Zwölf Lieder auf ihrer Reise in Musik gesetzt

Song Cycle by Maria Theresia von Paradis (1759 - 1824)

Word count: 2098

French (Français) translation: Douze chants mis en musique sur son voyage ( Guy Laffaille)

1. An das Klavier [sung text checked 1 time]

  Sei mir gegrüsst mein schmeichelndes Clavier!
Was keine Sprache richtig [nennt]1,
die Krankheit tief in mir
[die nie]2 mein Mund bekennt
[die]3 klag ich dir!
 
   Dich o Clavier erfand ein Menschenfreund,
ein Mann der traurig war, wie ich.
Er hat, wie ich, geweint!
Voll Kummer schuf er dich
für sich [und]4 mich.
 
   Und Heil sei ihm, Vertauter meiner Brust
Heil sei dem Mann, der dich erfand!
Hat ihn, der Schmerz und Lust
an deine Saiten band,
kein Stein [genandt?]5

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1 von Paradis: "denkt"
2 Kraus: "die mir"; von Paradis: "was nie"
3 von Paradis: "dies"
4 von Paradis: "und auch für"
5 Kraus, von Paradis: "genannt"

Research team for this text: Ferdinando Albeggiani , Sharon Krebs [Guest Editor]

2. Sophia an Siegwart [sung text checked 1 time]

Endlich winkt der Freund der Müden
    Mir Erlösung zu.
Freundlich zeigt er in der Nähe
    Mir des Grabes Ruh.
 
Hofnungsloser[sic] Liebe Thränen
    Wurden tödtlich mir.
Diese Thränen -- ach Geliebter,
    Weint' ich, weint' ich dir!
 
Ach dich liebte meine Seele,
    Und du liebtest nicht.
Weinend sah die Ungeliebte
    Mond- und Sonnenlicht.
 
Meiner Jugend Freuden alle
    Flohen plötzlich mich;
Veilchen welkten, Rosen schwanden,
    Wo ich traurig schlich.
 
Heilung sollte das [Gelübde]1
    Meinem Herzen seyn,
Aber auch die Gottgeweihte
    Fühlte ihre Pein.
 
Sterbend wünsch' ich noch den Theuren,
    Den ich lieben muß;
Auf den kalten Lippen schwebet
    Noch der Liebe Kuß.
 
Sanfter wird [Sophie]2 ruhen,
    Wenn du sie beweinst,
Jede mitleidvolle Zähre
    Dankt sie dir dereinst.

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Confirmed with Almanach der deutschen Musen auf das Jahr 1780, Leipzig: in der Weygandschen Buchhandlung, pages 241-242, poet indicated as "P***"; however some sources for Paradis indicates the poet as Hermes. This "P***" may refer to the song by Paradis, or it may indicate Paradis as the author.

1 von Paradis: "Gelübte"
2 von Paradis: "Sophia"

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Aus Siegwart[sung text checked 1 time]

   Wohl, und immer wohl dem Mann,
Der sein [Liebes]1 sehen kann,
Der, mit wonniglichen Küssen,
Darf in seinen Arm es schliessen!
Wohl, und immer wohl dem Mann,
Der sein [Liebes]1 sehen kann!
 
   Aber weh dem armen Mann,
Der nichts Liebes sehen kann!
Der, wie ich, in [Minnebanden],
Trauern muß in fremden Landen!
Weh, und immer weh dem Mann,
Der nichts Liebes sehen kann!

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Confirmed with Johann Martin Millers Gedichte, Ulm: bey Johann Konrad Wohler, 1783, page 138

1 von Paradis: "Liebchen"
2 von Paradis: "Minna[sic] Banden"

Research team for this text: Ferdinando Albeggiani , Sharon Krebs [Guest Editor]

4. Das Gärtnerliedchen aus dem Siegwart [sung text checked 1 time]

  Es war einmal ein Gärtner,
Der sang ein [traurigs]1 Lied.
Er that in seinem Garten
Der Blumen fleißig warten,
Und all sein Fleiß gerieth.
Und all sein Fleiß gerieth.
 
  Er sang in trübem Muthe
Viel liebe Tage lang.
Von Thränen, die ihm flossen,
Ward manche Pflanz begossen.
Also der Gärtner sang!
Also der Gärtner sang!
 
  "Das Leben ist mir traurig,
Und gibt mir keine Freud!
Hier schmacht' ich wie die Nelken,
Die in der Sonne welken,
In bangem Herzeleid,"
In bangem Herzeleid.
 
  "Ey du, mein Gärtnermädchen,
Soll ich dich nimmer sehn?
Du [must[sic]]2 in dunkeln Mauren
Den schönen May vertrauren?
[Must[sic]]2 ohne mich vergehn,
Ach, ohne mich vergehn?"
 
  "Es freut mich keine Blume,
Weil du die schönste bist.
Ach, dürft ich deiner warten,
Ich liesse meinen Garten,
Sogleich zu dieser Frist,
Sogleich zu dieser Frist!"
 
  "Seh' ich die Blumen sterben,
Wünsch ich den Tod auch mir.
Sie sterben ohne Regen,
So sterb' ich deinetwegen.
Ach wär' ich doch bey dir!
Ach wär' ich doch bey dir!"
 
  "Du liebes Gärtnermädchen:
Mein Leben welket ab.
Darf ich nicht bald dich küssen,
Und in den Arm dich schliessen,
So grab' ich mir ein Grab.
So grab' ich mir ein Grab."

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Confirmed with Johann Martin Miller, Siegwart. Eine Klostergeschichte, Faksimiledruck nach der Ausgabe von 1776, mit einem Nachwort von Alain Faure, Zweiter Band, Stuttgart: J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, 1971, pages 1004-1005

1 von Paradis: "traurig"
2 Türk, von Paradis: "musst"
3 von Paradis: "musst"

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5. Die Tanne [sung text checked 1 time]

Subtitle: An Doris

  Sieh, Doris, wie vom Mond bestrahlt
Die Tanne [glänzt . . . . wie]1 schön!
Vor jedem Baum hab' ich im Wald
Die Tanne mir ersehn.
 
  Wie ruhig steht sie da im Thal,
Gepflanzt von Gottes Hand!
Es bleicht kein Reif, kein Sonnenstrahl
Ihr [ewiggrün]2 Gewand.
 
  Auf ihren Ästen baut kein Wurm,
Kein falscher Weih sein Nest,
Und neigt sich gleich ihr Haupt im Sturm,
So steht ihr Fuss doch fest.
 
  So steht sie, bis aus schwüler Luft
Ein Blitz sie niederstreckt,
Und [dann noch]3 haucht sie süssen Duft
Bis kühles Moos sie deckt.
 
  Deckt, Doris, mich einst kühles Moos,
So reiss im Mondesschein
Aus unsrer Kinder Arm dich los
Und wall' in diesen Hain.
 
  An meine Tanne hingelegt,
Sing dann in heiterm Ton
Dein Lied, das mich so oft bewegt,
Das vom [Hylarion.]4
 
  Und dringen Seufzer in das Lied,
So blick' den Himmel an,
Von welchem der herunter sieht,
Der uns vereinen kann.
 
  Und wenn, wie von des Zephyrs Wehn,
Der Tanne Wipfel bebt;
So ist's mein Geist, der ungesehn
Ob deinem Scheitel schwebt.
 
  Und werf' ich zu des Baumes Fuss
Ein Zweiglein dir herab,
So weih' es ein mit einem Kuß,
Und steck' es auf mein Grab.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The fir tree", subtitle: "To Doris", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Le sapin", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Poetische Versuche von Gottlieb Conrad Pfeffel, I. Theil, Wien: bei F.A. Schræmbl, MDCCXCI , pages 67-68

1 von Paradis: "glänzt so"
2 von Paradis: "ewig grün"
3 von Paradis: "dennoch"
4 von Paradis: "Hilarion"

Research team for this text: Ferdinando Albeggiani , Sharon Krebs [Guest Editor]

6. Erinnerung ans Schicksal [sung text checked 1 time]

   Meiner lieben trauten Linde,
Die mir freundlich Schatten gab,
Rissen gestern rauhe Winde
Tausend ihrer Blätter ab,
Blass und zitternd fielen alle
Nah bey meinem Fenster hin,
Gleich als suchten sie im Falle
Schutz bey ihrer Nachbarin.
 
   Gute Blatter! euer Grünen
War Vergnügen für mein Herz;
Nun könnt ihr zum Bilde dienen
Meines Lebens Wohl und Schmerz,
Denn in meinen Sommertagen
Blühten Freuden um mich her,
Unglück kehrte sie zu Klagen,
Und sie welkten, sind nicht mehr.
 
   Von dem rauhen Nord getrieben
Sterbt ihr weit von eurem Stamm,
So wie ich von allen Lieben,
Die mir Neid und Bosheit nahm.
Aber Unschuld muß mich trösten,
Und Gedult ist eine Pflicht
Ausgeübet von den Besten,
Denn der Böse kennt sie nicht.
 
   Mit des Frühlings schönen Morgen
Blüht die Linde wieder neu,
Wird dann auch von ihren Sorgen
Meine Seele wieder frey?
Segne Gott! in Keim und Blühte,
Meiner Kinder Geist und Glück;
Denn in dieser Vatergüte
Bringst du auch mein Wohl zurück.

The text shown is a variant of another text.
It is based on

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Remembrance of fate", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Souvenir du destin", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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7. Der Auferstehungsmorgen [sung text checked 1 time]

   Wenn ich einst von jenem Schlummer,
Welcher Tod heißt, aufersteh,
Und von dieses Lebens Kummer
Frey, den schönern Morgen seh:
O dann wach' ich anders auf,
Schon am Ziel ist dann mein Lauf!
Träume sind des Pilgers Sorgen,
Großer Tag! an deinem Morgen.
 
   Hilf, daß keiner meiner Tage,
Geber der Unsterblichkeit,
Jenem Richtenden einst sage,
Er sey ganz von mir entweiht!
Auch noch heute wacht ich auf!
Dank dir, Herr, zu dir hinauf
Führ mich jeder meiner Tage,
Jede Freude, jede Plage.
 
   Daß ich gern sie vor mir sehe
Wenn ihr [lezter[sic]]1 nur erscheint.
Wenn zum [dunkeln]2 Thal' ich gehe,
Und mein Freund nun um mich weint:
Lindre dann [des Todes Pein]3,
Und laß mich den Stärksten seyn,
Mich, der ihn gen Himmel weise,
Und dich, Herr des Todes, preise!

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Confirmed with Klopstocks Lieder, Carlsruhe: Christian Gottlieb Schmieder, 1776, page 233

1 von Paradis: "letzter"
2 von Paradis: "dunklen"
3 von Paradis: "die Todespein"

Research team for this text: Ferdinando Albeggiani , Sharon Krebs [Guest Editor]

8. Morgenlied eines armen Mannes [sung text checked 1 time]

   Weckst du mich zum neuen Jammer,
Tag? den meine Sehnsucht rief,
als in meiner kleinen Kammer
Weib und Säugling ruhig schlief?
Trefft nur Mich, ihr neuen Sorgen!
[Schont noch meines]1 Weibes Herz,
Wek sie spät, qualvoller Morgen,
ach! ihr letzter Blick war Schmerz!
 
   Ruh nur sanft! die Qual des Lebens,
Säugling! trift dich nie zu spät!
Du [wirsts]2 fühlen, wie vergebens
meine Wehmut für dich fleht.
Bald fällt deine nackten Glieder
jedes Wetter grausam an!
bald quält dich der Hunger wieder,
den mein Weib nicht stillen kan!
 
   Schlummre, Freundin meiner Jugend,
fühl die Noth nicht, die mich schrekt;
sie ist da, weil Fleis und Tugend
[uns]3 nicht mehr, wie vormals, dekt! --
Ich kan Kind und Weib nicht retten!
"Gott der Gnaden, das kanst du.
"mach sie glücklich; und zieh Ketten,
"die Mich drücken, vester zu!
 
   "Ich will still auf rauhen Wegen
"des gewohnten Jammers gehn,
"und auch heut um Brod und Segen
"für mein Kind und Weib [dir]4 flehn."--
Sie erwachen! -- O dein Scherzen,
Säugling! wie durchdringt es mich! --
Diese allertiefsten Schmerzen
warlich, Herr, sie jammern dich.

Authorship

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Confirmed with Sophiens Reise von Memel nach Sachsen, Fünfter Band, Leipzig: bey Johann Friedrich Junius, 1778, pages 416-417

1 von Paradis: "Schonet doch des"
2 von Paradis: "wirst"
3 von Paradis: "mich"
4 von Paradis: "dich"

The text in the Paradis score had many punctuation and spelling differences. It is included below.

   Weckst du mich zum neuen Jammer,
Tag? den meine Sehnsucht rief,
Als in meiner kleinen Kammer
Weib und Säugling ruhig schlief?
Treft nur mich, ihr neuen Sorgen!
Schonet doch des Weibes Herz,
Weck sie spät, quaalvoller Morgen,
Ach! ihr letzter Blick war Schmerz.
 
   Ruh nur sanft; die Qual des Lebens,
Säugling! trift dich nie zu spät;
Du wirst fühlen, wie vergebens
Meine Wehmuth für dich fleht.
Bald fällt deine nackten Glieder
Jedes Wetter grausam an,
Bald quält dich der Hunger wieder,
Den mein Weib nicht stillen kann.
 
   Schlummre, Freundin meiner Jugend,
Fühl die Noth nicht, die mich schreckt,
Sie ist da, weil Fleiss und Tugend
Mich nicht mehr, wie vormals, deckt;
Ich kann Kind und Weib nicht retten,
Gott der Gnaden, das kannst du,
Mach sie glücklich; und zieh Ketten,
Die Mich drücken, fester zu.
 
   Ich will still auf rauhen Wegen
Des gewohnten Jammers gehn,
Und auch heut um Brod und Segen
Für mein Kind und Weib dich flehn.
Sie erwachen -- o dein Scherzen
Säugling, wie durchdringt es mich,
Diese allertiefsten Schmerzen
Warlich, Herr, sie jammern dich.

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

9. Vaterlandslied [sung text checked 1 time]

Ich bin ein deutscher Jüngling
     Mein Haar ist kraus, breit meine Brust;
Mein Vater war
Ein edler Mann, ich bin es auch.
 
Wenn mein Aug' Unrecht siehet,
     Sträubt sich mein krauses Haar empor,
Und meine Hand
Schwellt auf und zuckt und greift ans Schwerdt.
 
Ich bin ein deutscher Jüngling!
     Beym süßen Namen "Vaterland"
Schlägt mir das Herz,
Und mein Gesicht wird feuerroth. --
 
Ich weiß ein deutsches Mädchen;
Ihr Aug ist blau, und sanft ihr Blick,
     Und gut ihr Herz,
Und blau, o Hertha, blau ihr Aug!
 
Wer nicht stammt vom Thuiskon,
Der blicke nach dem Mädchen nicht!
     Er blicke nicht,
Wenn er nicht vom Thuiskon stammt!
 
Denn ihres blauen Auges
Soll sich ein edler Jüngling freun!
     Sie soll geliebt,
Soll eines edlen Jünglings seyn!
 
Ich bin ein deutscher Jüngling,
Und schaue kalt und kühn umher,
     Ob einer sey,
Der nach dem Mädchen blicken will.

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Confirmed with Matthias Claudius, Werke, Erster Band, Siebente wohlfeile Auflage, Hamburg & Gotha: bei Friedrich und Andreas Perthes, 1844, pages 111-112. Note: there is a typo in this edition, line 3-4, "feuerroht", which has been corrected to "feuerroth". Modern spelling would use "feuerrot"

Also see the poem by Klopstock to which this is a response.


Research team for this text: Ferdinando Albeggiani , Sharon Krebs [Guest Editor]

10. Da eben seinen Lauf vollbracht [sung text checked 2 times]

   Da eben seinen Lauf vollbracht,
Der schönste Frühlingstag,
Und nun die Ruhe stiller Nacht,
Schon auf den Fluren lag;
Da wandelte (den sanften Blick
Umwölkt von Traurigkeit)
Maria in ihr Tal zurück
Zur trauten Einsamkeit.
 
   Ein Seufzer, der ihr Lindrung gab,
Der sanften Brust entdrang,
In deß die bleiche Wang' herab,
Die stille Träne sank.
Denn ach! betrogne Liebe brach
Des armen Mädchens Herz;
Aus ihren trüben Augen sprach
Der hoffnungslose Schmerz.
 
   Sie seufzt, die Zähren ihr entfliehn,
Wie elend; ach! ach! bin ich,
Die Schneeblum und das Veilchen blühn
Jetzt ohne Reiz für mich;
Der Frühlingssonne holdes Licht,
Das jeden Blick erfreut,
Erfreut nur meine Augen nicht,
Vermindert nicht mein Leid.
 
   Der kleine Bach in dessen Glanz
Ich mich so gern erblickt,
Wenn ich mit einem Blumenkranz
Mein blondes Haar geschmückt,
Zeigt jetzt mir nur, wie dies Gesicht,
Von Lieb und Gram verblüht;
O! Lucia, Lucia siehst du nicht,
Wie bald der Reiz uns flieht?
 
   Doch du, der mich vergaß bey ihr,
Nun meinen Anblick fliehst:
O sag um welchen Reiz du mir
So ganz dein Herz entziehst?
O! liebte sie dich treuer
Wohl zärtlicher als ich?
Doch nein, mein letzter Seufzer
Soll nicht klagen wider dich,
 
   Vielmehr soll er zum Himmel fliehn',
Für dich, den ich geliebt,
Daß er, der Treu dich schwören sehn,
Den falschen Schwur vergiebt.
Und nun, da bald vollendet ist,
Des Lebens trüber Pfad,
Nun hör', eh' sich mein Augen schließt,
Was sterbend ich noch bat.
 
   Wenn dir dereinst der Tag erscheint,
(Ich werd' ihn nicht mehr sehn)
Der Lucien ganz mit dir vereint,
Dann denk, an dies mein Flehn.
Und wenn du mit dem Hochzeitzug
Den Kirchhof gehst herab;
So trete nicht dein froher Zug,
Auf mein begrüntes Grab.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "À l'instant a été accompli la course", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Sharon Krebs [Guest Editor]

11. Wenn ich der Kaiser wäre [sung text checked 1 time]

   Wenn ich der Kaiser wäre,
Nichts nützte mir die Ehre;
Für dich, du Zauberinn,
Stieg ich von meinem Throne
Und legte meine Krone
Zu deinen Füssen hin.
 
   Lebt ich in jenen Zeiten,
Wo ritterlich zu streiten
Des Mannes Ehre war;
Dich führt ich im Panniere,
Bey jeglichem Turniere
Stellt' ich zum Streit mich dar.
 
   Dürft' ich, wie Wolf [sic]1, den Weisen
Den grossen Satz beweisen,
Dies sey die beste Welt;
Dich wollt ich ihnen zeigen,
Und alle würden schweigen
Und räumen mir das Feld.
 
   Könnt' ich den Preiss [sic] im Singen,
Wie Orpheus, mir erringen,
Ich sänge nur von Dir.
Kein Goldstaub, kein Gepränge,
Kein Kaiserthum erränge
Ein andres Lied von mir.
 
   Nun bin ich nicht der Kaiser,
Kein Ritter und kein Weiser,
Auch Orpheus bin ich nicht!
Ich armer Junge habe
Jetzt leider keine Gabe,
Die deinem Werth entspricht.
 
   Doch alles was ich habe,
Das bring' ich dir zur Gabe;
Mein ganzes Ich ist dein;
Gern bin ich nicht der Kaiser,
Kein Ritter und kein Weiser,
Willst du mein Mädchen seyn.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "If I were the emperor", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Si j'étais l'empereur", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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1 This is a reference to Christian Wolff (1679-1754).

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

12. An meine entfernte Lieben [sung text checked 1 time]

   Ihr Lieben, die ich Schwermuthsvoll
An meinen Busen sehne,
Empfangt den kleinen Freundschaftzoll
Sammt einer Freundschaftsthräne,
Zwar ist das Opfer nur gering;
Ein Liedchen nur voll Klagen,
Doch wie ich fühlend euch besing
Mag euch die Freundschaft sagen,
 
   Habt Dank, ihr Edlen allzumal,
Geschwister meiner Seelen,
Habt Dank, der Güt und Freundschaft all!
Ich kann sie nicht all zählen,
Auch kann ich sie verlohnen nie
Nur schweigend sie verehren,
Der alles lohnt, der lohne sie!
Er wird mein Flehn erhören.
 
   Mein Schicksal zeigte mir ein Ziel
Nach dem ich sollte streiten,
Der Quaal und Sorgen hatt' es viel,
Viel Ungemach und Leiden,
Durch Dorn und Disteln musste ich
Auf meinem Pfade dringen,
Auch Fels und Klüfte schreckten mich
Womit ich musste ringen.
 
   Doch blickt auf meinen Pfad auch oft
Mit Heiterkeit die Sonne,
Und goss ins Finstre unverhoft [sic]
Mir Freude, Lust und Wonne.
Auch manche Rose blühte auf
Aus Dornen und durch Klüfte,
Und goss auf meinen trüben Lauf
Viel süsse Ambradüfte.
 
   Mein Ambra, Freunde, waret ihr,
Ihr wart die süsse Rosen,
Die tausend, tausend Freuden mir
Ins trübe Herz gegossen,
Als ich auf meinem Pilgersteig
Kaum Ruhe durfte hoffen,
Da fand ich, edle Herzen euch
Und eure Arme offen.
 
   Ich hatt' mich nicht verdient gemacht
Um euch und eure Güte,
Und reiste wie durch öde Nacht
Mit traurigem Gemüthe.
Ich wusste nichts von euch und war
Wie von der Welt verlassen:
Da reichtet ihr den Arm mir dar
Im Lieb mich zu umfassen.
 
   An euren Busen schlug mein Herz,
In heitrer Ruh und frölich[sic]
Vergass es Sorge, Leid und Schmerz,
War Kummerfrey, war selig,
Doch ruhte nicht mein Wechselloos
Das mir die Freud misgönnte,
Bis mich es aus der Liebe Schooss
Und ihren Armen trennte.
 
   Nun seufz' ich manche trauerstund
Um euch, ihr edle Lieben!
Wein' oft mein trübes Auge wund
Aus warmen Freundschaftstrieben,
Ach Freunde liebt mich fernerhin,
Vergesset nie Theresen!
Mich, die ich ewig ewig bin
Was ich euch sonst gewesen.
 
   Lebt wohl! lebt ewig alle wohl!
Einst sehen wir uns wieder,
Dann soll -- o Wonne! Ach dann soll
Ein Strom voll Jubellieder
Euch Freunden danken jeder Treu
Die ihr an mir bewiesen,
Mein Herz wird dann euch wechselfrey
In steter Freud geniessen.

Authorship

Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English (Sharon Krebs) , "To my distant loved ones", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "À mes chers qui sont au loin", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]