Galgenlieder

Song Cycle by Ralf Albert Franz (b. 1969)

Word count: 1185

1. Prolog (Lass die Moleküle rasen) [sung text not yet checked]

Lass die Moleküle rasen,
was sie auch zusammenknobeln!
lass das Tüfteln, lass das Hobeln,
heilig halte die Ekstasen. 

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2. Galgenberg [sung text not yet checked]

Blödem Volke unverständlich
treiben wir des Lebens Spiel.
Gerade das, was unabwendlich,
fruchtet unserm Spott als Ziel.

Magst es Kinder-Rache nennen
an des Daseins tiefem Ernst; -
wirst das Leben besser kennen,
wenn du uns verstehen lernst.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Mont Gibet", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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3. Bundeslied der Galgenbrüder [sung text not yet checked]

O schauerliche Lebenswirrn,
wir hängen hier am roten Zwirn!
Die Unke unkt, die spinne spinnt,
und schiefe Scheitel kämmt der Wind.

O Greule, Greule, wüste Greule!
"Du bist verflucht!" so sagt die Eule.
Der Sterne Licht am Mond zerbricht.
Doch dich zerbrachs noch immer nicht.

O Greule, Greule, wüste Greule!
Hört ihr den Huf der Silbergäule?
Es schreit der Kauz: pardauz! pardauz!
da tauts, da grauts, da brauts, da blauts!

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chant d'union des frères du gibet", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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4. Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid [sung text not yet checked]

Sophie, mein Henkersmädel,
komm, küsse mir den Schädel!
Zwar ist mein Mund
ein schwarzer Schlund -
doch du bist gut und edel!

Sophie, mein Henkersmädel,
komm, streichle mir den Schädel!
Zwar ist mein Haupt
des Haars beraubt -
doch du bist gut und edel!

Sophe, mein Henkersmädel,
komm, schau mir in den Schädel!
Die Augen zwar,
sie fraß der Aar -
doch du bist gut und edel!

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chanson des frères du gibet à Sophie, la fille du bourreau", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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5. Nein! [sung text not yet checked]

Pfeift der Sturm?
Keift ein Wurm?
Heulen 
Eulen
hoch vom Turm?

Nein!

Es war des Galgenstrickes 
dickes 
Ende, welches ächzte,
so als ob 
im Galopp 
eine müdgehetzte Mähre
nach dem nächsten Brunnen lechzte,
(der vielleicht noch ferne wäre).

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  • ENG English (Emily Ezust) , "No!", copyright © 2005
  • ENG English (Gary Bachlund) , "No!", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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6. Die Trichter [sung text not yet checked]

Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
       fließt weißes Mondlicht
            still und heiter
                auf ihren
                 Waldweg
                   u.s.
                    w.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Les entonnoirs", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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7. Galgenbruders Gebet und Erhörung [sung text not yet checked]

(Ein Nachtlied, im Jenseits vorzusingen)

Die Mond-Uhr wies auf halber Ilf,
da rief ich laut: Gott hilf, Gott hilf!
Wie singt im nahen Röhricht
die Unke gar so töricht!

Uu, uu, uu, uu -
So geht es immer und immerzu!
Ich kann solch lautes Grübeln
der Kröte nur verübeln.

So schweig doch still, verruchtes Maul!
Sonst fress dich gleich der Silbergaul!
Er frißt dich auf wie Hafer -
drum werde stiller, braver! ...

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Die Mond-Uhr wies dreiviertel Ilf,
verweht war mein: Gott hilf, Gott hilf! -
Im nahen Röhricht aber
erschien der Silbertraber.

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8. Der Tanz [sung text not yet checked]

Ein Vierviertelschwein und eine Auftakteule
trafen sich im Schatten einer Säule,
die im Geiste ihres Schöpfers stand.
Und zum Spiel der Fiedelbogenpflanze
reichten sich die zwei zum Tanze
Fuß und Hand.

Und auf seinen dreien rosa Beinen
hüpfte das Vierviertelschwein graziös,
und die Auftakteul' auf ihrem einen
wiegte rhythmisch ihr Gekrös.
Und der Schatten fiel,
und der Pflanze Spiel
klang verwirrend melodiös.

Doch des Schöpfers Hirn war nicht von Eisen,
und die Säule schwand, wie sie gekommen war;
und so musste denn auch unser Paar
wieder in sein Nichts zurücke reisen.
Einen letzten Strich
tat der Geigerich -
und dann war nichts weiter zu beweisen.

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9. Der Seufzer [sung text not yet checked]

Es gibt ein Gespenst,
das frisst Taschentücher,
es begleitet dich
auf deinen Reisen,
es frisst dir aus dem Koffer,
aus dem Bett,
aus dem Nachttisch,
wie ein Vogel
aus der Hand.
Mit 18 Tüchern,
stolzer Segler,
fährst du hinaus
aufs Meer der Fremde,
mit acht bis sieben
kehrst du zurück,
ein Gram der Hausfrau.
Wehe, wehe,
nie sah ein Auge
den scheußlichen Alf,
doch tausend Tücher
schlingt er allnächtlich
in seinen
weltweit
verteilten
Bauch. 

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10. Das ästhetische Wiesel [sung text not yet checked]

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel.

Wißt ihr,
weshalb?

Das Mondkalb
verriet es mir
im stillen:

Das raffinier -
te Tier
tats um des Reimes willen.

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  • ENG English (Gary Bachlund) , "The aesthetic Weasel", copyright © 2001, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La belette esthète", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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11. Der Nachtschelm und das Siebenschwein [sung text not yet checked]

Der Nachtschelm und das Siebenschwein,
die gingen eine Ehe ein,
    o wehe!
Sie hatten dreizehn Kinder, und
davon war eins der Schluchtenhund,
zwei andre waren Rehe.

Das vierte war die Rabenmaus,
das fünfte war ein Schneck samt Haus,
    o Wunder!
Das sechste war ein Käuzelein,
das siebte war ein Siebenschwein
und lebte in Burgunder.

Acht war ein Gürteltier nebst Gurt,
neun starb sofort nach der Geburt,
    owehe!
Von zehn bis dreizehn ist nicht klar; -
doch wie dem auch gewesen war,
es war eine glückliche Ehe!

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le fripon de la nuit et l'heptaporc -- ou un ménage heureux", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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12. Die beiden Esel [sung text not yet checked]

Ein finstrer Esel sprach einmal
zu seinem ehlichen Gemahl:

"Ich bin so dumm, du bist so dumm,
wir wollen sterben gehen, kumm!"

Doch wie es kommt so öfter eben:
Die beiden blieben fröhlich leben.

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  • ENG English (Gary Bachlund) , "Mister and Missus Ass", rhymed paraphrase, copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Les deux ânes", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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13. Das Wasser [sung text not yet checked]

Ohne Wort, ohne Wort
rinnt das Wasser immerfort;
andernfalls, andernfalls
sprach' es doch nichts andres als:

Bier und Brot, Lieb und Treu,-
und das wäre auch nicht neu.
Dieses zeigt, dieses zeigt,
dass das Wasser besser schweigt.

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  • ENG English (Gary Bachlund) , "Water", rhymed paraphrase, copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

The poem is headed with (Dem Dichter Franz Servaes)

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14. Der Traum der Magd [sung text not yet checked]

Am Morgen spricht die Magd ganz wild:
"Ich hab heut Nacht ein Kind gestillt -

ein Kind mit einem Käs als Kopf -
und einem Horn am Hinterschopf!

Das Horn, o denkt euch, war aus Salz
und ging zu essen, und dann -"

                               "Halt's -
halt's Maul!" so spricht die Frau, "und geh
an deinen Dienst, Zä-zi-li-e!"

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  • ENG English (Gary Bachlund) , "The maiden's dream", rhymed paraphrase, copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Le rêve de la servante", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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15. Die Schildkrökröte [sung text not yet checked]

"Ich bin eintausend Jahre alt
und werde täglich älter;
der Gotenkönig Theobald
erzog mich im Behälter.

Seitdem ist mancherlei geschehn,
doch weiß ich nichts davon;
zur Zeit, da lässt für Geld mich sehn
ein Kaufmann zu Heilbronn.

Ich kenne nicht des Todes Bild
und nicht des Sterbens Nöte:
Ich bin die Schild- ich bin die Schild-
ich bin die Schild - krö - kröte."

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La tortuetutue", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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16. Igel und Agel [sung text not yet checked]

Ein Igel saß auf einem Stein
und blies auf einem Stachel sein.
Schalmeiala, schalmeialü!
Da kam sein Feinslieb Agel
und tat ihm schnigel schnagel
zu seinen Melodein.
Schnigula schnagula
schnaguleia lü!

Das Tier verblies sein Flötenhemd...
"Wie siehst Du aus so furchtbar fremd!?"
Schalmeiala, schalmeialü -
Feins Agel ging zum Nachbar, ach!
Den Igel aber hat der Bach
zum Weiher fortgeschwemmt.
Wigula wagula
waguleia wü
tü tü ...

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  • ENG English (Bertram Kottmann) , "Hedge-hug-hog", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Gary Bachlund) , "Hedgehog and Hedge-hag", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Walter A. Aue) , "Hedgehog and Hedgehag", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • FIN Finnish (Suomi) (Erkki Pullinen) , "Siili ja havunneulanen", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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17. Das Fest des Wüstlings [sung text not yet checked]

Was stört so schrill die stille Nacht?
Was sprüht der Lichter Lüstrepracht?
    Das ist das Fest des Wüstlings!

Was huscht und hascht und weint und lacht?
Was cymbelt gell ? was flüstert sacht?
    Das ist das Fest des Wüstlings!

Die Pracht der Nacht ist jach entfacht!
Die Tugend stirbt, das Laster lacht!
    Das ist das Fest des Wüstlings!

(Zu flüstern)

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "La fête du débauché", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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18. Geiß und Schleiche [sung text not yet checked]

Die Schleiche singt ihr Nachtgebet,
die Waldgeiß staunend vor ihr steht.

Die Waldgeiß schüttelt ihren Bart
wie ein Magister hochgelahrt.

Sie weiß nicht, was die Schleiche singt,
sie hört nur, daß es lieblich klingt.

Die Schleiche fällt in Schlaf alsbald.
Die Geiß geht sinnend durch den Wald.

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  • ENG English (Emily Ezust) , copyright © 2005
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chèvre et lézard", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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19. Galgenkindes Wiegenlied [sung text not yet checked]

Schlaf, Kindlein, schlaf,
am Himmel steht ein Schaf,
das Schaf, das ist aus Wasserdampf
und kämpft wie du den Lebenskampf.
Schlaf, Kindlein, schlaf.

Schlaf, Kindlein, schlaf,
die Sonne frißt das Schaf,
sie leckt es weg vom blauen Grund
mit langer Zunge, wie ein Hund.
Schlaf, Kindlein, schlaf.

Schlaf, Kindlein, schlaf.
Nun ist es fort, das Schaf.
Es kommt der Mond und schilt sein Weib;
die läuft ihm weg, das Schaf im Leib.
Schlaf, Kindlein, schlaf.

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Berceuse de l'enfant du gibet", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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