Spanisches Liederbuch: Geistliche Lieder

Song Cycle by Hugo Wolf (1860 - 1903)

Word count: 0

French (Français) translation: Livre de chants espagnols : chants spirituels

1. Nun bin ich dein [sung text checked 1 time]

Nun bin ich dein,
Du aller Blumen Blume,
Und sing' allein
Allstund zu deinem Ruhme;
Will eifrig sein,
Mich dir zu weih'n
Und deinem Duldertume.

Frau, auserlesen,
Zu dir steht all mein Hoffen,
Mein [innerst]1 Wesen
Ist allezeit dir offen. 
Komm, mich zu lösen
Vom Fluch des Bösen,
Der mich so hart betroffen!

Du Stern der See,
Du Port der Wonnen,
Von der im Weh
Die Wunden Heil gewonnen,
Eh' ich vergeh',
Blick' aus der Höh,
Du Königin der Sonnen!

Nie kann versiegen
Die Fülle deiner Gnaden;
Du hilfst zum Siegen
Dem, der mit Schmach beladen. 
An dich sich schmiegen,
Zu deinen Füßen liegen
Heilt allen [Harm]2 und Schaden.

Ich leide schwer
Und wohlverdiente Strafen. 
Mir bangt so sehr,
Bald Todesschlaf zu schlafen. 
Tritt du einher,
Und durch das Meer
O führe mich zum Hafen!

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  • ENG English (Laura Prichard) , copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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Confirmed with Spanisches Liederbuch von Emanuel Geibel und Paul Heyse, Berlin, Verlag von Wilhelm Hertz, 1852, pages 3-4.

1 Lange-Müller: "ganzes"
2 Lange-Müller: "Schmerz"

Research team for this text: Emily Ezust [Administrator] , Grant Hicks

2. Die du Gott gebarst, du Reine [sung text checked 1 time]

Die du Gott gebarst, du Reine,
Und alleine
Uns gelöst aus unsern Ketten,
Mach mich fröhlich, der ich weine,
Denn nur deine
Huld und Gnade mag uns retten.

Herrin, ganz zu dir mich wende,
Daß sich ende
Diese Qual und dieses Grauen,
Daß der Tod mich furchtlos fände,
Und nicht blende
Mich das Licht der Himmelsauen.

Weil du unbefleckt geboren,
Auserkoren
Zu des ew'gen Ruhmes Stätten
Wie mich Leiden auch um floren,
Unverloren
Bin ich doch, willst du mich retten.

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  • ENG English (Laura Prichard) , "You who bore God", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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3. Nun wandre, Maria [sung text checked 1 time]

Nun wandre, Maria, nun wandre nur fort.
Schon krähen die Hähne, und nah ist der Ort.
Nun wandre, Geliebte, du Kleinod mein,
Und balde wir werden in Bethlehem sein.
Dann ruhest du fein und schlummerst dort.
Schon krähen die Hähne und nah ist der Ort.
Wohl seh ich, Herrin, die Kraft dir schwinden;
Kann deine Schmerzen, ach, kaum verwinden.
Getrost! Wohl finden wir Herberg dort.
Schon krähen die Hähne und nah ist der Ort.




Wär erst bestanden dein Stündlein, Marie,
Die gute Botschaft, gut lohnt ich sie.
Das Eselein hie gäb ich drum fort!
Schon krähen die Hähne und nah ist der Ort.

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  • ENG English [singable] (Peter Low) , "Keep going now, Mary", copyright © 2000, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English [singable] (Allen Shearer) , "Ride onward, sweet Mary", copyright © 2003, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Emily Ezust) , copyright © 2019
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Beneath the number in some collections: Der heilige Joseph singt

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4. Die ihr schwebet [sung text checked 1 time]

Die ihr schwebet
Um diese Palmen
In Nacht und Wind,
Ihr heilgen Engel,
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein Kind.

Ihr Palmen von Bethlehem
Im Windesbrausen,
Wie mögt ihr heute
So zornig sausen!
O rauscht nicht also!
Schweiget, neiget
Euch leis und lind;
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein Kind.

Der Himmelsknabe
Duldet Beschwerde,
Ach, wie so müd er ward
Vom Leid der Erde.
Ach nun im Schlaf ihm
Leise gesänftigt
Die Qual zerrinnt,
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein Kind.

Grimmige Kälte
Sauset hernieder,
Womit nur deck ich
Des Kindleins Glieder!
O all ihr Engel,
Die ihr geflügelt
Wandelt im Wind,
Stillet die Wipfel!
Es schlummert mein kind.

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  • DUT Dutch (Nederlands) [singable] (Lau Kanen) , copyright © 2014, (re)printed on this website with kind permission
  • ENG English (Lawrence Snyder) (Rebecca Plack) , "You who hover", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Voi che volate...", copyright © 2009, (re)printed on this website with kind permission

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5. Führ mich, Kind nach Bethlehem [sung text checked 1 time]

Führ mich, Kind nach Bethlehem!
Dich, mein Gott, dich will ich sehn.
Wem geläng' es, wem,
Ohne dich zu dir zu gehn!

Rüttle mich, daß ich erwache, 
Rufe mich, so will ich schreiten;
Gieb die Hand mir, mich zu leiten,
Daß ich auf den Weg mich mache.

Daß ich schaue Bethlehem, 
Dorten meinen Gott zu sehn.
Wem geläng' es, wem,
Ohne dich zu dir zu gehn!

Von der Sünde schwerem Kranken
Bin ich träg und dumpf beklommen.
Willst du nicht zu Hülfe kommen, 
Muß ich straucheln, muß ich schwanken.

Leite mich nach Bethlehem, 
Dich, mein Gott, dich will ich sehn.
Wem geläng' es, wem,
Ohne dich zu dir zu gehn!

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6. Ach, des Knaben Augen [sung text checked 1 time]

  Ach, des Knaben Augen sind
Mir so schön und klar erschienen,
Und ein Etwas strahlt aus ihnen,
Das mein ganzes Herz gewinnt.
 
  Blickt' er doch mit diesen süßen
Augen nach den meinen hin!
Säh' er dann sein Bild darin,
Würd' er wohl mich liebend grüßen.
Und so geb' ich ganz mich hin,
Seinen Augen nur zu dienen,
Denn ein Etwas strahlt aus ihnen,
Das mein ganzes Herz gewinnt.

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  • ENG English (Sharon Krebs) , no title, copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Ah, gli occhi di un fanciullo", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

Confirmed with Spanisches Liederbuch von Emanuel Geibel und Paul Heyse. Berlin: Verlag von Wilhelm Hertz, 1852, page 10


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7. Müh'voll komm' ich und beladen [sung text checked 1 time]

Mühvoll komm' ich und beladen,
Nimm mich an, du Hort der Gnaden!
 
Sieh, ich komm' in Thränen heiß
Mit demüthiger Geberde,
Dunkel ganz vom Staub der Erde.
Du nur schaffest, daß ich weiß
Wie das Vließ der Lämmer werde.
Tilgen willst du ja den Schaden
Dem, der reuig dich umfaßt;
Nimm denn, Herr, von mir die Last,
Mühvoll komm' ich und beladen.
 
Laß mich flehend vor dir knie'n,
Daß ich über deine Füße
Nardenduft und Thränen gieße,
Gleich dem Weib, dem du verzieh'n,
Bis die Schuld wie Rauch zerfließe.
Der den Schächer du geladen:
"Heute noch in Edens Bann
Wirst du sein!" o nimm mich an,
Nimm mich an, du Hort der Gnaden!

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Note: this is an original composition by Geibel, not a translation. The name Don Manuel de Rio is the name of a Spanish ancestor of Geibel's wife.

Confirmed with Spanisches Liederbuch von Emanuel Geibel und Paul Heyse. Berlin: Verlag von Wilhelm Hertz, 1852, page 12


Researcher for this text: Sharon Krebs [Guest Editor]

8. Ach, wie lang die Seele schlummert! [sung text checked 1 time]

Ach, wie lang die Seele schlummert!
Zeit ist's, daß sie sich ermuntre.
Daß man tot sie wähnen dürfte,
also schläft sie schwer und bang,
Seit sie jener Rausch bezwang
Den in Sündengift sie schlürfte.
Doch nun ihrer Sehnsucht Licht
Blendend ihr in's Auge bricht:
Zeit ist's, daß sie sich ermuntre.
Mochte sie gleich taub erscheinen
Bei der Engel süßem Chor:
Lauscht sie doch wohl zag empor,
Hört sie Gott als Kindlein weinen.
Da nach langer Schlummernacht
Solch ein Tag der Gnad' ihr lacht,
Zeit ist's, daß sie sich ermuntre.

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  • ENG English (Laura Prichard) , "Ah, how long the soul slumbers", copyright © 2015, (re)printed on this website with kind permission
  • FRE French (Français) (Guy Laffaille) , copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission
  • ITA Italian (Italiano) (Ferdinando Albeggiani) , "Quanto a lungo l'anima dorme!", copyright © 2011, (re)printed on this website with kind permission

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9. Herr, was trägt der Boden hier [sung text checked 1 time]

Herr, was trägt der Boden hier,
Den du tränkst so bitterlich?
»Dornen, liebes Herz, für mich,
Und für dich der Blumen Zier.«

Ach, wo solche Bäche rinnen,
Wird ein Garten da gedeihn?
»Ja, und wisse! Kränzelein,
Gar verschiedne, flicht man drinnen.«

O mein Herr, zu wessen Zier
Windet man die Kränze? sprich!
»Die von Dornen sind für mich,
Die von Blumen reich ich dir.«

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  • ENG English (Lawrence Snyder) (Rebecca Plack) , "Lord, what does this ground bear", copyright ©, (re)printed on this website with kind permission
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10. Wunden trägst du mein Geliebter [sung text checked 1 time]

Wunden trägst du mein Geliebter,
Und sie schmerzen dich;
Trüg' ich sie statt deiner, ich!

Herr, wer wagt' es so zu färben
Deine Stirn mit Blut und Schweiß?
"Diese Male sind der Preis,
Dich, o Seele, zu erwerben.
An den Wunden muß ich sterben,
Weil ich dich geliebt so heiß."

Könnt' ich, Herr, für dich sie tragen,
Da es Todeswunden sind.
"Wenn dies Leid dich rührt, mein Kind,
Magst du Lebenswunden sagen:
Ihrer keine ward geschlagen,
Draus für dich nicht Leben rinnt."

Ach, wie mir in Herz und Sinnen
Deine Qual so wehe tut!
"Härtres noch mit treuem Mut
Trüg' ich froh, dich zu gewinnen;
Denn nur der weiß recht zu minnen,
Der da stirbt vor Liebesglut."

Wunden trägst du mein Geliebter,
Und sie schmerzen dich;
Trüg' ich sie statt deiner, ich!

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