
einst noch wirst du, teures Sinnbild,
grünen und in Blüten steh'n.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

8. Winterlied [sung text not yet checked]

Geduld, du kleine Knospe,
Im lieben stillen Wald,
Es ist noch viel zu frostig,
Es ist noch viel zu bald.

Noch geh ich dich vorüber,
Doch merk ich mir den Platz,
Und kommt heran der Frühling,
So hol ich dich, mein Schatz.

Authorship

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  • ENG English (Malcolm Wren) , "Winter song", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Patience, petit bourgeon", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Claus-Christian Schuster

9. Jägerlied  [sung text not yet checked]

Kein' [bess're]1 Lust in dieser Zeit,
Als durch den Wald zu dringen,
Wo Drossel singt und Habicht schreit,
Wo Hirsch' und Rehe springen.

O säss' mein Lieb' im Wipfel grün,
Tät' wie 'ne Drossel schlagen!
O spräng' es, wie ein Reh' dahin,
Daß ich es könnte jagen!

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (John H. Campbell) , "Hunter's song", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chant du chasseur", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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1 Horneman: "bessere"; further changes may exist not shown above.

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

10. Albumblatt [sung text not yet checked]

Das Röschen, das du mir geschickt,
Von deiner lieben Hand gepflückt,
Es lebte kaum zum Abendrot,
Das Heimweh gab ihm frühen Tod;
Nun schwebet gleich sein Geist von hier
Als kleines Lied zurück zu dir.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Reply", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Réponse", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with: Uhlands Werke, Erster Teil, Gedichte, herausgegeben von Adalbert Silbermann, Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart: Deutsches Verlagshaus Bong & Co., [no year], page 86.


Research team for this text: Joanna Lonergan , Sharon Krebs [Guest Editor]

11. Lauf der Welt  [sung text not yet checked]

An jedem Abend geh' ich aus
Hinauf den Wiesensteg.
Sie schaut aus ihrem Gartenhaus,
Es stehet hart am Weg.
Wir haben uns noch nie bestellt,
Es ist nur so der Lauf der Welt.

Ich weiß nicht, wie es so geschah,
Seit lange küss' ich sie,
Ich bitte nicht, sie sagt nicht: ja!
Doch sagt sie: nein! auch nie.
Wenn Lippe gern auf Lippe ruht,
Wir hindern's nicht, uns dünkt es gut.

Das Lüftchen mit der Rose spielt,
Es fragt nicht: hast mich lieb?
Das Röschen sich am Taue kühlt,
Es sagt nicht lange: gib!
Ich liebe sie, sie liebet mich,
Doch keines sagt: ich liebe dich!

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2020, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (John H. Campbell) , "The way of the world", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La course du monde", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

12. Der Lenz [sung text not yet checked]

Die Bäume blühn
Die Vöglein singen,
Die Wiesen bringen
Ihr erstes Grün. 

Schier tuts mir leid,
Zu treten die Erden
Und ihr zu gefährden
Ihr neues Kleid. 

Sie hat nicht acht, 
Ob Knospenspringen
Und Frühlgngssingen
Mich traurig macht.

Authorship

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Researcher for this text: John Versmoren

13. Kirchengesang [sung text not yet checked]

Wie heimlicher Weise
Ein Engelein leise
Mit rosigen Füßen
Die Erde betritt,
So nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
Ein heilig Willkommen,
Ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze du mit!
 
In Ihm sei's begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
Des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Bertram Kottmann) , "To the new year", copyright © 2004, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "À la nouvelle année", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Stéphane Goldet) (Pierre de Rosamel) , "Pour la nouvelle année", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "All'anno nuovo", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

14. Die Himmelsbraut [sung text checked 1 time]

Tritt ein denn, du Braut,
mit Gott jetzt getraut;
leg' Sünde so groß
in Heilandes Schoß;
leg' Qualen und Sorgen
auf Horebs Höh'n!
Wie Lerchen wirst du morgen
dann singen, herrlich und schön.
Nach Zielen, so lichten,
dein Blick wird sich richten,
dein Zagen wird schwinden,
den Herrn wirst du finden.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

15. Jesukind [sung text checked 1 time]

In grünender Landschaft Sommerflor,
bei kühlem Wasser, Schilf und Rohr,
schau, wie das Knäblein sündenlos
frei spielet auf der Jungfrau Schoß;
und dort im Walde wonnesam,
ach, grünet schon des Kreuzes Stamm.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

16. Minnelied [sung text checked 1 time]

Nehmt, Herrin, diesen Kranz,
so hatt' ich jüngst zu einer holden Maid gesagt,
dann zieret Ihr den Tanz
durch Eure Blumen, die Ihr auf dem Scheitel tragt.
Hätt' ich viel Geld und Edelsteine,
die schmückten Euer Haupt;
so Ihr den Worten glaubt,
seht, wie ich's treu und redlich meine!

Sie nahm, was ich ihr bot,
gleich einem Kind, das eine Gabe hat beglückt;
ihr Antlitz wurde rot,
so wie die Rose aus den Lilien purpurn blickt.
Verschämt, den lichten Blick zu zeigen,
verneigte sie sich hold,
das war mein Minnesold;
erlang' ich mehr von ihr, wohl werd' ich es verschweigen!

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

17. Nelken  [sung text not yet checked]

Ich wand ein [Sträußchen morgens]1 früh,
  Das ich der Liebsten schickte;
Nicht ließ ich sagen ihr, von wem,
  Und wer die Blumen pflückte.

Doch als ich abends kam zum Tanz
  Und tat verstohlen und sachte,
Da trug sie die Nelken am Busenlatz
  Und schaute mich an und lachte.

Authorship

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  • ENG English (Emily Ezust) , "Carnations", copyright ©
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Œillets", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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1 Bock: "Sträußlein morgens"; Othegraven: "Sträusslein des Morgens"; further changes may exist not shown above.

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

18. Abschied [sung text not yet checked]

Wie viel sind wir mit einander gegangen, 
Ach, einziges Herzchen mein! 
Und sind uns um den Hals gehangen; 
Geschieden muß es sein,
Ach, einziges Herzchen mein! 

Wie viel sind wir mit einander gelegen, 
Ach, einziges Herzchen mein! 
In Treu und Ehrenwegen; 
Geschieden muß es sein,
Ach, einziges Herzchen mein! 

Wie viel sind wir mit einander gesessen, 
Ach, einziges Herzchen mein! 
Gar manchen Schlaf haben wir vergessen;
Geschieden muß es sein, 
Ach, einziges Herzchen mein! 

Authorship

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Confirmed with Die Lieder aller Völker und Zeiten in metrischen deutschen Übersetzungen und sorgfältiger Auswahl, ed. by Hans Grabow, Hamburg, Verlag von F. Kramer: 1880, p. 334.

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