Wiegenlieder für gute deutsche Mütter

by Johann Friedrich Reichardt (1752 - 1814)

Word count: 3018

1. So schlafe nun, du Kleine! [sung text not yet checked]

So schlafe nun, du Kleine!
  Was weinest du?
Sanft ist im Mondenscheine
  Und süß die Ruh.

Auch kommt der Schlaf geschwinder
  Und sonder Müh;
Der Mond freut sich der Kinder
  Und liebet sie.

Er liebt zwar auch die Knaben,
  Doch Mädchen mehr,
Gießt freundlich schöne Gaben
  Von oben her,

Auf sie aus, wenn sie saugen,
  Recht wunderbar;
Schenkt ihnen blaue Augen
  Und blondes Haar.

Alt ist er wie ein Rabe,
  Sieht manches Land;
Mein Vater hat als Knabe
  Ihn schon gekannt.

Und bald nach ihren Wochen
  Hat Mutter mal
Mit ihm von mir gesprochen:
  Sie saß im Tal.

In einer Abendstunde,
  Den Busen bloß
Ich lag mit offnem Munde
  In ihrem Schoß.

Sie sah mich an, für Freude
  Ein Tränchen lief,
Der Mond beschien uns beide,
  Ich lag und schlief;

Da sprach sie: "Mond, o! scheine,
  Ich hab' sie lieb,
Schein' Glück für meine Kleine!"
  Ihr Auge blieb

Noch lang am Monde kleben
  Und flehte mehr.
Der Mond fing an zu beben,
  Als hörte er.

Und denkt nur immer wieder
  An diesen Blick,
Und scheint von hoch hernieder
 Mir lauter Glück.

Er schien mir unterm Kranze
  Ins Brautgesicht.
Und bei dem Ehrentanze;
  Du warst noch nicht.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "So sleep now, little one [girl]", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

2. Schlummre, Bübchen, schlummr' im Schoß [sung text checked 1 time]

Schlummre, Bübchen, schlummr' im Schooß
Deiner Mutter sorgenlos.
Keine Mücke nahet sich;
Meine Liebe wacht für dich. 

Für uns beide wacht der Herr;
Kind und Mutter schützet Er.
Seine Kinder klein und groß
Lieben all' in seinem Schooß. 

Hier in stiller Nächte Ruh
Sieht er deinem Schlummer zu,
[Und erhöret mein]1 Gebet, 
Das für dich um Segen fleht. 

[Wachse, Bübchen, werde gut; 
Daß dich stärke froher Muth.
Lächle bald, und liebe mich;
Denn so liebt dein Vater dich.]2

Authorship

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Confirmed with Musen Almanach, ed. by Johann Heinrich Voss, Hamburg: Carl Ernst Bohn, 1789, page 197, poem published under the pseudonym "Psyche".

1 Reichardt: "Hört mein inniges"
2 Reichardt:
Wachse, Bübchen, liebe mich;
Denn so herzlich lieb' ich dich.
Liebe, Bübchen, liebe mich;
Denn so liebt dein Vater dich. 

Übe Blumen schwebt dein Fuss;
Dich umtönt der Liebe Gruss;
Wie dein blaues Auge hell,
Blinket dir der Freude Quell. 

Wachse, Bübchen, werde gut;
In dir wallt ein edles Blut,
Bist von biederem Geschlecht.
Fürchte Gott, und thue Recht.

Researcher for this text: Melanie Trumbull

3. Lieblicher Knab', ich wiege [sung text checked 1 time]

Lieblicher Knab', ich wiege
Singend dich ein in Schlummer,
Knabe, lächle noch einmal!

Eh du die Äuglein schließest,
Eh du die Händchen streckest,
Knabe, lächle noch einmal!

Trug ich dich nicht neun Monde
Unter gedrücktem Herzen?
Knabe, lächle noch einmal!

Und da der Storch dich brachte,
Biß er nicht deine Mutter?
Knabe, lächle noch einmal!

Säug' ich dich nicht an meinem
Klopfenden Mutterherzen?
Knabe, lächle noch einmal!

Wenn du der Mutter lächelst,
Wird dich der Vater lieben,
Knabe, lächle noch einmal!

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

4. Schließ die Äuglein, holder Kleiner! [sung text checked 1 time]

Schließ die Äuglein, holder Kleiner!
Schlafe sicher mir im Arm!
O dein Bettlein macht dir keiner
Je so weich, so Liebewarm:
Mutterliebe wiegt dich ein;
Mutterküsse warten dein.
 
Unter tausend, tausend Küssen
Aufgewacht, ans Herz gedrückt.
Möchtest du nur Einmal wissen,
Wie dein Lächeln mich entzückt!
Engel-Unschuld lacht mich an:
Offen ist der Himmel dann!
 
Wohl dem Herzen voller Treue,
Daß sich alles darf gestehn!
Kleiner Engel! ohne Reue
Kann ich dir ins Auge sehn.
Immer, immer lächle so!
Nur die Unschuld macht uns froh!

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Slumber song", copyright © 2006, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with J.G. Jacobi's sämmtliche Werke, Volume 4, third edition, Zürich: Orell, Füßli und Compagnie, 1819, pages 243-244.

Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

5. Schlafe, süsser Knabe [sung text checked 1 time]

Schlafe, süßer Knabe,
Mir am Busen ein.
Wohl mir, daß ich habe
Dich, mein Bübelein!
Unter diesem Herzen,
Bübchen, trug ich dich;
Hier an diesem Herzen,
Bübchen, säugt' ich dich.

Kühle Weste dringen
In den Busch hinein,
Kleine Vögel singen
Ihre Jungen ein.
Bübchen, es erschallet
Mein Gesang für dich;
Bübchen, es umwallet
Meine Locke dich.

In dem warmen Neste
Liegt das Vöglein weich,
In dem Schirm der Äste,
Unterm Blütenzweig.
Sanfter Schlummer labe
Dich in meinem Arm;
Ruhe, süßer Knabe,
Ruhe weich und warm.

Authorship

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Poem headed by: "Nach der Rousseauschen Melodie: Que le jour me dure..

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

6. Schlumm're, Liebchen! bist noch klein [sung text checked 1 time]

Schlumm're, Liebchen!  bist noch klein,
Weißt vom schönen Sonnenschein,
[Weißt]1 vom Strahl des Mondenlichts,
Und von Wald und [Blumen]2 nichts; 
[Liebchen, schlumm're]3 werde groß!
Sollst es sehn auf meinem Schooß. 

Sollst den Glanz des Himmels sehn,
Und aus ihm die Sonne gehn
Über Wiesen frisch und grün,
Wo die blauen Veilchen blühn.
Veilchen werden dann gepflückt,
Du an's Mutterherz gedrückt. 

Mir am Herzen, liebes Kind,
Spielst du froh im Morgenwind.
Über dir ist Jubelklang,
Um dich her ist Lobgesang;
Leise rauchen Baum und Fluß,
Und du fühlst den Mutterkuß. 

Liebchen, schlumm're;  wachs' heran!
Siehst in meinen Armen dann
Auch der Abendsonne Gluth;
Siehst, wenn Feld und Aue ruht,
Gold und Purpur überall,
Beim Gesang der Nachtigall.

Unter'm Nachtigallenlied
Kommt der helle Mond, und sieht
Mild herab auf dich und mich;
Alle [Blumen]4 neigen sich;
Und die Händchen falt' ich dir:
Kleiner Engel, Gott ist hier! 

Gott ist hoch im Sternenglanz,
Und im niedern Veilchenkranz;
Ist, wo jener Vogel schlägt,
Und wo dieser Arm dich trägt.
Sag' in jedem Winkel dir:
Liebes Mädchen, Gott ist hier!

Authorship

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Confirmed with Anthologie aus den Werken von J. G. Jacobi und F. H. Jacobi, Hildburghausen und Amsterdam: Bibliographischen Instituts, 1844. pages 25 - 26.

1 Beneken: "Und"
2 Beneken, Reichardt: "Bäumen"
3 Beneken: "Schlumm're, Liebchen"
4 Beneken: "Bäume"

Researcher for this text: Melanie Trumbull

7. Schlaf, Kindlein, schlafe sanft und süß [sung text checked 1 time]

Schlaf, Kindlein, schlafe sanft und süß
In diesem Maienparadies!
Sieh über dir der Wipfel Schnee,
Rund um dich her des Angers Klee!
  Im Maien 
  Gedeihen, 
Die Kindelein weiß und rot.
 
O schlummre still im Mutterschoß
[Sei mild, wie Thau]1 am Frühlingssproß!
Hoch über dir der Vöglein Schar
[Sieh' neben]2 dir das Bächlein klar!
  Im Maien 
  Gedeihen
Die Kindelein weiß und rot.

Nun schläfst du, kleiner Schäfer, nicht.
Dir schwirren Käfer ums Gesicht  -- 
Und in des Abends Purpurglanz
Siehst du der Mücken Rundetanz!
  O Kindchen,
  Dein Mündchen,
Es lacht, wie das Rös'lein roth!  

O schlaf an meinem Herzen ein!
Dann werden Englein um dich sein,
Sie tragen dir in sanfter Ruh
[Wie Biene]3 Himmelsträume zu;
  Die Schwingen 
  Erklingen,
Und kühlen die Wänglein dir.

Nun schlummerst du so sanft und süß,
Und um dich her ist Paradies! 
Ich trage leise dich hinein
Ins still beschirmte Kämmerlein.
  Im Maien
  Gedeihen
Die Kindelein weiß und roth!

Authorship

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  • FIN Finnish (Suomi) (Erkki Pullinen) , "Kehtolaulu (lauletaan keväällä)", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Musen-Almanach fürs Jahr 1795, ed. by Johann Heinrich Voß, Hamburg: bei Carl Ernst Bohn, 1795, pages 138 - 140.

1 Schulz: "Recht wie ein Tau"
2 Schulz: "Und neben"
3 Schulz: "Die fernen"

Research team for this text: Erkki Pullinen , Melanie Trumbull

8. Lieber kleiner Engel schlaf [sung text checked 1 time]

Lieber kleiner Engel schlaf, 
Sanfter als Baron und Graf, 
Werd ein frommer edler Mann, 
Der stets ruhig schlafen kann, 
Im Leben!  

Werde groß, und werde gut, 
Gott verleih dir wackern Muth: 
Durch das Herz nur groß zu sein, 
Nicht durch eitlen Flitterschein, 
Wie Viele!  

Habe jedes [Gute]1 lieb, 
Und zu jedem Guten trieb, 
Und zu jedem Trieben Kraft, 
[Dann sei]2 groß und tugendhaft
[Vorm Himmel]3.   

Bilde dir auf äussern Schein 
Niemals was auf Erden ein; 
[Leerer]4 Glanz ist Puppenspiel, 
Scheine nichts, und sei hübsch viel!  
Ist besser.  

Fürchte Gott, und thue recht, 
Alles was du thust, sei echt; 
Denke, daß der brave Mann 
Sich durchs Herz belohnen kann 
Gar fürstlich!  

[ ... ]
Gott laß alles dir gedeihn, Brod und Wasser, Fleisch und Wein, Gebe dir zu jeder Frist Was dir gut und selig ist! Nun Amen!

Authorship

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Confirmed with Gottlob Wilhelm Burmann, Auswahl einiger vermischter Gedichte, Berlin und Leipzig: Georg Jacob Decker, 1783, pages 3 - 5.

1 Reichardt: "Schöne"
2 Reichardt: "Das macht"
3 Reichardt: "Auch selig"
4 Reichardt: "Äussrer"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

9. Die Mutter bei der Wiege [sung text not yet checked]

Schlaf, [süßer]1 Knabe, süß und mild!
  Du deines Vaters Ebenbild!
Das bist du; zwar dein Vater spricht,
  Du habest seine Nase nicht.

Nur eben [itzo]2 war er hier,
  Und sah dir in's Gesicht,
Und sprach: "Viel hat er zwar von mir,
  Doch meine Nase hat er nicht."

Mich dünkt es selbst, sie ist zu klein,
  Doch muß es seine Nase sein;
Denn wenn's nicht seine Nase wär',
  Wo hätt'st du denn die Nase her?

Schlaf, Knabe, was dein Vater spricht,
  Spricht er wohl [im]3 Scherz;
Hab' immer seine Nase nicht
  Und habe nur sein Herz!

Authorship

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  • ENG English [singable] (Anonymous/Unidentified Artist)
  • ENG English (Sharon Krebs) , "The mother at the cradle", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission

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1 Loewe: "holder"
2 often modernized to "jetzo"
3 Blech, Kraus: "nur im"

Researcher for this text: Peter Donderwinkel

10. Wiegenlied einer unglücklichen Mutter [sung text not yet checked]

Schlaf süß und hold, mein trautes Kind!
  So schlafen, macht gesund und schön.
  Noch lange nicht magst du verstehn.
Wie groß der Mutter Leiden sind!
    Nicht halb so schwer
    Drückt's auf mich her,
Seh' ich so süß dich schlafen, Kind!

Verdammt zur Pein, die all mein Glück
  Dahin gemordet hat, wünscht' ich:
  Des Todes Hand erlöste mich
Von meinem traurigen Geschick:
    Zog' immer nicht
    Dein hold Gesicht
Mich in das Irdische zurück!

Fließt, Thränen, fließt! Durch euch genährt,
  Wächst einsam hier mein ewig Leid!
  Doch fließt nicht mehr, wenn einst die Zeit
Dies liebe Kind Mitleiden lehrt.
    Sein zartes Herz
    Soll diesen Schmerz
Nicht theilen, der mir ganz gehört! 

Ausleeren tropfenrein soll ich 
  Vielleicht den Kelch voll Herzeleid; 
  Die Schale süßer Fröhlichkeit, 
O liebes Kind, bleibt dann für dich! 
    Gönnt dein Geschick
    Dir dieses Glück, 
So seg'n ich zwiefach, Elend, dich!

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

11. Für Sophie ihrer Puppe vorzusingen [sung text checked 1 time]

Schlaf, Kindchen, schlaf!    
[Da draußen ist]1 ein Schaf;
Das ist dir gar ein frommes Blut,
Das keinem was zu Leide thut;
Schlaf, Kindchen, schlaf! 

Schlaf, Kindchen, schlaf!
Wie freundlich ist das Schaf! 
Es knurrt, es lärmt, es zanket nicht,
Zeigt immerdar ein froh Gesicht;
Schlaf, Kindchen, schlaf! 

Schlaf, Kindchen, schlaf! 
Wie still ist unser Schaf! 
Nie weinen seine Äugelein; 
Nie hört man es gewaltig schrein! 
Schlaf, Kindchen, schlaf! 

Schlaf, Kindchen, schlaf! 
Wer liebt nicht unser Schaf! 
Es speis't vergnügt das grüne Gras;
Zu Leide thut ihm keiner was; 
Schlaf, Kindchen, schlaf! 

Schlaf, Kindchen, schlaf! 
Sei sanft, wie unser Schaf;
Sei immerdar ein frohes Blut, 
So sind dir alle Menschen gut;
Schlaf, Kindchen, schlaf!

Authorship

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Confirmed with Kleine Kinderbibliothek, erstes Bändchen, elfte rechtmäßige Ausgabe, ed. by Joachim Heinrich Campe, Braunschweig: in der Schulbibliothek, 1815, pages 14 - 15.

1 Manteuffel: "Draussen steht"; further changes may exist not shown above.

Researcher for this text: Melanie Trumbull

12. Das Kind in der Wiege [sung text checked 1 time]

Glücklicher [Säugling]1!
Dir ist ein unendlicher Raum noch die Wiege. 
Werde Mann, und dir wird eng die unendliche Welt.

Authorship

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Confirmed with F. v. Schillers sämmtliche Werke, sechster Band, no editor is named, Carlsruhe: im Büreau der deutschen Klassiker, 1823. Appears in Gedichte von Friedrich v. Schiller, zweiter Theil, vollständige mit Nachtragen vermehrte Ausgabe, in Sprüche, page 92.

1 Reichardt: "Jüngling"

Researcher for this text: Melanie Trumbull

13. Lieblicher Abendstern [sung text checked 1 time]

Lieblicher Abendstern,
Alles bringst du, bringest Wein,
Bringst Freud' und Freunde,
Bringst der Mutter ein Bübchen,
Und was bringst du mir?

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Confirmed with J. G. von Herder's Ausgewählte Werke in einem Bande, Stuttgart und Tübingen, J.G. Cotta'scher Verlag, 1844, page 331.


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14. Wiegenlied einer unglücklichen Mutter [sung text checked 1 time]

Schlaf sanft, mein Kind, schlaf sanft und schön! 
Mich dauert's sehr, dich weinen sehn.
 
Und schläfst du sanft, bin ich so froh,
Und wimmerst du  --  das schmerzt mich so!
Schlaf sanft, du kleines Mutterherz,
Dein Vater macht mir bittern Schmerz.
Schlaf sanft, mein Kind, etc.

Dein Vater, als er zu mir trat,
Und süß, so süß um Liebe bat, 
Da kannt' ich noch sein Truggesicht,
Noch seine süße Falschheit nicht.
Nun, leider!  seh' ich's,  seh' ich's ein,
Wie nichts wir ihm nun beide sein.
Schlaf sanft, mein Kind, etc. 

Ruh' sanft, mein Süsser, schlafet noch! 
Und wenn du aufwachst, lächle noch, 
Doch nicht, wie einst dein Vater that,
Der lächelnd mich so trogen hat.
Behüt' dich Gott!  --  doch machts mir Schmerz, 
Daß du auch trägst sein G'sicht und Herz.
Schlaf sanft, mein Kind, etc.  

Was kann ich thun?  Eins kann ich noch.
Ihn lieben will ich immer doch!
Wo er geh und steh nah und fern,
Mein Herz soll folgen ihm so gern.
In Wohl und Weh', wie's um ihn sei,
Mein Herz noch imm'r ihm wohne bei.  
Schlaf sanft, mein Kind, etc. 

Nein, schöner Kleiner, thu es nie:
Dein Herz zur Falschheit neige nie;
Sei treuer Liebe immer treu,
Verlaß sie nicht, zu wählen neu; 
Dir gut und hold, verlaß sie nie  -- 
Angstseufzer, schrecklich drücken sie! 
Schlaf sanft, mein Kind, etc. 

Kind, seit dein Vater von mir wich,
Lieb' ich statt deines Vater dich!
Mein Kind und ich, wir wollen leben;
In Trübsal wird es Trost mir geben  --
Mein Kind und ich, voll Seligkeit,
Vergessen Männergrausamkeit  -- 
Schlaf sanft, mein Kind, etc.

Leb' wohl denn, falscher Jüngling, wohl!  
Der je kein Mädchen täuschen soll! 
Ach jede, wünsch' ich, seh' auf mich,
Trau keinem Mann und hüte sich! 
Wenn erst sie haben unser Herz,
Forthin machts ihnen keinen Schmerz  -- 
Schlaf sanft, mein Kind, etc.

Authorship

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Confirmed with Stimmen der Völker in Lieder. Gesammelt, geordnet, zum Theil übersetzt durch Johann Gottfried von Herder, Stuttgart und Tübingen: J. G. Cotta'scher Verlag, 1846. Appears in Das dritte Buch. Nordwestliche Lieder, pages 230 - 232; also confirmed with Volkslieder, erster Theil, Leipzig: in der Weygandschen Buchhandlung, 1778, pages 69 - 72 (Herder's name is left out).


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15. Chanson d'une malheureuse mère. Imité de l'ecossois par Mr. Berquin [sung text checked 1 time]

Chorus
Dors, mon enfant, clos ta paupière, 
Tes cris me déchirent le cœur : 
Dors, mon enfant, ta pauvre mère
A bien assez de sa douleur.

Lorsque par de douces tendresses, 
Ton père fut gagner ma foi,
Il me sembloit dans ses caresses
Naïf, innocent comme toi ;
Je le crus:  où sont ses promesses ?
Il oublie son fils et moi. 

(Chorus)

Qu'à ton réveil un doux sourire  
Me soulage dans mon tourment ! 
De ton père, pour me séduire
Tel fut l'aimable enchantement ;
Qu'il connoissoit bien son empire,
Et qu'il en use méchamment ! 

(Chorus)

Le cruel, hélas !   il me quitte,
Il me laisses sans nul appui.
Je l'aimois tant avant sa fuite ! 
Oh !   je l'aime encoure aujourd'hui. 
Oui, dans quelques lieux qu'il habite,
Mon amour habite avec lui. 

(Chorus)  

Oui, le voilà, c'est son image
Que tu retraces à mes yeux ; 
Ton bouche aura son doux langage,
Ton front son air vif et joyeux.
Ne prends point son humeur volage, 
Mais garde ses traits gracieux. 

(Chorus) 

Tu ne peux concevoir encore
Ce que m'arrache mes sanglots. 
Que le chagrin qui me dévore
N'attaque jamais ton repos ! 
Se plaindre de ceux qu'on adore,
C'est le plus grand de tous les maux. 

(Chorus) 

Sur la terre il n'est plus personne
Qui se plaise à nous secourir ;
Lorsque ton père m'abandonne,
À qui pourrois-je recourir ? 
Ah !  tous les chagrins qu'il me donne,
Toi seul tu les peux adoucir. 

(Chorus) 

Mélons nos tristes destinées,
Et vivons ensemble toujours ;
Deux victimes infortuneées 
Se doivent de tendres secours. 
J'ai soin de tes jeunes années,
Tu prendras soin de mes vieux jours.

(Chorus)

Authorship

Confirmed with Idylles et romances par M. Berquin, a Yverdun [Verdun?]: chez la Société Typographique, 1777. Appears in Romances, second recueil, pages 53 - 56. The author's note indicates this text was "inspiré par une ancienne Ballade Ecossoise" (inspired by an old Scottish ballad). The ballad is most likely Lady Ann Bothwell's Lament.


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16. Lady Ann Bothwell's Lament [sung text checked 2 times]

Balow, my babe, ly stil and sleipe!
It grieves me sair to see thee weipe;
If thoust be silent, Ise be glad,
Thy maining maks my heart ful sad.
Balow, my boy, thy mither's joy!
Thy father breides me great annoy.
Balow, my 'babe, ly stil and sleipe!
It grieves me sair to see thee weipe.

When he began to court my luve,
And with his sugred words to muve,
His faynings fals and flattering cheire
To me that time did not appeire:
But now I see, most cruell hee,
Cares neither for my babe nor mee.
Balow, etc.

Ly stil, my darlinge, sleipe awhile,
And when thou wakest sweitly smile:
But smile not, as thy father did,
To cozen maids; nay, God forbid!
But yette I feire, thou wilt gae neire,
Thy fatheris hart and face to beire.
Balow, etc.

I cannae chuse, but ever will
Be luving to thy father stil:
Whaireir he gae, whaireir he ryde,
My luve with him maun stil abyde:
In weil or wae, whaireir he gae,
Mine hart can neir depart him frae.
Balow, etc.

But doe not, doe not, prettie mine,
To faynings fals thine hart incline;
Be loyal to thy luver trew,
And nevir change hir for a new;
If gude or faire, of hir have care,
For womens banning's wonderous sair.
Balow, etc.

Bairne, sin thy cruel father is gane,
Thy winsome smiles maun eise my paine;
My babe and I 'll together live,
He'll comfort me when cares doe grieve;
My babe and I right saft will ly,
And quite forgeit man's cruelty.
Balow, etc.

Fareweil, fareweil, thou falsest youth
That ever kist a woman's mouth!
I wish all maids be warned by mee,
Nevir to trust man's curtesy;
For if we doe but chance to bow,
They'll use us then they care not how.
Balow, my 'babe, ly stil and sleipe!
It grieves me sair to see thee weipe.

Authorship

Based on

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Confirmed with Bishop Thomas Percy, Reliques of Ancient English Poetry, sixth Edition, vol. III, London: Samuel Richards & Co., 1823. Appears in Series II, Book the Second, pages 22 - 24.

This poem inspired Arnaud Berquin's French poem Plaintes d'une femme abandonnée par son amant, auprès du berceau de son fils.


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17. Ännchen von Tharau [sung text not yet checked]

Ännchen von Tharau ist, die mir gefällt,
Sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.
Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
Auf mich gerichtet in Lieb' und in Schmerz.
Ännchen von Tharau, mein Reichthum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!

Käm' alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,
Wir sind gesinnet bei einander zu stahn.
Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
Soll unsrer Liebe Verknotigung seyn.
Ännchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn,
Mein Leben schließ' ich um deines herum.

Recht als ein Palmenbaum über sich steigt,
Je mehr ihn Hagel und Regen anficht;
So wird die Lieb' in uns mächtig und groß
Durch Kreuz, durch Leiden, durch allerlei Noth.
Ännchen von Tharau, mein Reichthum, mein Gut,
Du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!

Würdest du gleich einmal von mir getrennt,
Lebtest, da wo man die Sonne kaum kennt;
Ich will dir folgen durch Wälder, durch Meer,
Durch Eis, durch Eisen, durch feindliches Heer.
Was ich gebiete, wird von dir gethan,
Was ich verbiete, das läßt du mir stahn.

Was hat die Liebe doch für ein Bestand,
Wo nicht Ein Herz ist, Ein Mund, Eine Hand?
Wo man sich peiniget, zanket und schlägt,
Und gleich den Hunden und katzen beträgt?
Ännchen von Tharau, das woll'n wir nicht thun;
Du bist mein Täubchen, mein Schäfchen, mein Huhn.

Was ich begehre, ist lieb dir und gut;
Ich laß den Rock dir, du läßt mir den Hut!
Dies ist uns Ännchen die süsseste Ruh,
Ein Leib und Seele wird aus Ich und Du.
Dies macht das Leben zum himmlischen Reich,
Durch Zanken wird es der Hölle gleich.

Authorship

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Confirmed with Herders sämmtliche Werke, fünfundzwanzigster Band, herausgegeben [edited] von Bernhard Suphan, Berlin: Weidmannsche Buchhandlung, 1885. Appears in Herders Poetische Werke, erster Band, herausgegeben [edited] von Carl Redlich; in Alte Volkslieder, zweiter Theil, Englisch-Nordisch und Deutsch, no publisher named, Altenburg: 1774 (reproduced in the 1885 critical edition), in Drittes Buch: Englisch und Deutsch, no. 12, pages 79 - 80.


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18. Landlied [sung text not yet checked]

Schäferin:
 Meine Schäfchen, morgens früh,
 Früh bis an den Abend,
 Unter Blumen weid ich sie,
 Sorg und Leid begrabend.
 Dort und hie
 Bläcken sie:
 Überall, froher Schall,
 Unschuld überall!
 O wie selig, frei und froh
 Lebt man auf dem Lande so.
 
Schäfer:
 Auf dem Felde morgens früh,
 Früh bis an den Abend,
 Weid' ich meines Vaters Vieh,
 Sorg' und Leid begrabend:
 Dort und hie
 Blöcken sie,
 Überall, froher Schall,
 Ruhe überall!
 O wie ruhig, frei und froh
 Lebt man auf dem Lande so.
 
Beide:
 Morgens, eh der Tag anbricht,
 Wenn der Thau noch flimmert,
 Fehl' ich ja mein Liebchen nicht,
 Das wie Morgen schimmert.
 Küssest mich,
 Küsse dich,
 Überall stilles Thal,
 Liebe überall.
 O wie selig, frei und froh
 Lebt man auf dem Lande so.

Authorship

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

19. Das Röschen [sung text checked 1 time]

Noch nicht entblüht zur Rose,
Lag der Natur im Schoose
Ein Röschen zart und fein;
Gewiegt von Maienlüften, 
Schlief es in sanften Düften
Der Mutter ein. 

Die Schmetterlinge schwebten,  
Die Staudenblätter bebten,
Es zitterte das Licht,
Es murmelte die Quelle,
Es rieselte die Welle   --
Sie weckten's nicht. 

Da rauschet es im Haine  
Bei hellem Vollmondscheine
Durch dunkler Wipfel Dicht; 
Die Nachtigallen sangen,
Und Harfentöne klangen   -- 
Sie weckten's nicht. 

Da nahten, wie zum Tanze,
Die Grazien im Glanze  
Des vollen Mondes sich;
Und jede sprach im Kreise    
Zur Rosenknospe leise:   
Ich segne Dich. 

"Im sanften Mutterschoose
Entblüh', und werde Rose!" 
Klang aller Harmonie   -- 
Und Anmut jeder Tugend,
Und Blütenreiz der Jugend  
Umhüllte sie. 

"Entblüh', und werde Rose!" 
So hallt' im Mutterschoose   
Die Himmelsstimme nach. 
Das Röschen bebt im Schalle   --
Da bückten sie sich alle, 
Und küssten's wach. 

Vom Kuss erglühend wachte
Das Röschen auf, und lachte,
Erröthend, sanft und mild, 
Die schönste Blum' im Haine   -- 
So ganz wie sie, war keine
Der Unschuld Bild. 

[ ... ]

Authorship

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Confirmed with Musenalmanach, ed. by Johann Heinrich Voss, Hamburg: bei Carl Ernst Bohn, 1798, pages 31 - 34; and with Gedichte von Jens Baggesen, erster Theil, Hamburg: bey Friedrich Perthes, 1803. Appears in Oden und Elegieen, pages 32 - 35.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

20. Hoffnung [sung text not yet checked]

Es reden und träumen die Menschen viel
Von bessern künftigen Tagen,
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Die Welt wird alt und [wird]1 wieder jung,
Doch der Mensch hofft immer Verbesserung!

Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
Sie umflattert den fröhlichen Knaben,
Den Jüngling [begeistert]2 ihr Zauberschein,
Sie wird mit dem Greis nicht begraben,
Denn beschließt er im Grabe den müden Lauf,
Noch am Grabe pflanzt er - die Hoffnung auf.

Es ist kein [leerer]3 schmeichelnder Wahn,
Erzeugt im Gehirne des Thoren.
Im Herzen kündet es laut sich an,
Zu was besserm sind wir gebohren,
Und was die innere Stimme spricht,
Das täuscht die hoffende Seele nicht.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Hoop", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Hope", copyright ©
  • FIN Finnish (Suomi) (Erkki Pullinen) , "Toivo", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Espoir", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Amelia Maria Imbarrato) , "Speranza", copyright © 2005, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Friederich Schiller, Erster Theil, Leipzig, 1800, bey Siegfried Lebrecht Crusius, page 205; and with Die Horen, Jahrgang 1797, Zehntes Stück. Tübingen in der J.G. Cottaischen Buchhandlung 1797, page 107.

1 omitted by Schubert in D. 251
2 Schubert (D. 251, Alte Gesamtausgabe): "lockt"
3 Schubert (D. 637): "leerer, kein"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]