Hunold Singuf. Rattenfängerlieder nach Julius Wolff's Dichtungen

Song Cycle by Hans August Friedrich Zincke genannt Sommer (1837 - 1922)

Word count: 5005

1. Zum Gruss [sung text not yet checked]

Mit Hand und Herzen Gott zum Gruß,
Ihr lieben Leutchen alle!
Der Spielmann kommt mit leichtem Fuß,
Ob euch ein Lied gefalle.
Die Fiedel streich' ich jederzeit
Und blas' auch auf dem Rohre,
Zum Lautenschlag bin ich bereit
Vor wohlgeneigtem Ohre.

Ich will euch jetzo frisch gewagt
Etliche Stücklein singen,
Und wenn's, Vielwerthen, euch behagt,
Eins nach dem andern bringen.
Denn Lieder und Schanzunen viel
Und Aventiuren weiß ich,
Mein Tagwerk ist Sang, Saitenspiel,
Und Hunold Singuf heiß' ich.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "In greeting", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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2. Frühlingsnacht [sung text not yet checked]

Hörst du die Nachtigall? es strömt und quillet
Aus ihrer Brust ein schmelzender Gesang,
[Die Liebe locket, tiefe Sehnsucht schwillet]]1,
Und Hoffnung wiegt sich in des Liedes Klang.
Durch lauten Jubel zittert leise Klage,
Denn ich [verstehe wohl der]2 Stimme Schall,
Es ist die Antwort [auf die bange Frage]3,
Du sollst mich lieben, sagt die Nachtigall.

Warm ist die Frühlingsnacht, die Knospen brechen,
Mit jungem Grün umspinnt sich Baum und Strauch,
Mit ihren Düften möchten Blumen sprechen,
Und durch die Blätter geht ein Flüsterhauch.
Es webt und schwebt ein Kommen und ein Werden,
Es treibt und drängt im Stillen überall,
Es regt sich jede Kraft, -- [das]4 ist auf Erden
Die Zeit der Wonnen, sagt die Nachtigall.

Ist dir nicht selbst zu Muth im holden Reigen,
Hell aufzujauchzen und mit Lust zu blühn?
Das Herz ist voll, wenn auch die Lippen schweigen,
[Du fühlst doch deine ganze Seele glühn]5.
Die Augen glänzen dir im Mondenscheine,
O höre doch der süßen Töne Schwall!
[Horch, wie es wirbt und fleht! du einzig Eine]6,
Du wärst mein eigen, sagt die Nachtigall.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Spring night", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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1 Kliebert: "Die Liebe lockt, tiefe Sehnsucht schwillt"
2 Kliebert: "versteh' der"
3 Kliebert: "auf die Frage"
4 Kliebert: "ja das"
5 Kliebert: "Und du fühlst ja doch die ganze Seele glühen"
6 Kliebert: "Horch, wie es wirbt, horch wie es fleht! Nur du einzig Eine"

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3. Im Sturme [sung text not yet checked]

Ich ging im Sturme durch den Wald,
Da rauscht' es in den Zweigen,
Ein Jauchzen war's, ein Donnern bald
In stolzer Wipfel Neigen.
Wie's oben braust
Und mich umsaust,
Begann ich selbst zu singen,
In Sang und Klang
Aus tiefem Drang
Mit Sturms Gewalt zu ringen.

"Du kommst gewandelt, heil'ge Macht,
Mit starkem Wehn und Weben,
Fährst nieder in des Waldes Pracht,
Daß seine Wurzeln beben.
Mit deinem Hauch
Triffst du mich auch,
Daß mir die Seele zittert,
Von deinem Geist,
Der schaffend kreist,
Fühlt sich mein Herz umwittert.

Doch wenn dein Arm auch Wälder beugt,
Ich will vor dir nicht wanken,
Ich bin aus deiner Kraft gezeugt,
Weltwesen ohne Schranken.
Wenn du mich schaust,
Sieh, ob mir graust
In deinen hohen Wettern,
Mag auch dein Blitz
Vom Wolkensitz
Der Felsen Bau zerschmettern."

Bald schwieg der Sturm, die Wolke riß,
Ich sah es blau sich malen,
Und durch des Waldes Finsterniß
Erging ein goldig Strahlen.
Nur flüsternd wob,
Nur leise hob
Sich noch ein sanft Getriebe,
Mein Herz doch schlug
Noch laut, es trug
Die Sturmessaat der Liebe.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "In the storm", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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4. Röslein, wann blühst du auf [sung text not yet checked]

Es wuchs an einem Rosenbaum
Ein Knösplein auf im Garten,
Und wer es sah, der konnte kaum
Der Rose Blühn erwarten.
Goldkäfer kam geflogen,
Schwirrt rund herum im Bogen:
Röslein, wann blühst du auf?

Früh Morgens blinkte heller Thau
Am Knöspelein, dem jungen,
Frau Nachtigall hielt Rosenschau,
Was nächtens aufgesprungen.
Sie saß in grünen Zweigen,
Sang zaubersüße Reigen:
Röslein, wann blühst du auf?

Kam auch ein blondes Mägdelein,
Sah nach dem Rosenkinde,
Ob sie's im warmen Sonnenschein
Noch nicht erschlossen finde.
Mit ihren rothen Lippen
Thät sie daran auch nippen:
Röslein, wann blühst du auf?

Den nächsten Tag mit treuem Sinn
Brach's ab ein Edelknabe
Und trug's dem lieben Mädchen hin
Als frische Morgengabe.
Röslein und der's genommen,
War'n beide da willkommen,
Röslein, wie blühst du auf!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Little rose, when will you bloom?", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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5. Der Mond nimmt zu  [sung text not yet checked]

Der Mond nimmt zu, die Sichel schwebt,
Die Nacht ist bläulich helle,
Es fluthet um mich her und webt 
Thaufeuchten Lichtes Welle.
Nimm zu, mein Glück! 

Er kühlt das Herz und nährt das Blut 
Und schafft gesunde Säfte,
Gießt in die Seele List und Muth
Und wirkt geheime Kräfte.
Nimm zu, mein Glück! 

Des Wortes und der Töne Macht 
Quillt mir aus seinem Segen,
Und lauschig in der Vollmondnacht
Folgt Manches meinen Wegen. 
Nimm zu, mein Glück! 

Umfeie mich mit Zauberdunst,
Daß walten kann mein Wille,
Und halte mich in Schutz und Gunst,
Gutfreund, ich schweige stille. 
Nimm zu, mein Glück!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The moon is waxing", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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6. Sommerspiel [sung text not yet checked]

Ringelreie, Rosenkranz,
Rosenkranz,
Schwebet auf und nieder!
Lustig ist der Firlefanz,
Firlefanz,
Dreht euch hin und wieder!
Mädel streckt den Finger hin,
Knabe will ihn haschen,
Doch die schmucke Tänzerin
Zieht zurück den raschen.
Fängt er sie,
Hält er sie,
Darf ein Küßlein naschen.

Auf dem weiten Wiesenplan,
Wiesenplan,
Blühn der Blumen viele,
Mädchenhände wohlgethan,
Wohlgethan,
Pflücken sie zum Spiele.
Blättlein schmal und Blättlein dicht
Zupfen sie und zählen:
Liebst mich oder liebst mich nicht,
Denn ich möchte wählen?
Trifft es ein,
Bist du mein,
Mußt dich mir vermählen.

Plappermäulchen, Zippelzeh,
Zippelzeh,
Plaudern, lachen, wippen,
Zähne glänzen weiß wie Schnee,
Weiß wie Schnee,
Zwischen rothen Lippen.
Mädchen hast in Wang' und Kinn
Allerliebste Grübchen,
Komm, wir wechseln her und hin
Kämmerlein und Stübchen;
Aber jetzt
Ist's besetzt,
Schabe, schabe Rübchen!

Reifenwurf und Fangeball,
Fangeball,
Schwinget hoch im Bogen,
Also kommt dir Knall und Fall,
Knall und Fall,
Auch mein Herz geflogen.
Mußt es fangen und geschwind
Deines fliegen lassen,
Will es seitwärts wehn der Wind
Werd' ich's flink doch fassen.
Hast du meins,
Hab' ich deins,
Wird wohl grade passen.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Game in summer", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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7. Du kommst zu mir im Traume [sung text not yet checked]

Du kommst zu mir im Traume,
So wie du leibst und lebst,
Und weilst bei mir im Raume
Voll Huld, bis du entschwebst.
Ich sehe dich vor mir stehen
Mit deiner schönen Gestalt,
Und Zeichen und Wunder geschehen
Aus deiner Zaubergewalt.

Sammtweiche, dunkle Augen,
Langwimperig, schauen mich an,
Blinzelnde Blicke saugen
Am Herzen dem seligen Mann.
Die Lippen so roth und minnig,
Sie lächeln den meinen so nah,
Sie plaudern so süß und sinnig
Von Glück, und das Glück ist da.

So spiegeln meine Träume
Mir deines Bildes Glanz
Wie sprühende Wellenschäume
Des Regenbogens Kranz.
Du aber, du Strahlende, sage:
Darf ich mit Liebesmacht
Zu dir nicht kommen bei Tage
Wie du zu mir bei Nacht? 

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "You come to me in my dreams", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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8. Kleine List [sung text not yet checked]

Mädel, du bist schlank und schier
Und gesund gewachsen,
Deiner Zöpfe Wünschelzier
Dünkt mich eitel flachsen.

Deines weißen Nackens Bug
Und den stolzen Rücken
Staun' ich an schon lang' genug
Und das mit Entzücken.

Aber könnt'st dich umzudrehn
Dich nicht bald entschließen?
Möchte dich von vorn zu sehn
Auch einmal genießen.

Wer mir stets den Rücken kehrt,
Läßt mich übel trauen,
Ob es wohl der Mühe werth,
Sein Gesicht zu schauen.

Hui! gelungen ist die List,
Die dich wenden machte,
Sieh mal an, wie schön du bist!
Schöner, als ich dachte.

Ja, man muß es nur verstehn,
Zweifeln hilft und Schelten,
Mädchen wollen unbesehn
Nie für häßlich gelten. 

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Little trick", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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9. Drei Jungfräulein [sung text not yet checked]

Es waren drei schöne Jungfräulein,
Die liebten einen Knaben,
Und jede wollt' ihn gern allein
Zu ihrem Buhlen haben.

Des Morgens früh die Erste kam,
Hatt' ihm eine Rose gebrochen,
Doch als er in die Hand sie nahm,
Hat ihn ein Dorn gestochen.

"Weh! deine Lieb' birgt heimlich Leid,
Wie Dornen wird sich's geberden,
Nimm einen Andern, du Rosenmaid,
Wir können nicht glücklich werden."

Die Zweite kam am hohen Tag
Und bracht', um ihn zu werben,
Ein goldgelb Ringlein, doch es lag
Bald auf dem Estrich in Scherben.

"Es ist nicht Alles Gold, was gleißt,
Nicht echt ist deine Treue,
Ist wie dein Ring aus Glas geschweißt,
Schafft dir und mir nur Reue."

Die Dritte kam zur Dunkelheit:
"Ich habe nichts zu geben,
Aber ich biete für alle Zeit
Mein Herz dir und mein Leben."

Er sah im letzten Dämmerschein
Zwei helle Thränen blinken,
Er fühlt' im stillen Kämmerlein
An seine Brust sie sinken.

Er drückte sie an sich, er mußte sie
Mit ganzer Seele umfassen,
Er hielt sie fest und hat sie nie,
Nie wieder von sich gelassen.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Three maidens", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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10. Der graue Gesell [sung text not yet checked]

Hat sich ein Kerl an mich gehängt,
Der gar nicht los zu werden,
Auf Schritt und Tritt sich zu mir drängt
Mit äffenden Geberden.
Er hat mit mir stets einen Weg,
Ist auch kein Mädchenhasser,
Doch geht es über schmalen Steg,
Fällt lautlos er ins Wasser.

Ist ein geschmeidiger Gesell
In dunkelgrauem Kleide,
Leichtfüßig und gedankenschnell
Und thut mir nichts zu Leide.
Er treibt sich rings um mich herum
Und setzt sich mit mir nieder,
Wenn ich ihn grüße, dankt er stumm,
Droh' ich ihm, droht er wieder.

Im Vollmond und im Sonnenschein
Kommt er, wo ich mich zeige,
Ein Spielmann aber muß er sein,
Oft seh' ich seine Geige.
Hat auch den echten Spielmannszug,
Den freudigen, gelenken,
Hebt stets mit mir zugleich den Krug
Und winkt mit mir dem Schenken.

Gut scheint er mit dem Wirth zu stehn,
Der muß mit Kreide malen,
Denn trinken hab' ich ihn wohl sehn,
Allein noch niemals zahlen.
Das ist nun zwar das Schlimmste nicht,
Was ich ihm schelten müßte,
Wenn ich nur von dem grauen Wicht
Sonst noch was Gutes wüßte.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The grey companion", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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11. Die Schalmei [sung text not yet checked]

Ich weiß im Wald eine Weide stahn,
Die hörte nie Wasser rauschen,
Nie weinen ein Kind, nie krähen den Hahn,
Da lohnt es der Mühe zu lauschen.
Wenn schon ihr Saft in Stamm und Ast
Aufsteigt und quillt zur Reife,
Dann klopft man wacker und schält den Bast
Vom Splinte zu einer Pfeife.

Denn von der Weide zur rechten Zeit
Ein Zweig geschnitten zur Flöte
Ist eine köstliche Heimlichkeit
Und gut für mancherlei Nöthe.
So Einer bläst auf solchem Rohr
Mit lautem, lustigem Schalle,
Spitzt Mensch und Thier sogleich das Ohr
Und folgt und geht in die Falle.

Ich locke mit Listen auf meiner Schalmei
Zu springenden, zappelnden Tänzen,
Da kommen die mit den Zöpfen herbei
Und die mit den langen Schwänzen.
Sie müssen heraus, sie müssen hervor
Aus ihrem Versteck und Gehäuse,
Die Weiber, die Mädchen, die Kinder im Chor,
Alle Ratten und alle Mäuse.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The shawm", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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12. Frage  [sung text not yet checked]

Eine Rose gepflückt! sie duftete ja
So süß und hold mir entgegen;
Als ich die blühende Rose sah,
Mußt' ich ans Herz mir sie legen.
Ist das denn Sünde?

Einen Kuß mir geraubt! der schwellende Mund,
Er lächelte Freuden und Liebe,
Als thät' er des Lebens Weisheit kund,
Da ward ich an ihm zum Diebe.
Ist das denn Sünde?

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13. Harren [sung text not yet checked]

Es blühen an den Wegen
Viel bunte Blümelein,
Es fließen unter Stegen
Viel klare Wässerlein.

Die Blumen müssen bleiben
Allstets an ihrem Ort,
Die Wellen aber treiben
Nur immer fort und fort.

Das Mägdlein aus der Mühle
Steht an des Ufers Rand
Und wirft hinab ins Kühle
Die Rose aus der Hand.

Zieh nach dem Einen, Lieben,
Der's Sehnen mich gelehrt,
Sieh zu, wo er geblieben
Und wann er wiederkehrt.

Sag' ihm, es stünd' im Garten
Voll Rosen unser Strauch,
Die duftend seiner harrten,
Und harrend stünd' ich auch.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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14. Wenn du kein Spielmann wärst  [sung text not yet checked]

Traf ich die Blonde im dämmrigen Gange,
Herzte sie, küßte sie, frug nicht erst lange.
Zwar fing sie an, sich ein wenig zu wehren,
Ließ sich's doch balde gefallen in Ehren;
"Das aber sag' ich Dir," sprach sie, "Du Schlimmer!
Wenn du kein Spielmann wärst, litt' ich es nimmer;
Wenn du kein Spielmann wärst!"

Dank für das Wort! und es sei nicht vergessen;
Hab' mich mein Lebtag zu hoch nicht vermessen,
Aber ihr Mägdelein mögt es euch merken,
Haltet auf Tugend in Worten und Werken,
Jeglichem Mann, was im Sinn er auch hege,
Wenn's nicht ein Spielmann ist, geht aus dem Wege;
Wenn's nicht ein Spielmann ist!

Doch einem Spielmann, ja den könnt ihr glauben,
Dürfet ihm dieses und jenes erlauben,
Müsset ihm niemals mit Nein was verschlagen,
Müsset nur immer hübsch Ja zu ihm sagen.
Ach! und wie freu' ich mich, will es nicht hehlen:
Weil ich ein Spielmann bin, kann mir's nicht fehlen;
Weil ich ein Spielmann bin!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "If you weren’t a musician", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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15. Waldharfen [sung text not yet checked]

Ein leises, fernes Rauschen klingt
Vom Bergeshaupt hernieder,
Und wie es schwillt und näher dringt,
Vernehm' ich Wipfellieder.

Waldharfen viele tausend stehn
Festwurzelnd am Gelände,
Die schlägt der Wind, darüber gehn
Läßt er die starken Hände.

Es säuselt und es saust und tönt,
Kommt hoch daher gezogen,
Der ganze Bergwald braust und dröhnt
Und schwingt in grünen Wogen.

Wie Wolkenflug vorüber wallt
Das Schauern in den Zweigen.
Bis es dahin stirbt und verhallt
In Flüsterhauch und Schweigen.

Ja, Vöglein, wer da singen mag!
Wir kleinen Spielleut lauschen,
Wenn von des großen Griff und Schlag
Waldharfen um uns rauschen.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Forest harps", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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16. Am Eckernkruge [sung text not yet checked]

Am Eckernkrug die Eiche
Sah manche hundert Jahr,
Sie wuchs schon, als im Reiche
Carolus Kaiser war.

Es steht in ihrem Schatten
Ein Tisch mit einem Bein,
Demselben dient zur Platten
Ein alter Mühlenstein.

Dort hab' ich jüngst gerastet
Am Tisch und auf der Bank,
Und weil ich lang' gefastet,
Rief ich nach Speis' und Trank.

Bald kam damit gegangen
Des Krügers rosig Kind,
Ich sah an Mund und Wangen
Mir fast die Augen blind.

Sie sprach zu mir und lachte,
Doch ich war starr und stumm,
Ich weiß nicht, was ich dachte,
Der Mühlstein lief rundum.

Und als ich schied von hinnen, 
Da war so schwer mein Schritt, 
Ich trug im Herzen drinnen
Gewiß den Mühlstein mit.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "At the Eckernkrug", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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17. Wider die Pfaffen [sung text not yet checked]

Die Pfaffen tragen hoch das Haupt,
Es walten dunkle Zeiten,
Und wer nicht glaubt und aberglaubt,
Dem drohen sie mit Scheiten.

Frech bläht sich auf das schwarze Pack,
Als hätten sie gleich Rieten
Den Kaiser und das Reich im Sack
Und könnten uns was bieten.

Sie wissen sich im Glaubensstreit
Vor Hochmuth nicht zu lassen
Und lehren uns statt Duldsamkeit
Verfolgen nur und hassen.

O Kaiser Rudolf, starker Held,
Siegreich in vielen Schlachten,
Den Pfaffen räume nicht das Feld,
Die nach der Herrschaft trachten.

Stund' nur in dieser Zeiten Lauf
Mit seines Wortes Schneide
Als unser Meister wieder auf
Der von der Vogelweide!

Doch weil er längst zu Würzburg ruht
In seines Grabes Ehren,
So wollen wir mit eignem Muth
Uns vor den Pfaffen wehren. 

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Against the priests", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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18. Erinnerung  [sung text not yet checked]

Die Bilder des Lebens schwanken,
Die Berge wechseln ihr Kleid,
Du kommst mir nicht aus den Gedanken,
Du dunkelbraunlockige Maid!

Meine Augen haben die deinen,
Deine die meinen gesucht,
Heimlich wie unter Steinen
Ein blaues Vergißmeinnicht lugt.

Und als ich fuhr von hinnen,
Hab' ich mich umgesehn,
Dein weißes Tuch von Linnen
Ließest du flatternd wehn.

Die Sonne war bald verschwunden,
Und nieder sank die Nacht;
Hast du in ruhigen Stunden
Noch einmal an mich gedacht?

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Remembrance", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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19. Valet!  [sung text not yet checked]

Nun trinke Valet und fahre dahin! 
Frisch an, Geselle, frisch an! 
Ein tapferes Herz und ein fröhlicher Sinn,
Das hilft in den Sattel dem Mann.
Was rüstig begonnen,
Ist halb schon gewonnen,
Drum vorwärts! und biete dem Glücke die Hand 
Zu Wege, zu Stege, zu Wasser und Land.

Wenn dich in der Ferne die Schwalbe umkreist,
Dann denke, so fliegt sie auch hier,
Das Tischlein, an dem du noch gestern gespeist,
Giebt heut einem Andern Quartier.
So werden getrieben,
Die gerne geblieben,
Es rostet kein Riegel, es bindet kein Band 
Zu Wege, zu Stege, zu Wasser und Land.

 Wenn sauer der Wind um die Nase dir weht,
Was thut es nur immer grad' aus! 
Und hat dir ein Mädel den Kopf verdreht,
Reich ihr den Vergißmeinnichtstrauß.
Wo immer auch winken 
Dir Becher zum Trinken,
Da schüttle nicht, lösch' in der Kehle den Brand 
Zu Wege, zu Stege, zu Wasser und Land.

Nun werde gesprochen das letzte Wort,
Valet, Geselle! Valet! 
Was hier verwelket, das blühet dort,
Und einmal wird Alles wett. 
Wenn lange verklungen,
Was einst wir gesungen,
So hält doch in Stürmen die Treue noch Stand 
Zu Wege, zu Stege, zu Wasser und Land.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Farewell!", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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20. Die zwei Ratten  [sung text not yet checked]

Es waren zwei Ratten mit rauhem Schwanz,
Ruschimuschikuschifidibum! 
Die wollten zusammen zum Kirchweihtanz,
Ruschimuschikuschifidibum!
Sie zogen sich an ihren Sonntagsstaat
Und freuten sich über die reiche Wat,
Sie dachten, es könnte sie Keiner,
Und jede dünkte sich feiner.

Sie krochen dem Bauer ins Wagenstroh,
Ruschimuschikuschifidibum!
Und fuhren umsonst zur Kirchweih so,
Ruschimuschikuschifidibum! 
Und als der Bauer am Kruge hielt, 
Da ward im Saale schon aufgespielt,
Sie kletterten vom Gefährte 
Und kräuselten sich die Bärte.

Der Dudelsack und der Sumber klang,
Ruschimuschikuschifidibum!
Dem Fiedler die erste Saite sprang,
Ruschimuschikuschifidibum!
Die Ratten wurden da sehr geehrt 
Und wären doch lieber gleich umgekehrt,
Sie konnten sich kaum gewöhnen
An all das Summen und Dröhnen.

Nun traten sie aber zum Tanzen an,
Ruschimuschikuschifidibum!
Die eine als Weib, die andre als Mann, 
Ruschimuschikuschifidibum!
Aus einmal hieß es mitten im Tanz: 
Das sieht ja aus wie ein Rattenschwanz,
Ruft doch den Herbergsvater,
Der hat einen schwarzen Kater.

Der Kater sprang: jetzt kriegt ihr den Lohn!
Ruschimuschikuschifidibum!
Hilf Himmel! Herr Kater, wir gehen ja schon!
Ruschimuschikuschifidibum! 
Der Kater aber biß zweimal zu, 
Da hatten die Ratten vom Tanzen Ruh,
Man hing sie an den Schwänzen,
Die Stallthür zu bekränzen.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The two rats", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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21. Mittsommerstrauß [sung text not yet checked]

Wer wird nun den Mittsommerstrauß,
Du armes Kind, dir pflücken?
Und weinst du dir die Augen aus,
Darfst dich mit Rosen nicht schmücken;
Die Gilgen sind für dich zu weiß,
Dir ziemt nicht Veil und Ehrenpreis,
Nur Kraut und grüne Blätter.

Wenn ihr mir keine Gilgen gönnt,
Schleich' ich mich still bei Seite,
Und weil ihr mir nicht helfen könnt,
Brauch' ich auch kein Geleite.
Es findet die verlass'ne Braut
Wohl Frauenthrän' und Haderkraut,
Friedlos und Gottvergessen.

Und sollt' ich gar betrogen sein
In Schmach und Missewende,
So such' ich mir Neunhämmerlein,
Weiß auch, zu welchem Ende.
Wachholder wächst und Rosmarin,
Und unterm Hagedorne blühn
Wegwart und Wedewinde.

Doch wenn mein Liebster wiederkehrt,
Ist keine Treu gebrochen,
Er hat zu hoffen mich gelehrt,
Das Ringlein mir versprochen.
Daß ihn der liebe Gott behüt'!
Nach ihm nur schmachtet mein Gemüth
Wie Sommerlaub nach Regen.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Midsummer bouquet", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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22. Curriculum vitae [sung text not yet checked]

Im Graben geboren, mit Püffen gewiegt,
Um Vater und Mutter betrogen,
Im Zaune versteckt, an Dornen geschmiegt,
Zum Betteln und Hungern erzogen,
Bei Seite gestoßen, geduckt und gehöhnt,
Um's Beste gebracht, an's Ärgste gewohnt,
So mußt' ich in frühesten Tagen
Durch's lumpige Leben mich schlagen.

Ich hab' mich gewunden, geschunden, gedreht
Und mich an das Sprüchlein gehalten,
Daß Unkraut nun und nimmer vergeht,
Und würd' es in Stücke gespalten.
So bin ich, geschubst und geschleudert von All'n,
Doch immer auf meine vier Beine gefall'n
Und bin in der Fahrenden Orden
Ein lustiger Prior geworden.

Bald wuchs mir der Muth und die List und die Kraft,
Ich kannte nicht Fürchten, nicht Wanken,
Und was ich im Leben mir Gutes verschafft,
Sonst Keinem hab' ich es zu danken.
Und hingen mir Trauben zu hoch einmal,
So waren sie sicherlich sauer und schal,
Denn Alles kann ich bezwingen
Mit Fiedeln und Flöten und Singen.

Auf Wanderschaft hab' ich im Rasten und Ruhn
Vielmanches gelernt und getrieben,
Zuweilen auch wußt' ich nichts Bess'res zu thun,
Als minnige Mädchen zu lieben.
Ich habe mit manchem vertrauten Kumpan
Mein Barres und Blankes in Freuden verthan,
Wohin ich die Schritte mag kehren,
Da winken mir Hulden und Ehren.

So hab' ich mich fest auf mich selber gestellt
Und brauche mich nicht zu erniedern,
Hoch aufrecht und frei durchfahr' ich die Welt
Und erobre die Herzen mit Liedern.
Und wenn doch mal endlich beim Kragen mich kriegt
Der älteste Fiedelmann und mich besiegt,
Wird lange noch leben die Märe
Vom listigen Rattenfängäre.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Curriculum vitae", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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23. Lockung  [sung text not yet checked]

Schläfst du, Liebchen? schläfst du schon?
Laß kein Traum dich irren,
Horche, wie mit süßem Ton
Meine Saiten schwirren.
Blinkend lauschen alle Sterne
Auf mein Liedlein zur Quinterne,
Klimperlingklingkling! laß ein!
Liebe will bei Liebe sein.

Oder komm herunter sacht
Nur in leichter Hülle,
Daß sich in verschwiegner Nacht 
Unser Wunsch erfülle
Und beschirmt von dichten Zweigen
Innig sich die Herzen neigen.
Klimperlingklingkling! steh auf! 
Loser Fuß hat leisen Lauf.

Eilend rauscht der kleine Fluß,
Seine Wasser klingen,
Wellen tauschen Gruß und Kuß 
Flüchtig im Umschlingen.
Willst in meinen Arm dich schmiegen,
Will ich dich wie Wellen wiegen.
Klimperlingklingkling! mach' schnell!
Muth ist jeden Glücks Gesell.

Liebchen, holdes Liebchen, komm!
Schleiche auf den Zehen,
Laß mit Zaudern furchtsam fromm
Nicht die Zeit vergehen,
Daß der Morgen uns nicht grauet,
Eh' du mir dein Herz vertrauet.
Klimperlingklingkling! -- klingling!
Horch! der Riegel klirrt im Ring.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Temptation", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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24. Die schönste Frau vom Rheine  [sung text not yet checked]

Sei mir gepriesen und gelobt,
Du sangesfroher Rhein, 
Wo ich gekostet und geprobt
So manchen goldnen Wein! 
An deinen Ufern rebengrün, 
Viel schöne Frau'n und Mädchen blühn,
Wo aber wandelt Eine,
Die schönste Frau vom Rheine? 

Ich weiß es wohl, doch nimmerdar
Werd' ich es euch gestehn,
Es würde sonst der Pilger Schaar 
Zu ihr auf Wallfahrt gehn.
Ich saß bei ihr am Tafelrund,
Doch mir erstarb das Wort im Mund,
Stumm fand mich selbst beim Weine 
Die schönste Frau vom Rheine.

Es schwebt gleich einer Königin
Ihr lilienstolzes Bild,
Ihr Wesen Anmuth, Huld ihr Sinn,
Ihr Lächeln wundermild.
Die Augen brunnentief und klar,
Hoch krönet dunkellockig Haar 
Die Stirn von Elfenbeine 
Der schönsten Frau vom Rheine.

Zieh hin, mein Lied, mit leisem Ton 
Und kling umher um sie,
An ihrem Sitz, an ihrem Thron, 
Zu ihren Füßen knie.
Soviel des Wassers fließt zur Au, 
Soviel des Weines wächst im Gau,
Soviel grüß mir die Eine 
Die schönste Frau vom Rheine!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "The most beautiful woman of the Rhine", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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25. Wo ich mich zeige  [sung text not yet checked]

Wo ich mich zeige
Mit meiner Geige,
Hab' ich nimmer Rast und Ruh,
Aus der Schenke ruft mir's zu:
Heilo, Hunold! Hunold, hier!
Hunold, komm! setz' dich zu mir!
Hunold, lieber Hunold!

Laß ich zum Streichen
Mich dann erweichen,
Rückt die Tische man zur Wand,
Dirnen sind im Nu zur Hand, --
Hunold fiedelt! dran und drauf!
Hunold, höre noch nicht auf!
Hunold, lieber Hunold!

Nach ihrem Springen
Muß ich noch singen;
Hätt' ich Lieder mehr im Kopf,
Als zehn Mädchen Haar' im Zopf, --
Hunold, hieß es immer doch,
Hunold, weiter! eines noch!
Hunold, lieber Hunold!

Andere winken
Wieder zum Trinken,
Reichen mir den größten Krug
Klipp und klapp und Zug um Zug!
Hunold wird wohl durstig sein,
Hurtig schenkt dem Hunold ein!
Hunold, lieber Hunold!

Allen ist's leide,
Wenn ich dann scheide,
Und sie drücken mir die Hand,
Geben mir Geleit ins Land,
Bleiben grüßend lange stehn,
Hunold, hör'! auf Wiedersehn!
Hunold, lieber Hunold!

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Wherever I appear", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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26. Stelldichein [sung text not yet checked]

Die Lippen rege nicht, noch Augenbraunen,
Ganz ruhig bleib' und schau' voll Gleichmuth drein,
Daß Niemand merkt mein Flüstern und mein Raunen,
Denn was du hörest, ist für dich allein.

Ich liebe dich und will nicht von dir lassen,
Ich bin dein Schatten, der sich an dich hängt,
Mit allen Fibern will ich dich umfassen,
Daß meine Seele sich in deine drängt.

Du bist so schön! dein weißer Nacken glänzet,
Erschrick nicht, wenn ihn jetzt mein Mund berührt!
Von deiner weichen Locken Fluth umkränzet
Glühn dir die Wangen, und die Sehnsucht schürt.

Der Mond ist dunkel jetzt, komm in den Garten,
Komm in der Laube dämmriges Gemach,
Ich geh' voraus, laß mich nicht lange warten!
Dein Busen wogt, -- ich weiß, du folgst mir nach. 

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Rendezvous", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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27. Am Waldteiche  [sung text not yet checked]

Ein Mägdlein ging im grünen Wald,
suavis et formosa [reizend und schön],1
War schlank und lieblich von Gestalt,
florens quasi rosa [wie eine blühende Rose].

Und sieh! da war ein stiller Teich,
silva circumdata [vom Wald umgeben],
Ach, wär' ich doch ein Fischlein gleich!
cogitat ornata [denkt sie in ihren geschmückten Gewändern].

Und wie sie um und um sich sah,
solitaria fuit [sie war ganz allein],
Was meint ihr wohl, was da geschah?
vestem hic exuit [dann entkleidete sie sich].

Dann blieb sie dicht am Ufer stehn,
bella creatura [das schöne Geschöpf],
Wie noch kein Auge sie gesehn
puram in natura [in ihrer reinen Natürlichkeit].

Da schwiegen alle Vögelein
formam mirabundae [staunend ob ihrer Schönheit],
Da hüpften über Kies und Stein
appetentes undae [Wellen voller Begehrung nach ihr].

Sie stieg hinein in keuscher Lust
quercu sub vetusta [unter einer alten Eiche]
Und kühlte sich die weiße Brust
membraque venusta [und die anmutigen Glieder].

Auf einmal aus dem Busche sprang
canis ad venandum [ein Jagdhund auf der Pirsch],
Im Wasser ward dem Mädchen bang,
quid nunc ad velandum [womit soll sie sich nun decken]?

Von dem, was hier das Hündlein fand,
tunicam heu! demit, [ach, es lief mit ihren Kleidern davon]
O weh! laß mir mein weiß Gewand!
virgo clamat, gemit [schreit die Jungfrau, stöhnend].

Das Hündlein sprang wohl her und hin,
tunicam in ore [mit ihrem Gewand im Maul],
Da lief ihm nach das Magedin,
Cypris pulchrae more [wie eine schöne Venus].

Als endlich sie's ihm abgejagt,
adest non viator [niemand kam vorbei],
Schlüpft sie hinein und denkt verzagt:
vidit me venator [sah mich ein Jäger]?

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "At the forest pond", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

View original text (without footnotes)
Note: the original text is in German and Latin; the German translations are not in the original but have been provided by Sharon Krebs.

1The assistance with the Latin translations provided by Dr. Cedric Littlewood of the University of Victoria is gratefully acknowledged.


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

28. Spatz, Ratz, Katz [sung text not yet checked]

Auf dem Dache der Spatz,
In der Rinne die Ratz,
In der Luke die Katz,
Da saßen die Drei mit Sinnen
Und wußten nichts Rechts zu beginnen.

Schilp, schilp! sprach der Spatz,
Nimm in Acht dich, dicke Ratz!
Siehst du nicht die alte Katz?
Sie thut zwar, als ob sie schliefe,
Doch stille Wasser sind tiefe.

Habe Dank, kluger Spatz!
Rief die rauhe, graue Ratz,
Bin nicht bange vor der Katz,
Nach dir aber seh' ich sie schielen,
Sie möchte mit dir wohl spielen.

Was du denkst, dumme Ratz!
Ich kann fliegen, lacht' der Spatz
Und flog näher zu der Katz.
Er ließ in der Luke sich nieder
Und plusterte sein Gefieder.

Einen Satz macht die Katz,
Weg vom Platz ist die Ratz,
In der Tatz schreit der Spatz. --
Ihr Kinderchen, lasset euch lehren,
Vor eigener Thüre zu kehren.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Sparrow, rat, cat", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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29. Frühling  [sung text not yet checked]

Treib' hin, du letzte Scholle Eis,
Brich' auf, du junges braunes Reis,
Ich hab' genug an all dem Weiß,
Säh's gerne grünen und blühen.
Der Lenz steht draußen vor dem Thor,
Das Veilchen spitzt sein blaues Ohr,
Wie sehr es auch die Nacht noch fror,
Es fühlt ein Schwellen und Glühen.

Ich athme Würz' und Wonnen ein,
Umfaßt von goldnem Sonnenschein,
Schon grüßte mich ein Vögelein,
Das schüttelte sein Gefieder.
Mir selber wird so federleicht,
Als ob ins Herz die Liebe schleicht,
Der Frühling kommt und lacht und reicht
Mir Blumen und neue Lieder.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Springtime", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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30. Herbst [sung text not yet checked]

Es falbt der Wald, bunt wird das Laub
Und spielt in allen Farben,
Das Korn ward längst der Sense Raub,
Aus Ähren wurden Garben.
Gelbgrüner Wipfel Goldesglanz
Mischt sich mit bräunlich dunkeln,
Purpur durchglüht den Bergeskranz,
Feurige Büsche funkeln.

Nun ist dem Herbste Macht verliehn,
Der Wind braust in den Zweigen,
Und lange Sommerfäden ziehn,
Die kleinen Vöglein schweigen.
Ein kalter Hauch weht durch die Hall'n
Und will ans Herz uns fassen,
Wir müssen, wenn die Blätter fall'n,
Von unserm Liebsten lassen.

So welkt das Glück, das uns erfreut,
Dem wir mit Dank und Segen
Die letzten Blumen noch gestreut
Auf winterlichen Wegen.
Und stille wird's, bald decket Schnee,
Was todesreif geschieden,
Und hüllet Unruh, Streit und Weh
In tiefen Schlafes Frieden.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Autumn", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

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31. Istud vinum [sung text not yet checked]

Ein wanderfroher Hinker hinkt
Auch über Berg und Thal,
Ein bügelfester Trinker trinkt
Auch ohne Durst einmal.
Daß Hinken sich mit Trinken reimt,
Macht, Eines kommt vom Andern,
Denn wen der Wein hat festgeleimt,
Dem fällt es schwer zu wandern.
 Istud vinum, bonum vinum [Dieser Wein, guter Wein],
 vinum generosum [charaktervoller Wein]
 reddit virum intestinum [macht einen einen Mann innerlich]
 fortem, animosum [stark, mutig].

Wir dachten noch an keinen Halt
Im Siebenmeilenschritt,
Da hält uns Einer mit Gewalt
Am Wirthshaus und will mit.
Nun rasten wir, nun kleben wir
Und können nicht von dannen,
Es sei denn, vorher heben wir
Den, der da liegt, mit Kannen.
 Istud vinum, bonum vinum [Dieser Wein, guter Wein],
 vinum generosum [charaktervoller Wein]
 reddit virum intestinum [macht einen einen Mann innerlich]
 fortem, animosum [stark, mutig].

Ein gätlich Faß in Eisenband,
Gefüllt und wohl gepflegt,
Ruht lang' schon an der Kellerwand,
Allwo's kein Stoß bewegt.
Der Wein, so klar wie Goldesfluth,
Gefalbt von Vater Rhenus,
Macht Trinkers Herz so hochgemuth,
Als winket ihm Frau Venus.
 Istud vinum, bonum vinum [Dieser Wein, guter Wein],
 vinum generosum [charaktervoller Wein]
 reddit virum intestinum [macht einen einen Mann innerlich]
 fortem, animosum [stark, mutig].

Den größten Becher gießet voll,
Sitzt nieder auf der Bank,
Und still jetzt, wenn ich kosten soll!
Gott's Lohn, ist das ein Trank!
Ein jungfrisch Weib und alten Wein
Werd' ich so leicht nicht rügen,
Doch sollt' ich sagen: fädelt's ein
Verkehrt! da müßt' ich lügen.
 Istud vinum, bonum vinum [Dieser Wein, guter Wein],
 vinum generosum [charaktervoller Wein]
 reddit virum intestinum [macht einen einen Mann innerlich]
 fortem, animosum [stark, mutig].

Nun trinke Jeder, was er kann,
Und geb' es rechts herum,
Wer austrinkt, fängt von vorne an,
Sit privilegium [Es sei sein Vorrecht]!
Der edle Wein, der gute Wein,
Der Wein von Gottes Gnaden,
Das ist ein Wein, da kann sich drein
Die Seel' im Leibe baden.
 Istud vinum, bonum vinum [Dieser Wein, guter Wein],
 vinum generosum [charaktervoller Wein]
 reddit virum intestinum [macht einen einen Mann innerlich]
 fortem, animosum [stark, mutig].

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  • ENG English (Sharon Krebs) , "Istud vinum [This wine]", copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission

Translation of title: "Dieser Wein"; the words in brackets are translations of the Latin lines and were added by Sharon Krebs; assistance with these translations provided by Dr. Cedric Littlewood of the University of Victoria is gratefully acknowledged.

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32. Abschied [sung text not yet checked]

Die Schuhe geflickt und der Beutel gespickt,
Grüß' Gott, du wirthliches Dach!
Fahrt wohl, ihr Brüder, die ihr mir nickt,
Und saget nichts Böses mir nach;
Schweigt stille, ihr Mädel, von Abschied und Trauer,
Ich blase die Feder wohl über die Mauer,
Und fliegt sie grad' oder schräg,
So geht mein Weg.

Sie steckten ans Wamms mir den duftigen Strauß
Und schenkten mir noch einmal ein,
Dann wandert' ich fürbaß zum Thore hinaus
Und war in der Fremde allein.
Zurück nach den Thürmen noch blickt' ich vom Stege,
Da riefen die Vögel aus Busch und Gehege:
Fahr' weiter, Gesell, fahr' zu!
Was säumest du?

Zog über die Heide und über das Moor,
Da wehte der Wind so kalt,
Da sang es im Schilfe, da pfiff es im Rohr,
Und dann in den düsteren Wald,
Da gingen die Bäume die Winke die Wanke,
Die Brausen die Brasseln, die Klinke die Klanke,
Da schäumte und rauschte der Bach:
Mir nach! mir nach!

Nun kam ich zur klappernden Mühle in Gang
Und dachte: da kehrest du ein
Und legst dein Bündel still unter die Bank
Und grüßest mit Glück herein!
Den Mühlenstein sollst auf's Wasser du schlagen.
Tragt's den, so wird es dich auch wohl tragen;
Das Mühlrad ging immer rundum:
Kehr' um! kehr' um!

Ich habe durchfahren das weite Land,
Durchfahren dahin, daher,
Und was allerwegen vom Glück ich fand,
Davon ist das Ränzel nicht schwer,
Die Blumen am Wege, am Himmel die Sterne,
Die Einen verwelkt, die Andern so ferne,
Mein Herz, in der Welt allein,
Wer denkt noch dein?

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33. Grabschrift  [sung text not yet checked]

Und bötet ihr ein Bisthum mir
Und wolltet mich heilig sprechen,
Ich ließe für der Insul Zier
Nicht ab vom Singen und Zechen.
Und suchtet ihr eine Pfalz mir aus,
Ich bliebe, statt hoch zu thronen,
In einer junglustigen Wittib Haus
Viel lieber im Winter wohnen.

Ich mag in keinem Kreuzgang ruhn,
Will einst im Walde schlafen,
Und wollt ihr mir groß Ehre thun
An meines Schiffleins Hafen,
So meißelt mir die Chronika:
Er war unter seines Gleichen
Ein Markgraf der Frau Musika
In ihren blühenden Reichen.

Er war ein Wandrer dieser Welt,
Sein Lied war sein Begleiter,
Er war ein Fahrender ohne Zelt,
Ein Spielmann und nichts weiter.
Er war mehr fröhlich, als betrübt
Und führt' ein nothhaft Leben,
Hat viel gesungen, viel geliebt,
Drum sei ihm viel vergeben!

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