Oden und Lieder aus den besten deutschen Dichtern, Zweite Sammlung

Song Cycle by Friedrich Wilhelm Rust (1739 - 1796)

Word count: 5147

1. Aufmunterung zur Freude [sung text not yet checked]

Wer wollte sich mit Grillen plagen,
Solang uns Lenz und Jugend blühn?
Wer wollt in seinen Blütentagen
Die Stirn in düstre Falten ziehn?

Die Freude winkt auf allen Wegen,
Die durch dies Pilgerleben gehn;
Sie bringt uns selbst den Kranz entgegen,
Wenn wir am Scheidewege stehn.

Noch rinnt und rauscht die Wiesenquelle,
Noch ist die Laube kühl und grün;
Noch scheint der liebe Mond so helle,
Wie er durch Adams Bäume schien.

Noch macht der Saft der Purpurtraube
Des Menschen krankes Herz gesund;
Noch schmecket in der Abendlaube
Der Kuß auf [einen roten Mund]1.

Noch tönt der Busch voll Nachtigallen
Dem Jüngling [süße Fühlung]2 zu;
Noch strömt, wenn ihre Lieder schallen,
Selbst in zerrißne Seelen Ruh.

O wunderschön ist Gottes Erde
Und wert, darauf vergnügt zu sein,
Drum will ich, bis ich Asche werde,
Mich dieser schönen Erde freun!

Authorship

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First published in Musenalmanach (Hamburger), 1777

1 Gerson: "schönem Rosenmund"; Nägeli: "schönem rothem Mund"
2 Nägeli: "hohe Wonne zu"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull

2. Die Tanne [sung text not yet checked]

  Sieh, Doris, wie vom Mond bestrahlt
Die Tanne [glänzt . . . . wie]1 schön!
Vor jedem Baum hab' ich im Wald
Die Tanne mir ersehn.
 
  Wie ruhig steht sie da im Thal,
Gepflanzt von Gottes Hand!
Es bleicht kein Reif, kein Sonnenstrahl
Ihr [ewiggrün]2 Gewand.
 
  Auf ihren Ästen baut kein Wurm,
Kein falscher Weih sein Nest,
Und neigt sich gleich ihr Haupt im Sturm,
So steht ihr Fuss doch fest.
 
  So steht sie, bis aus schwüler Luft
Ein Blitz sie niederstreckt,
Und [dann noch]3 haucht sie süssen Duft
Bis kühles Moos sie deckt.
 
  Deckt, Doris, mich einst kühles Moos,
So reiss im Mondesschein
Aus unsrer Kinder Arm dich los
Und wall' in diesen Hain.
 
  An meine Tanne hingelegt,
Sing dann in heiterm Ton
Dein Lied, das mich so oft bewegt,
Das vom [Hylarion.]4
 
  Und dringen Seufzer in das Lied,
So blick' den Himmel an,
Von welchem der herunter sieht,
Der uns vereinen kann.
 
  Und wenn, wie von des Zephyrs Wehn,
Der Tanne Wipfel bebt;
So ist's mein Geist, der ungesehn
Ob deinem Scheitel schwebt.
 
  Und werf' ich zu des Baumes Fuss
Ein Zweiglein dir herab,
So weih' es ein mit einem Kuß,
Und steck' es auf mein Grab.

Authorship

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The fir tree", subtitle: "To Doris", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Le sapin", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Poetische Versuche von Gottlieb Conrad Pfeffel, I. Theil, Wien: bei F.A. Schræmbl, MDCCXCI , pages 67-68

1 von Paradis: "glänzt so"
2 von Paradis: "ewig grün"
3 von Paradis: "dennoch"
4 von Paradis: "Hilarion"

Research team for this text: Ferdinando Albeggiani , Sharon Krebs [Guest Editor]

3. Abendlied [sung text not yet checked]

Der Abend schleiert Flur und Hain
In traulichholde Dämrung ein,
Manch Wölklein hell in [Westen]1 schwimt,
Vom sanften Liebesstern durchflimt.

Die Wogenflut [tönt]2 Schlummerklang,
Die Bäume lispeln Abendsang,
Der Wiesengras durchhaucht gelind
Der [liebe]3 Sommerabendwind!

Der Geist der Liebe wirkt und webt
In allem, was sich regt und lebt!
Im Meer, wo Wog' [in]4 Woge fließt,
Im Hain, wo Blat an Blat sich schließt!

O Geist der Liebe! führe du
Mir meine fromme [Laura]5 zu,
Mit ihr, bei dieser Sterne Schein
Der Schöpfung Gottes mich zu freun!

Authorship

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  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Chanson du soir", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Lieder von Friedrich Matthisson. Vermehrte Auflage. Dessau, 1783, page 64; with Gedichte von Friedrich Matthisson. Mannheim in der neuen Hof- und akademischen Buchhandlung. 1787, pages 122-123; and with Friedrich Matthissons Gedichte herausgegeben von Gottfried Bölsing. Band I. Die Gedichte von 1776-1794. Nebst einem Anhang. Gedruckt für den litterarischen Verein in Stuttgart, Tübingen 1912, pages 16-17.

This is the initial version of Matthisson's poem Geist der Liebe; see below.

1 Nägeli: "Lüften"
2 Zumsteeg: "rauscht"
3 Nägeli: "kühle"
4 Nägeli, Zumsteeg: "an"
5 Matthisson (Breslau 1781 edition): "Maja"
Matthisson changed the last stanza in the Mannheim 1787 edition into
O Geist der Liebe, führe du
Dem Jüngling die Geliebte zu!
Ein süsser Blick der Lieb' erhellt
Mit Himmelsglanz die Erdenwelt!

Research team for this text: Melanie Trumbull , Peter Rastl [Guest Editor]

4. An meine Geschwister [sung text not yet checked]

Wir wollen unser Lebenlang
Uns süßen Freuden weihen!
Der Wiese Duft, der Waldgesang
Soll immer uns erfreuen!
Uns grünen Saaten, Trift und Hain,
Uns rauschen Wasserfälle,
Uns malt des Himmels Wiederschein
Rot, weiß und blau die Quelle.

Aus Blumenkelchen lächelt uns
Der süße Blick der Freude!
Wir sehen ihn, und freuen uns
Wie Lämmer auf der Weide!
Es danket unser frohe Blick
Dem Gott, der uns ins Leben
Gerufen, und so manches Glück
Aus Vaterhuld gegeben!

So wallen wir auf sanfter Bahn
Der Freude stets entgegen!
Uns lächelt mancher guter Mann,
Und giebt uns seinen Segen!
Auch ist der Freunde Zahl nicht klein,
Die gern sich an uns schließen!
Wie selig ist's, ein Mensch zu sein
Und Freundschaft zu genießen!

O daß wir alle Hand in Hand
Durchs Leben könnten gehen,
Und unser liebes Vaterland
Mit Thränen wiedersehen!
Und an dem Ziele noch zugleich
(So wolle Gott es lenken!)
Mit Ruhe, reifen Früchten gleich,
Das Haupt zur Erde senken! 

Authorship

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Researcher for this text: Harry Joelson

5. An Laura [sung text checked 1 time]

Herzen, die gen Himmel sich erheben,
Thränen, die dem Auge still entbeben,
Seufzer, die den Lippen leis' entfliehn,
Wangen, die mit Andachtsglut sich malen,
Trunck'ne Blicke, die Entzückung stralen,
Danken dir, o Heilverkünderin!

Laura! Laura! horchend diesen Tönen,
Müssen Engelseelen sich verschönen,
Heilige den Himmel offen sehn,
Schwermuthsvolle Zweifler sanfter klagen,
Kalte Frevler an die Brust sich schlagen
Und wie Seraph Abbadona1 flehn!

Mit den Tönen des Triumphgesanges
Trank ich Vorgefühl des Ueberganges
Von der Grabnacht zum Verklärungsglanz!
Als vernähm' ich Engelmelodien
Wähnt' ich dir, o Erde, zu entfliehen,
Sah' schon unter mir der Sterne Tanz!

Schon umathmete mich [Himmelsmilde]2,
Schon begrüßt' ich jauchzend die Gefilde,
Wo des Lebens Strom durch Palmen fleußt!
Glänzend von der nähern Gottheit Strale,
Wandelte durch Paradiesesthale
Wonneschauernd mein entschwebter Geist!

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Aan Laura, toen zij Klopstocks Opstandingslied zong1", copyright © 2008, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "To Laura, when she sang Klopstock's song of resurrection", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "À Laura, quand elle chantait l'ode à la résurrection de Klopstock", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "A Laura, che cantava "Ode alla resurrezione" di Klopstock", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Friedrich Matthisson, Mannheim in der neuen Hof- und akademischen Buchhandlung, 1787, pages 17-18, and with Gedichte von Friedrich von Matthisson. Erster Theil. Tübingen, bei Cotta, 1811, pages 11-12.

First published in Musen-Almanach für 1785, herausgegeben von Voß und Goeking, Hamburg, bey Carl Ernst Bohn, pages 92-93.

The poem differs, particularly in the fourth stanza, in the editions as of 1811.

Note: The title of the poem refers to C. H. Graun's then-famous setting of Klopstock’s poem Auferstehungslied [The Resurrection Song]. (Note provided by Laura Prichard).

1 The seraph Abbadona is a name in Klopstock's poem of the "penitent devil". (Note provided by Laura Prichard.) The poem is titled "Der Messias" (The Messiah) and probably would have been as familiar to contemporaries as the Auferstehungslied. (Note provided by Melanie Trumbull.)
2 Schubert: "des Himmels Milde"

Research team for this text: Richard Morris , Peter Rastl [Guest Editor]

6. Wonne der Liebe [sung text not yet checked]

Wer an der Geliebten Augen hangen,
Wer mit Feuerinbrunst sie umfangen,
Sich in ihrem Kuß berauschen kann,
Welch ein hochbeglükter Mann!

Er verlacht das leere Weltgetümmel,
Seinen Blik umschweben tausend Himmel,
Gold und Ehr' ist ihm ein Kinderspiel,
Groß und hehr ist sein Gefühl!

Könnten Engel Sterbliche beneiden,
O! sie neideten ihm seine Freuden!
O! sie tränken aus der Liebe Meer
Ruh' und Seligkeit, wie er!

Lächelnd tanzt ihm Jahr auf Jahr vorüber,
Und ein Kuß in jene Welt hinüber
Ist dem Glüklichen, im Abendroth
Seines Lebens, einst der Tod.

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

7. Der Abend [sung text not yet checked]

Purpur malt die Tannenhügel
Nach der Sonne Scheideblick,
Lieblich stralt des Baches Spiegel
Hespers [Fackelglanz]1 zurück.

Wie in Todtenhallen düster
Wirds im Pappelweidenhain,
Unter leisem Blattgeflüster
Schlummern alle Vögel ein.

Nur dein Abendlied, o Grille!
Tönt noch, aus bethautem Grün,
Durch der Dämmrung [Zauberhülle]2
Süße Trauermelodien.

Tönst du einst im Abendhauche,
Grillchen, auf mein frühes Grab,
Aus der Freundschaft Rosenstrauche
Deinen Klaggesang herab:

Wird [mein Geist noch stets]3 dir lauschen,
Horchend wie er jetzt dir lauscht,
Durch des Hügels [Blumen rauschen]4,
Wie dies Sommerlüftchen rauscht!

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "El capvespre", copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De avond", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "The evening", copyright ©
  • ENG English (Malcolm Wren) , "The evening", copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Le soir", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Antonio Zencovich) , "La sera", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Friedrich von Matthisson. Erster Theil. Tübingen, bei Cotta, 1811, pages 29-30, and with Gedichte von Matthisson. Fünfte vermehrte Auflage. Zürich, bei Orell, Füssli und Compagnie. 1802, pages 213-214.

The first edition (Dessau, 1783) has the correct creation date (1780) and an additional (fourth) stanza which was left out in later editions:

Singt das bange Herz in Schlummer,
Hemmt der Zähren wilden Lauf,
Lös't der Liebe tiefsten Kummer
Selbst in stille Wehmuth auf!

1 Matthisson (1791 and 1792 editions), and Rust: "zitternd Bild"
2 Matthisson (1783 edition): "Rosenhülle"
3 Matthisson (editions prior to 1811), and Rust, Schubert, Zumsteeg: "noch stets mein Geist"
4 Schubert: "Blumenrauschen"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Melanie Trumbull , Peter Rastl [Guest Editor]

8. Beruhigung [sung text not yet checked]

Wie Regenschauer auf den entblühten Hain,
Thaun Wehmuthsthränen auf meinen Jugendpfad!
Kein milder Sonnenblik der Freude
Lindert die nagende Seelentrauer!

Gott ist die Liebe! hallt es, im Feierton
Des hohen Jubels, bebende Saiten, nach!
Und du, gebeugte, bange Seele,
Dulde gelassen! Gott ist die Liebe!

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

9. Die Vollendung [sung text checked 1 time]

Wenn ich einst das Ziel errungen habe,
In den Lichtgefilden jener Welt,
Heil! der Thräne dann an meinem Grabe,
Die auf hingestreute Rosen fällt.

Sehnsuchtsvoll, mit [hoher]1 Ahnungswonne,
Ruhig, wie der mondbeglänzte Hain,
Lächelnd, wie beim Niedergang die Sonne,
Harr' ich, göttliche Vollendung, dein!

Eil', o eile mich empor zu flügeln,
Wo sich unter mir die Welten drehn,
Wo im Lebensquell sich Palmen spiegeln,
Wo die Liebenden sich wiedersehn!

Sklavenketten sind der Erde Leiden;
[Oefters, ach! zerreißt]2 sie nur der Tod!
Blumenkränzen gleichen ihre Freuden,
Die ein Westhauch zu entblättern droht!

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Voleinding", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Laura Prichard) , copyright © 2016, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Accomplissement", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Friedrich von Matthisson. Erster Theil. Tübingen, bei Cotta, 1811, page 66; and with Gedichte von Friedrich Matthisson. Mannheim in der neuen Hof- und akademischen Buchhandlung. 1787, pages 12-13.

First published in Poetische Blumenlese auf das Jahr 1786. Göttingen, bey Joh. Christian Dieterich, page 218, with an additional stanza between stanzas 1 and 2; see below.

1 Schubert: "banger"
2 Matthisson (Mannheim 1787 edition): "Oft, ach, öfters bricht"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

10. Feuerfarb' [sung text not yet checked]

Ich weiß eine Farbe, der bin ich so hold,
Die achte ich höher als Silber und Gold;
Die trag' ich so gerne um Stirn und Gewand
Und habe sie ,,Farbe der Wahrheit`` genannt.

Wohl blühet in lieblicher, sanfter Gestalt
Die glühende Rose, doch bleichet sie bald.
Drum weihte zur Blume der Liebe man sie;
Ihr Reiz ist unendlich, doch welket er früh.

Die Bläue das Himmels strahlt herrlich und mild,
D'rum gab man der Treue dies freundliche Bild.
Doch trübet manch' Wölkchen den Äther so rein!
So schleichen beim Treuen oft Sorgen sich ein.

Die Farbe des Schnees, so strahlend und licht,
Heißt Farbe der Unschuld, doch dauert sie nicht.
Bald ist es verdunkelt, das blendende Kleid,
So trüben auch Unschuld Verläumdung und Neid.

Warum ich, so fragt ihr, der Farbe so hold
Den heiligen Namen der Wahrheit gezollt?
Weil flammender Schimmer von ihr sich ergießt
Und ruhige Dauer sie schützend umschließt.

Ihr schadet der nässende Regenguß nicht,
Noch bleicht sie der Sonne verzehrendes Licht:
D'rum trag' ich so gern sie um Stirn' und Gewand
Und habe sie ,,Farbe der Wahrheit`` genannt.

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "El color del foc", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "De kleur van vuur", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

11. Trost. An Elisa [sung text checked 1 time]

Lehnst du deine bleichgehärmte Wange
Immer noch an diesen Aschenkrug?
Weinend um den Todten, den schon lange
Zu der Seraphim Triumphgesange
Der Vollendung Flügel trug?

Siehst du Gottes Sternenschrift dort flimmern,
Die der bangen Schwermuth Trost verheißt?
Heller wird der Glaube [nun dir]1 schimmern,
Daß hoch über seiner Hülle Trümmern
Walle des Geliebten Geist!

Wohl, o wohl dem liebenden Gefährten
Deiner Sehnsucht, er ist ewig dein!
Wiedersehn, im Lande der Verklärten,
Wirst du, Dulderin, den Langentbehrten,
Und wie er unsterblich seyn!

Authorship

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  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Troost voor Elisa", copyright © 2010, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , "Comfort for Elisa", copyright ©
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Réconfort pour Élise", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Friedrich von Matthisson. Erster Theil. Tübingen, bei Cotta, 1811, page 90, and with Friedrich von Matthisson, Gedichte, fifteenth edition, Zurich: Orell, Fuessli & Co., 1851, page 63.

First published in Musen-Almanach für 1786, herausgegeben von Voß und Goeking, Hamburg, bey Carl Ernst Bohn, pages 24-25, with the title "Die Unsterblichkeit", subtitle "An Elisa". This first edition has an additional (third) stanza which was left out in later editions.

1 Schubert: "dir nun"

Research team for this text: Melanie Trumbull , Peter Rastl [Guest Editor]

12. Lied eines deutschen Knaben [sung text not yet checked]

Mein Arm wird stark, und groß mein Mut;
Gieb, Vater, mir ein Schwert!
Verachte nicht mein junges Blut!
Ich bin der Väter wert!

Ich finde fürder keine Ruh
Im weichen Knabenstand!
Ich stürb', o Vater, stolz wie du,
Den Tod fürs Vaterland!

Schon früh in meiner Jugend war
Mein täglich Spiel der Krieg;
Im Bette träumt' ich nur Gefahr,
Und Wunden nur und Sieg.

Mein Feldgeschrei erweckte mich
Aus mancher Türkenschlacht;
Noch jüngst ein Faustschlag, welchen ich
Dem Bassa zugedacht.

Da neulich unsrer Krieger Schar
Auf dieser Straße zog,
Und, wie ein Vogel, der Husar
Das Haus vorüberflog:

Da gaffte starr, und freute sich
Der Knaben froher Schwarm;
Ich aber, Vater, härmte mich,
Und prüfte meinen Arm.

Mein Arm wird stark, und groß mein Mut;
Gieb, Vater, mir ein Schwert!
Verachte nicht mein junges Blut!
Ich bin der Väter wert!

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

13. Lied eines alten schwäbischen Ritters an seinen Sohn, aus dem 12. Jahrh. [sung text not yet checked]

Sohn, da hast du meinen Speer,
Meinem Arm wird er zu schwer,
Nimm den Schild und dies Geschoß,
Tummle du forthin mein Roß!

Siehe, dies nun weiße Haar
Deckt der Helm schon funfzig Jahr;
Jedes Jahr hat eine Schlacht
Schwert und Streitaxt stumpf gemacht.

Herzog Rudolf hat dies Schwert,
Axt und Kolbe mir verehrt,
Denn ich blieb dem Herzog hold
Und verschmähte Heinrichs Sold.

Für die Freiheit floß das Blut
Seiner Rechten! Rudolfs Mut
That mit seiner linken Hand
Noch dem Franken Widerstand.

Nimm die Wehr, und wappne dich!
Kaiser Konrad rüstet sich!
Sohn, entlaste mich des Harms
Ob der Schwäche meines Arms.

Zücke nie umsonst dies Schwert
Für der Väter freien Herd!
Sei behutsam auf der Wacht,
Sei ein Wetter in der Schlacht!

Immer sei zum Kampf bereit!
Suche stets den wärmsten Streit!
Schone deß, der wehrlos fleht!
Haue den, der widersteht!

Wenn dein Hause wankend steht,
Ihm umsonst das Fähnlein weht,
Trotze dann, ein fester Turm,
Der vereinten Feinde Sturm!

Deine Brüder fraß das Schwert,
Sieben Knaben, Deutschlands wert;
Deine Mutter härmte sich,
Stumm und starrend, und erblich.

Einsam bin ich nun und schwach;
Aber, Knabe, deine Schmach
Wär' mir herber tausendmal,

Denn der sieben andern Fall.
Drum so scheue nicht den Tod,
Und vertraue deinem Gott!
So du kämpfest ritterlich,
Freut dein alter Vater sich!

Authorship

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

14. Wechselgesang [sung text checked 1 time]

Einer:
Wer spannet den Bogen
in dunkeln Gezelt?
Wer schwärzet die Wogen?
Wer schrecket mit Blitzen die zagende Welt?

Alle:
Er spannet den Bogen
im friedlichen Zelt,
er stillet die Wogen,
er tränket mit Labsal die lechzende Welt.

Einer:
Wer fähret auf Wettern
im Wagen der Nacht?
Wer dräut, zu zerschmettern
den Fels und die Ceder, die wankend erkracht?

Alle:
Es trägt Ihn im Sturme
der Wagen der Nacht;
dem Menschen, dem Wurme,
verkündet sich segnend des Herrlichen Macht.

Einer:
Wer schaute die Rosse
von Seinem Gespann?
Mit welchem Geschosse
durcheilt Er, mit Wettern umgürtet, die Bahn?

Alle:
Die Kraft und die Eile,
so heißt Sein Gespann!
Des mächtigen Pfeile
sind Flammen; Unendlichkeit heißet die Bahn.

Einer:
Ach! Höret ihr rollen
den Wagen daher?
Er nahet! Ach, sollen
die Berge zerschmelzen, versiegen das Meer?

Alle:
Des Mächtigen Nähe
beseelet die Welt!
Hier ist Er! O spähe
nach ihm nicht von ferne durchs Wolkengezelt.

Einer:
Wie soll ich Ihn kennen?
Wer zeiget mir Ihn?
O dürft' ich Ihn nennen
und zittern vor Ihm in dem Staube hinknien!

Alle:
Sein Nam' ist Erbarmen
und Liebe Sein Tun!
Wir sollen erwarmen
von Lieb', und im Schooße, wie Kinder Ihm ruh'n.

Authorship

Confirmed with Encyclopädie der deutschen Nationalliteratur oder biographisch-kritisches LEXICON der deutschen Dichter und Prosaisten seit den frühesten Zeiten, bearbeitet und herausgegeben von Dr. O. L. B. Wolff, Siebenter Band, Leipzig, Verlag von Otto Wigand, 1842, page 244. In stanza 3, "Ceder" is spelled "Zeder" in Rust's score.


Research team for this text: Bertram Kottmann , Johann Winkler

15. Duett [sung text checked 1 time]

Daphnis.
 Kleine Braune, scheint die Liebe 
 Dir noch immer nur ein Scherz? 
 Fürchte nicht die süßen Triebe! 
 Nur für sie hast du ein Herz!  

 Was in deinem Auge bebet, 
 Wann du Freud' und Kummer siehst, 
 Was den schönen Busen hebet, 
 Das ist Liebe, die du fliehst! 

 Gebe mir die Hand des Glückes 
 Jeder Wonne Vollgenuß: 
 Um ein Lächeln dieses Blickes 
 Tauscht' ich ihn, um Einen Kuß! 

 Liebe mich, und ich begehre 
 Nichts auf Erden mehr für mich.  
 Reichthum, Hoheit, Glück und Ehre, 
 Alles hab' ich, hab' ich dich!  

Chloe.  
 Lauschend horch' ich dem Gesange, 
 Den aus dir die Liebe singt, 
 Die in ihre Fesseln lange 
 Deine kleine Braune zwingt. 

 Öfters, wann dein Auge flehte, 
 Wann du batest:  liebe mich! 
 Sagte meiner Wangen Röthe, 
 Meine Thrän':  ich liebe dich!  

 Treu' und Zärtlichkeit besiegen 
 Jede Mädchenschüchternheit. 
 Was bisher der Mund verschwiegen, 
 Alles, alles sagt er heut! 

 Freudenvolle, heitre Tage 
 Leb' ich immer, liebst du mich.
 Mit dem letzten Herzensschlage 
 Seufz' ich noch:  ich liebe dich! 

Authorship

Confirmed with Musen Almanach, ed. by Johann Heinrich Voss, Hamburg: Carl Ernst Bohn, 1789, pages 77 - 78. Author given only as "B." in this publication, but other publications show the full author's name. Note: later editions change all the instances of "wann" to "wenn".


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

16. Der Wald [sung text not yet checked]

Herrlich ist's im Grünen!
Mehr als Opernbühnen
Ist mir Abends unser Wald,
Wenn das Dorfgeläute
Dumpfig aus der Weite
Durch der Wipfel Dämm'rung hallt.

Horch, aus mildem Glanze
Streut, im leichten Tanze,
Mir das Eichborn Laub und Moos; 
Fink' und Amsel rauschen
Durch die Zweig' und lauschen
Rings im jungen Maigesproß.

In der Abendhelle
Funkelt die Libelle,
Sanft am Farrenkraut gewiegt ;
Mückenschwärm' erheben
Sich aus Binsengräben,
Und der braune Schröter fliegt.

Iris und Ranunkel
Blühn im Weidendunkel,
Wo durch Tuff die Quelle schäumt,
Die mit Spiegelglätte
Dort im Rasenbette
Wies' und Birkenthal umsäumt.

Ob dem Felsenpfade
Schimmert die Kaskade,
Wie ein flatternd Silberband,
Hell durch Laubgewimmel
Blinkt der Frühlingshimmel,
Und der Berge Schneegewand.

Zauberisch erneuen
Sich die Phantaseien
Meiner Kindheit hier so licht!
Rosenfarbig schweben
Duftgebild' und weben
Ein elysisch Traumgesicht.

Authorship

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Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

17. An die Laute [sung text checked 1 time]

Du singst, o Nachtigall! allein
Bei schauervoller Nacht:
Dein Lied ertönt im dunkeln Hain,
Wo nur die Schwermut wacht.

Dein Lied erfrischt des Wandrers Herz,
Der tief im Wald verirrt,
Von mancher Furcht, von manchem Schmerz
Bestürmt und trostlos wird.

[ ... ]

Nun geht er durch die dunkle Bahn
Mit sichern Schritten hin:
Sein Schutzgeist gehet still voran;
Der Nächte Schrecken fliehn.

[ ... ]

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • ENG English [singable] (Anonymous/Unidentified Artist) , "Night-Piece"

Confirmed with Deutsche Literatur, Reihe Aufklärung, Band 7, Leipzig, 1935, pages 93-94.


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Malcolm Wren [Guest Editor] , Sharon Krebs [Guest Editor]

18. Lied [sung text checked 1 time]

Ist das Leben nicht ein Traum
flüchtiger Gefühle?
Ausgelaufen bin ich kaum
und bin schon am Ziele,
wo ich der Vergänglichkeit
keine Träne zolle!
Glücklich, wer in kurzer Zeit
endet seine Rolle.

Nicht ein Tropfen Wermut fließt
hier in meine Freuden,
und ein friedlich Grab umschließt
alle meine Leiden.
Ihr, die meinem Grab euch naht,
lasst den Gram entfliehen!
Hier ruht die verweste Saat,
schöner aufzublühen.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

19. Lob der Birken [sung text checked 1 time]

Mich erfreuen
Junge Maien
Und ein Buchenwald,
Wo die Menge
Der Gesänge
Kleiner Vögel schallt. 

Nie gewannen
Finstre Tannen
Noch ein Lied von mir,
Denn ich fühle
Nichts vom Spiele
Sanfter Weste hier. 

Heerden irren
In dem dürren
Nahrungslosen Moos,
Blumen kleiden
Nicht der Haiden
Sandbedeckten Schoos. 

Auch im dichten
Hain von Fichten
Werd' ich nicht beglückt,
Weil ihr Schatten
Nicht die matten
Glieder mir erquickt. 

Fern von ihnen,
Eil' ich grünen
Birkenhainen zu,
Da genieße
Ich nur süße
Neidenswerthe Ruh.  

Vögel horsten
In den Forsten
Grüner Birken gern,
Nachtigallen-
Lieder schallen
Ihnen auch nicht fern.

Drum erfreuen
Mich nur Maien,
Und ein Buchenwald,
Wo die Menge
Der Gesänge
Kleiner Vögel schallt.

Authorship

Confirmed with Deutsches Museum, Zweiter Band, Leipzig: in der Weygandschen Buchhandlung, 1788. From the month of August, pages 152 - 153.


Research team for this text: Bertram Kottmann , Melanie Trumbull

20. Die Frau eines Brennen an ihren Mann [sung text checked 1 time]

Ich, weibisch sein? Ich weinend dich
zurücke sehnen? Nein!
Sei brav! Jetzt lebst du nicht für mich,
fürs Vaterland allein.

Dem Vaterland gehörst du an -
o nähm' es auch mein Blut!
Sei brav; so lang' ich atmen kann,
wünsch' ich dir Heldenmut.

Zwar herzlich, herzlich lieb' ich dich;
o Gott, du weißt's wie sehr!
Doch Vaterland und Friederich -
o Gott, du weißt's, noch mehr!

Vergiss mich jetzt, dafür will ich
gedenken doppelt dein.
Entnervte dich ein Wunsch an mich -
tot wollt' ich lieber sein.

O denk' an Weib und Kind itzt nicht!
Ich liebe keinen Mann,
der an sein Weib denkt, wenn er ficht
und dann nicht siegen kann.

Ich hab' ein Herz, bin Patriot,
bin ich auch nur ein Weib.
Das Herz ist dein - doch will es Gott,
so bleib' im Kampfe - bleib'!

Süß ist des Siegers langer Schlaf
für Fürst und Vaterland.
Den Gott mit dir! Sei brav, sei brav
und habe Herz und Hand.

Hand, die das Schwert mit Ehren führt,
und wird es Friede - dann,
dann komm mit Narb' und Kranz geziert
und sei mir wieder Mann!

Authorship

Note (with thanks to Johann Winkler): "Brennen" appears to be a rarely-used term for "Prussian". One can find it used in published accounts of the Prussian Princess Friederike Sophie Wilhelmine, a daughter of the Prussian king Friedrich Wilhelm I and sister of Friedrich Wilhelm II. She had the title of an "Erbstatthalterin" (hereditary governess) of the Netherlands, and was described like this: "Diese Tochter der Brennen ist nun Bataviens Stolz", with Batavia meaning the Netherlands and "Tochter der Brennen" referring to the Princess.


Researcher for this text: Johann Winkler

21. Ich denke dein [sung text not yet checked]

Ich denke dein, wenn sich im Blüthenregen
  Der Frühling malt,
Und wenn des Sommers mild gereifter Segen
  In Ähren strahlt.

Ich denke dein, wenn sich das Weltmeer tönend
  Gen Himmel hebt,
Und vor der Wogen Wuth das Ufer stöhnend
  Zurücke bebt.

Ich denke dein, wenn sich der Abend röthend
  Im Hain verliert,
Und Philomelens Klage leise flötend
  Die Seele rührt.

Beim trüben Lampenschein, [im bittern]1 Leiden
  Gedacht' ich dein,
Die bange Seele flehte, nah am Scheiden:
  Gedenke mein!

Ich denke dein, bis wehende Cypressen
  Mein Grab umziehn,
Und [auch]2 im Tempe's Hain soll unvergessen
  Dein Name blühn.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "Je pense à toi", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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1 Zelter, Zumsteeg: "in bitterm"
2 Gerson: "selbst"

Researcher for this text: Emily Ezust [Administrator]

22. Neujahrslied [sung text checked 1 time]

Schnelle fliehen Jahr um Jahre, 
Bei des Jünglings Tanz und Lust, 
Schnelle führen sie zur Bahre 
Des gebückten Alten Fuß.  
Schnelle rauschen sie dahin, 
Und kein Auge sieht sie fliehn.  

Alle, wie sie fliehen, giessen, 
Freud' und Leid aus einer Schaal. 
Wenig geben sie von diesen, 
Aber Freuden ohne Zahl. 
Denn Gott selber mischte sie, 
Gott der Güte mischte sie.  

Zwar des neuen Jahres Morgen, 
Hüllen finst're Wolken ein, 
Aber selbst in trübe Sorgen, 
Mischet Gott die Hoffnung ein. 
Stürme steh'n, wenn Gott es will, 
An der Unschuld Hütte still.  

Darum gehn wir mit Vertrauen, 
In das neue Jahr hinein, 
Das Zerstören, das Erbauen, 
Steht bei Gott, bei Gott allein.  
Über uns hält unverwandt, 
Unser Vater Aug' und Hand.  

Jahre flieht dann hell und trübe, 
Wie's der Vater euch gebot, 
Kindertreu und Vaterliebe, 
Hält uns immer fest an Gott.  
Gottes ist das neue Jahr, 
Wie das alte Gottes war.

Authorship

Confirmed with Annalen der Philosophie und des philosophischen Geistes, Erster Jahrgang, 1795. Halle und Leipzig: in der von Kleefeldsnen Buchhandlung. From the Philosophischen Anzeiger, 22 April 1795, 17. Stück, pages 132 - 133.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

23. Gesellschaftslied [sung text checked 1 time]

Unser Leben, sagen Weise,
Sei ein kurzer Morgentraum;
Andre sagen, eine Reise,
Ja nur einer Welle Schaum.

Ist es leichter Schaum der Welle,
Die der Zeiten Lauf verschlingt,
Sei Champagner-Wein die Quelle,
Der sich dieser Schaum entschwingt.

Ist das Leben eine Reise,
Nehmt die leicht'sten Wagen nur,
Folget auf dem flachsten Gleise
Immer des Vergnügens Spur.

In der Lieb' und Freundschaft Armen
Träumt des Lebens kurzen Traum;
Glückt es euch so zu erwarmen,
Sel'ger ist das Wachen kaum.

Traum und Weise, flücht'ge Welle,
Laßt, was auch das Leben sei,
Ungenutzt auf alle Fälle,
Ungenossen nicht vorbei.

Stärker durch den Saft der Reben
Fliehet Trägheit und Verdruß;
Eilet, Freunde, eilt zu Leben,
Eilt zur That und zum Genuß.

Authorship

Confirmed with Ernst Wolfgang Behrisch: Ein Bild aus Goethe's Freundeskreise von Wilhelm Hosäus, Dessau: Albert Reißner, 1883.


Researcher for this text: Melanie Trumbull

24. Elysium [sung text not yet checked]

Hain! der von der Götter Frieden,
Wie von Thau die Rose, träuft,
Wo die Frucht der Hesperiden
Zwischen Silberblüten reift;
Den ein rosenfarbner Aether
Ewig unbewölkt umfleußt,
Der den Klageton verschmähter
Zärtlichkeit verstummen heißt:

Freudigschauernd in der Fülle
Hoher Götterseligkeit,
Grüßt, entflohn der Erdenhülle,
Psyche deine Dunkelheit,
Wonne! wo kein Nebelschleyer
Ihres Urstoffs Reine trübt,
Wo sie geistiger und freyer
Den entbundnen Fittig übt.

Ha! schon eilt auf Rosenwegen,
In verklärter Lichtgestalt,
Sie dem Schattenthal entgegen,
Wo die heil'ge Lethe wallt;
Fühlt sich magisch hingezogen,
Wie von leiser Geisterhand,
Schaut entzückt die Silberwogen
Und des Ufers Blumenrand;

Kniet voll süsser Ahndung nieder,
Schöpfet, und ihr zitternd Bild
Leuchtet aus dem Strome wieder,
Der der Menschheit Jammer stillt,
Wie auf sanfter Meeresfläche
Die entwölkte Luna schwimmt,
Oder im Kristall der Bäche
Hespers goldne Fackel glimmt.

Psyche trinkt, und nicht vergebens!
Plötzlich in der Fluthen Grab
Sinkt das Nachtstück ihres Lebens
Wie ein Traumgesicht hinab.
Glänzender, auf kühnern Flügeln,
Schwebt sie aus des Thales Nacht
Zu den goldbeblümten Hügeln,
Wo ein ew'ger Frühling lacht.

Welch ein feyerliches Schweigen!
Leise nur, wie Zephyrs Hauch,
Säuselt's in den Lorbeerzweigen,
Bebt's im Amaranthenstrauch!
So in heil'ger Stille ruhten
Luft und Wogen, also schwieg
Die Natur, da aus den Fluthen
Anadyomene stieg.

Welch ein ungewohnter Schimmer!
Erde! dieses Zauberlicht
Flammte selbst im Lenze nimmer
Von Aurorens Angesicht!
Sieh! des glatten Epheus Ranken
Tauchen sich in Purpurglanz!
Blumen, die den Quell umwanken,
Funkeln wie ein Sternenkranz!

So begann's im Hain zu tagen,
Als die keusche Cynthia,
Hoch vom stolzen Drachenwagen,
Den geliebten Schläfer sah;
Als die Fluren sich verschönten,
Und, mit holdem Zauberton,
Göttermelodien tönten:
Seliger Endymion!

Authorship

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Researcher for this text: Ferdinando Albeggiani

25. Totenkranz für ein Kind [sung text checked 1 time]

Sanft wehn, im Hauch der Abendluft,
Die Frühlingshalm' auf deiner Gruft,
  Wo Sehnsuchtsthränen fallen.
Nie soll, bis uns der Tod befreit,
Die Wolke der Vergessenheit
  Dein holdes Bild umwallen.

Wohl dir, obgleich entknospet kaum,
Von Erdenlust und Sinnentraum,
  Von [Schmerz und Wahn]1 geschieden!
Du schläfst in Ruh'; wir wanken irr
Und [unstätbang']2 im Weltgewirr
  Und haben selten Frieden.

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , copyright © 2017, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Grafkrans voor een kind", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2013, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , "Couronne mortuaire pour un enfant", copyright © 2012, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Friedrich Matthisson's Gedichte, Dritte vermehrte Auflage, Zürich, 1794, bey Orell, Gessner, Füssli & Comp., page 128; with Gedichte von Friedrich von Matthisson. Erster Theil. Tübingen, bei Cotta, 1811, page 248; and with Musen-Almanach für 1794, herausgegeben von Joh. Heinr. Voß, Hamburg, bey C.E.Bohn, page 43.

1 Mendelssohn: "Schmerz, von Wahn"
2 Matthisson (Musenalmanach), and Schubert (Neue Gesamtausgabe): "unstät, bang'"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

26. Abendgedanken [sung text checked 1 time]

Verzieh', mein Auge, dich zu schließen,
Bewundre [die ehrwürd'ge]1 Nacht,
Säum, ihre Wohlthat zu genießen,
Erkenne den, der sie gemacht: 
Das Dunkle kann ihn nicht verhelen,
Die tiefe Stille schweigt ihn nicht,
Den Gott, des Macht die Stern' erzählen,
Des Huld des Mondes Schatten spricht. 

Monarch so ungeheurer Welten,
Wie sicher ruht, den du bewachst!
Doch, wohin flieht vor deinem Schelten,
Dem du den Schlaf erschrecklich machst?
Wenn dich die Finsternisse rächen,
Ist nirgends Rettung vor dem Graun;
Ein Herz, das rein ist vom Verbrechen,
Sonst keine Zuflucht gibt Vertraun.

Wohl dem, der deine [Größe]2 kennet,
Und sie zu seiner Zuflucht macht!
Du nimmst, wenn dein Gericht entbrennet,
Ein Herz, des Gott du bist, in Acht.
Wem du die Missethat vergiebest,
Sieht ruhig, wenn die Welt zerbricht;
Er weiß, der Gott, den du ihn liebest,
Du Gott, sein Schutz, [vergehest]3 nicht.

Du, Gott, bewachst auch meine Seele, 
Sie irrt wohl, doch sie haßt dich nie, 
Eh ich noch meine Schulden zähle, 
Vergibst du und vertilgst du sie. 
Wenn Frevler deinen Zorn erwecken, 
So bleibest du mein höchstes Gut: 
Kein letzter Tag kann mich erschrecken, 
Ich seh' ihn unter deiner Huth. 

Authorship

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Confirmed with Der Bienenstock, erster Band, ed. by Johann Dieterich Leyding, Hamburg und Leipzig: Spieringk, 1755, page 41.

1 Rust: "froh die schöne"
2 Rust: "Güte"
3 In a 1758 edition, this is "vergehst"

Researcher for this text: Melanie Trumbull

27. Geistliche Ode [sung text checked 1 time]

Eile, Herr, mein Herz zu stärken!
Mache meine Seele groß;
und in allen meinen Werken
Reiß' mich von der Schwermut los!
Reiche, wenn mich Sorgen kränken,
Gott, mir deine Allmachtshand!
mache durch vernünftig Denken
mich mit dir und mir bekannt.

Frei von ängstlichen Gedanken
will ich deiner Güte trau'n;
und wenn alle Freunde wanken,
Gott, auf deine Vorsicht bau'n.
Standhaft will ich mich bequemen,
alles Leiden dieser Welt
als ein Erbteil anzunehmen,
das auf meine Menschheit fällt.

Sind viel' Schätze mir beschieden,
mir, mein Gott, ist alles gleich.
Mache du mich nur zufrieden,
o, so bin ich mehr als reich!
Schluckt auch seine Leckerbissen
mancher Große zitternd ein:
Lass ein ruhiges Gewissen
meiner Speise Würze sein!

Fern vom Überfluss und Neide
halt', Herr, meinen Sinn entfernt,
weil man diese Laster beide
bald zu seiner Marter lernt.
Leite mich zur wahren Ehre,
die den schönsten Vorteil zollt:
Wenn ich durch die Tat mich lehre,
Klugheit habe sie gewollt.

Hilf, dass mir's auch da gelinge,
wenn - o schweres Wort! - der Tod
als das schrecklichste der Dinge
mir mit der Verwesung droht.
Gott, bei dieser großen Handlung
falle ja der Trost mir bei:
Dass mein Tod zwar die Verwandlung,
aber nicht mein Ende sei.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

28. Abendlied im Herbst 1784 [sung text checked 1 time]

Wie schön,o Gott, sind deine Tannenwälder,
vergoldet durch das Abendrot!
Die grüne Saat! Die falben Stoppelfelder!
So keimet Leben neben Tod.

Ich will,o Gott, zu deinen Tannen gehen,
da ist mir wie im Heiligtum
so hehr, so still! Und dann ein heilig' Wehen,
ein Säuseln, Gott, zu deinem Ruhm.

Dort will ich an den stillen Abend denken,
der jedem Müden Ruhe schafft.
Es stürmt um mich; du weißt den Sturm zu lenken!
Ich strebe fort durch deine Kraft.

Du wärmst die Saat im Schoß der kalten Erde,
wenn ihre Lebenskraft erstarrt,
dass sie im Lenz des Landmanns Freude werde,
der sehnlich ihres Segens harrt.

Du stärkst den Halm, die schöne Frucht zu tragen,
bis ihn die Hand des Schnitters fällt;
Herr, stärk' auch Wie schön,o Gott, sind deine Tannenwälder,
vergoldet durch das Abendrot!
Die grüne Saat! Die falben Stoppelfelder!
So keimet Leben neben Tod.

Ich will,o Gott, zu deinen Tannen gehen,
da ist mir wie im Heiligtum
so hehr, so still! Und dann ein heilig' Wehen,
ein Säuseln, Gott, zu deinem Ruhm.

Dort will ich an den stillen Abend denken,
der jedem Müden Ruhe schafft.
Es stürmt um mich; du weißt den Sturm zu lenken!
Ich strebe fort durch deine Kraft.

Du wärmst die Saat im Schoß der kalten Erde,
wenn ihre Lebenskraft erstarrt,
dass sie im Lenz des Landmanns Freude werde,
der sehnlich ihres Segens harrt.

Du stärkst den Halm, die schöne Frucht zu tragen,
bis ihn die Hand des Schnitters fällt;
Herr, stärk' auch mich, mein Scherflein beizutragen
zum Nutzen dieser guten Welt!

Vielleicht schon reif! Du ziehest meine Jahre!
Ein Halm, der wenig Früchte hält.
Dein Segen, Gott - und eines Halmes Ahre
wird Aussaat für ein ganzes Feld.mich, mein Scherflein beizutragen
zum Nutzen dieser guten Welt!

Vielleicht schon reif! Du ziehest meine Jahre!
Ein Halm, der wenig Früchte hält.
Dein Segen, Gott - und eines Halmes Ahre
wird Aussaat für ein ganzes Feld.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

29. An die Natur [sung text checked 1 time]

Nimm in deine offnen Arme uns, o heilige Natur!
Frei vom Stadtgewühl und Harme, leite uns auf deiner Spur!
Ja, du winkst mit Muttermilde uns an deine treue Brust!
Rund um dich haucht das Gefilde Freiheit und gesunde Lust!

Hier zu unsern Füßen schmiegen Klee und Ringelblumen sich,
Und im höhern Grase wiegen sich die Weste wonniglich!
Kleine Beinen schwirren nieder, Nektarkelche aufzuspähn;
Und ihr goldbestäubt Gefieder lassen Schmetterlinge sehn!

Von des Fruchtbaums Krone strahlet schon der Früchte Gold uns zu;
Und des Landmanns Müh bezahlet bald die blonde Saat mit Ruh.
Weinstock, deine goldnen Trauben, die dem Laubdach sich entdrängt,
Glühn, uns jeden Gram zu rauben, wenn ihr Nektar uns getränkt!

Hoch aus Luft und Wipfel singen Vögel ihres Daseins Glück.  
Und zufriedne Sch&äfer bringet uns Arkadien zurück!
Fröhlich leiten sie die Heerde durch beblühmten, süßen Klee;
Lachen dein Monarch der Erde bei dem Kuß der Galathee!

Seht! auf jenes Hügel Haupte, ladet uns der Pappelbaum,
Der dem Wandrer sich belaubte, in den breiten Schattenraum!
Dort, dort blicke uns die Sonne, eh sie sinkt, noch einmal an!
Lehre uns die Himmelswonne des, der seine Pflicht getan!

Dank dir für die [tausend Freuden]1, süße, heilige Natur!
Freiheit, Ruh und Lust begleiten uns getreu auf deiner Spur!
Deine Mutterhuld versüße unsers Pilgerlebens Last,
Und in deinem Schooß genüße unser Staub einst sanfte Rast!

Authorship

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Confirmed with Oden, Lieder, und metrische Übersetzungen lateinischer Gedichte von Johann David Müller, Magdeburg und Leipzig: in der Scheidhauerischen Buchhandlung, 1787. Pages 65 - 67.

1 Rust: "Seligkeiten"

Researcher for this text: Melanie Trumbull

30. Der Wasserfall [sung text checked 1 time]

Lass dir huld'gen, Nereide!
Gönne deinen Reiz dem Liede,
heilig deinem Wasserfall;
diesem dreifach schönen Strudel,
diesem Silbertropfensprudel
und dem lieblich süßen Schall.

Denn dein kühles Tal umschweben
Berge, die sich hoch erheben,
die ein schroffer Fels bekrönt;
idealisch stolz umkränzen
sie die ganz verschied'nen Grenzen,
welche sanftes Grün verschönt.

Jener Klippen hohe Massen,
die sich kaum ersteigen lassen,
und des Mondes milder Schein,
diese himmlisch sanfte Kühle
und das plätschernde Gewühle
wiegt in stille Ruh' uns ein.

Luna ruft uns zu Gesängen
in den hellbelaubten Gängen,
jedem Schritte folgt die Lust.
Ach, der Schöpfung schöne Freuden
kann kein Zufall uns verleiden,
denn sie ruh'n in uns'rer Brust.

Authorship

Researcher for this text: Johann Winkler

31. An die Freude [sung text checked 1 time]

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten [feuertrunken]1,
[Himmlische,]2 dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
Was [die Mode streng getheilt;
Alle Menschen werden Brüder]3,
Wo dein sanfter [Flügel]4 weilt.
     Chor.
Seid [umschlungen]5 Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder - überm Sternenzelt
Muß ein [lieber]6 Vater wohnen.

Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu seyn,
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja - wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer's nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!
     Chor.
Was den großen Ring bewohnet
Huldige der Simpathie!
Zu den Sternen [leitet]7 sie,
Wo der Unbekannte thronet.

Freude trinken alle Wesen
An der Brüsten der Natur,
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küße gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod,
Wollust ward dem Wurm gegeben, 
Und der Cherub steht vor Gott.
     Chor.
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahndest du den Schöpfer, Welt?
Such ihn überm Sternenzelt,
Ueber Sternen muß er wohnen.

Freude heißt die starke Feder
In der ewigen Natur.
Freude, Freude treibt die Räder
In der großen Weltenuhr.
Blumen lockt sie aus den Keimen,
Sonnen aus dem Firmament,
Sphären [rollt]8 sie in den Räumen,
Die des Sehers Rohr nicht kennt.
     Chor.
Froh, wie seine Sonnen fliegen,
Durch des Himmels prächt'gen Plan,
Laufet Brüder eure Bahn,
Freudig wie ein Held zum siegen.

Aus der Wahrheit Feuerspiegel
Lächelt sie den Forscher an.
Zu [der Tugend steilem]9 Hügel
Leitet sie des Dulders Bahn.
Auf des Glaubens Sonnenberge
Sieht man ihre [Fahnen]10 wehn,
Durch den Riß [gesprengter]11 Särge
Sie im Chor der Engel stehn.
     Chor.
Duldet muthig Millionen!
Duldet für die bess're Welt!
Droben überm Sternenzelt
Wird ein großer Gott belohnen.

Göttern kann man nicht vergelten,
Schön ist's ihnen gleich zu seyn.
Gram und Armuth soll sich melden,
Mit den Frohen sich erfreun.
Groll und Rache sey vergessen,
Unserm Todfeind sey verziehn.
Keine Thräne soll ihn pressen,
Keine Reue nage ihn.
     Chor.
Unser Schuldbuch sey vernichtet!
Ausgesöhnt die ganze Welt!
Brüder - überm Sternenzelt
Richtet Gott, wie wir gerichtet.

Freude sprudelt in Pokalen,
In der Traube goldnem Blut
Trinken Sanftmuth Kannibalen,
Die Verzweiflung Heldenmuth - -
Brüder fliegt von euren Sitzen,
Wenn der volle Römer kreist,
Laßt den Schaum zum Himmel spritzen:
Dieses Glas dem guten Geist!
     Chor.
Den der Sterne Wirbel loben,
Den des Seraphs Hymne preist,
Dieses Glas dem guten Geist
Ueberm Sternenzelt dort oben!

Festen Muth in [schwerem]12 Leiden,
Hülfe, wo die Unschuld weint,
Ewigkeit geschwor'nen Eiden,
Wahrheit gegen Freund und Feind,
Männerstolz vor Königsthronen, -
Brüder, gält es Gut und Blut -
Dem Verdienste seine Kronen,
Untergang der [Lügenbrut]13!
     Chor.
Schließt den heil'gen Zirkel dichter,
Schwört bei diesem goldnen Wein;
Dem Gelübde treu zu seyn,
Schwört es bei dem Sternenrichter!

Authorship

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Available translations, adaptations or excerpts, and transliterations (if applicable):

  • CAT Catalan (Català) (Salvador Pila) , "A l'alegria", copyright © 2019, (re)printed on this website with kind permission
  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , "Aan de vreugde", copyright © 2007, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (John Glenn Paton) , "Ode to joy", copyright © 2004, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Pierre Mathé) , "À la joie", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Gedichte von Friederich Schiller, Zweiter Theil, Zweite, verbesserte und vermehrte Auflage, Leipzig, 1805, bei Siegfried Lebrecht Crusius, pages 121-127; and with Thalia. Herausgegeben von Schiller. Erster Band welcher das I. bis IV. Heft enthält. Leipzig, bey Georg Joachim Göschen. 1787, pages 1-5 of Heft II [1786].

1 Zahn: "wonnetrunken"
2 Rust, Zahn: "Göttliche!"
3 first edition, and Rust, Zahn, Zumsteeg: "der Mode Schwerd getheilt; / Bettler werden Fürstenbrüder"
4 Rust: "Scepter"
5 Zahn: "willkommen"
6 Rust, Schubert, Zahn, Zumsteeg: "guter"
7 Rust: "leite"
8 Rust: "wälzt"; Zumsteeg: "lockt"
9 Zumsteeg: "des Glaubens stillem"
10 Rust: "Fahne"
11 Rust: "gespaltner"
12 Schubert, Zahn, Zumsteeg: "schweren"
13 Zumsteeg: "Lügnerbrut"

The first edition has an additional final stanza which was omitted by Schiller in later editions, but included in the settings of Rust, Zahn and Zumsteeg:

Rettung von Tirannenketten,
Großmut auch dem Bösewicht,
Hoffnung auf den Sterbebetten,
Gnade auf dem Hochgericht!
Auch die Toden sollen leben!
Brüder trinkt und stimmet ein,
Allen Sündern soll vergeben,
Und die Hölle nicht mehr seyn.
     Chor.
Eine heitre Abschiedsstunde!
Süßen Schlaf im Leichentuch!
Brüder - einen sanften Spruch
Aus des Todtenrichters Munde!


Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Peter Rastl [Guest Editor]

32. Die Vergänglichkeit [sung text checked 1 time]

Des Lebens Freude welkt dahin
gleich Blumen auf den Matten,
täuscht, vielgestaltet, Herz und Sinn,
doch hascht sie - ihr fasst Schatten,
ergreift sie höchstens bei dem Saum;
des Lebens Glück ist nur ein Traum.

Des Daseins Vorhang rollt empor
zur ersten Jugendszene,
da kömmt die Welt euch lieblich vor
wie Nachtigallentöne;
ihr hüpft mit leichtem Flattersinn
wie Zephir über Blumen hin.

Ach! Aber eurer Kindheit Glück,
wie bald hüpft es von hinnen!
Ein süßes Wort, ein holder Blick
bezaubert eure Sinnen.
Ihr liebt und strebt und kämpft und ringt,
bis euch die Schäferstunde winkt.

Und schlägt sie dann, habt ihr sie nun
erstrebt, erkämpft, errungen,
dürft sanft im Arm der Liebe ruh'n,
verwebt in eins, verschlungen,
und glaubt noch einen Himmel kaum -
so wird auch dies Glück bald zum Traum.

Doch heil euch, gab's euch Amor noch,
schlug sie, die Schäferstunde!
Es ward euch Gegenliebe doch,
ihr hingt doch Mund an Munde!
Ach,  mancher ringt, bis 's Herz ihm bricht,
die Schäferstunde schlägt ihm nicht.

Und Freundschaft, schöner Seelen Band!
Lasst Freunde sich verstehen
und sehnen, wünschen, Hand in Hand
durchs Leben hinzugehen!
So trennt der Tod, trennt Pflicht, Geschick
die Edlen; Traum ist jedes Glück!

O so genießt der Gegenwart!
Verschiebt es nicht bis morgen;
wer den Genuss für Zukunft spart,
vermehrt oft Gram und Sorgen!
Des inner'n Frohsinns Heiterkeit
trübt Tod nicht, nicht Vergänglichkeit.

Authorship

Research team for this text: Bertram Kottmann , Johann Winkler